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Eröffnung des Heiligen Jahres : Zwischen Tür und Engel

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Papst Franziskus öffnet die Heilige Pforte. Bild: AFP

Feierliche Zeremonie vor zehntausenden Gläubigen im Vatikan: Der Papst hat die Heilige Pforte des Petersdoms geöffnet. Es ist der Auftakt des Jahres der Barmherzigkeit, das Franziskus ausgerufen hat.

          So leicht fällt ihm der Anfang dieses besonderen Jahres nicht. „Öffnet mir die Tore zur Gerechtigkeit“, ruft Papst Franziskus zunächst vor dem geschlossenen Einlass aus Goldbronze ganz rechts in der Vorhalle von Sankt Peter und verharrt für einen Moment. Dann muss er sich mit all der Kraft seiner beiden Hände und Arme bemühen, das Tor, das 15 Jahre vermauert und verriegelt war, einen Spalt zu öffnen. Schließlich helfen ihm zwei Diener im Inneren der Basilika. Langsam öffnet darauf das Tor seine Flügel, und der Papst kann endlich eintreten. Dabei nimmt er von draußen den kalten Wind mit hinein, der mit seinem Umhang spielt, als der Papst drinnen in aller Stille betet.

          Hinter ihm folgt mit langsamen Schritten Emeritus Benedikt XVI. Der mit 88 um zehn Jahre ältere Altpapst geht gebückt und am Stock. Benedikt XVI. ist nur für diesen symbolisch entscheidenden Augenblick aus seinem Kloster in den Vatikanischen Gärten gekommen, mit dem das „Heilige Jahr der Barmherzigkeit“ offiziell beginnt. Dass Gott nichts anderes als Liebe und Verzeihen sei, hat er schon 2005 in seiner Enzyklika „Deus caritas est“ herausgearbeitet. Neben dem Becken mit dem Weihwasser wechseln Franziskus und der Altpapst einige Worte. Gesten der Vertrautheit. Selten, aber bei den wichtigsten Augenblicken des Pontifikats von Franziskus ist der Emeritus gerne dabei und macht so deutlich, dass er den Nachfolger schätzt und sein Werk unterstützt.

          Schon beim ersten Heiligen Jahr, mit dem Bonifatius VIII. im Jahr 1300 die verbreitete Angst vor dem Ende aller Zeiten aufnahm und den Rompilgern „vollste Vergebung all ihrer Sünden“ versprach, ging es um die Barmherzigkeit Gottes. Anknüpfend an die hebräische Tradition des Jubeljahres, in dem Jahwe alle 50 Jahre die Welt mit ihren Menschen quasi wieder zu sich zurücknimmt, ihnen Sünden und Laster verzeiht, Sklaven die Freiheit gibt und die Gleichheit aller Menschen wiederherstellt, verspricht die katholische Kirche alle 25 Jahre den Pilgern vollständigen Ablass. Seit Jahrhunderten verbindet sich mit so einem Jahr auch das Symbol der Heiligen Tür. So heißt es 1400 in einer Botschaft aus Rom: „Wer dreimal durch diese Pforte schreitet, dem werden Schuld und Sündenstrafen nachgelassen.“ Damit erinnert die Kirche seit Jahrhunderten an Jesu Wort im Evangelium des Johannes: „Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden.“ Das letzte „normale“ Heilige Jahr fand unter Johannes Paul II. im Jahre 2000 statt.

          Verknüpfung mit den beiden Synoden

          Nun setzt Papst Franziskus ein „außerordentliches Jubeljahr“ jenseits des Zyklus ein, mit dem er seine pastorale Lehrunterweisung vertiefen will. Denn dies Jahr widmet sich unter dem Motto „Seid barmherzig wie der himmlische Vater“ aus dem Lukasevangelium, Franziskus’ Herzthema: dem liebenden Verzeihen Gottes. Zu seinem Auftakt nutzt der Papst das Fest der Unbefleckten Empfängnis, an dem vor 50 Jahren das Zweite Vatikanische Konzil endete: Mit jener Synode habe nach Jahren der Dürre, in denen sich die Kirche in sich selbst verschloss, wieder „eine wirkliche Begegnung zwischen der Kirche und den Menschen begonnen“, wie der Papst in seiner Predigt Minuten vor der Öffnung der Heiligen Pforte sagt. So wie jenes Konzil damals eine Tür aufriss, „um auf jeden Menschen zuzugehen, wo er auch lebt, um zu ihm die Freude des Evangeliums zu bringen“, so rufe er nun mit der Öffnung der Pforte 50 Jahre später alle Menschen auf, „sich bei der Hinwendung zueinander wieder die Haltung des barmherzigen Samariters zu eigen zu machen“, der seinem von Räubern überfallenen und verwundeten Nächsten half; ungeachtet ihrer unterschiedlichen Herkunft oder Religion.

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