Home
http://www.faz.net/-gpf-7harh
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Papst-Appell zum Syrien-Konflikt „Krieg ist immer eine Niederlage für die Menschheit“

 ·  Franziskus setzt die moralische Macht seines Amtes gegen die Angriffspläne auf Syrien ein. Krieg schafft keinen Frieden, Versöhnung ist nötig, sagte der Papst in einer Gebetswache.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (68)

Mit einem flammenden Appell vor Zehntausenden Gläubigen hat Papst Franziskus am Samstagabend in Rom ein Ende der Gewalt und des Kriegsgetöses verlangt. Er hatte die Katholiken zu einer zentralen Gebetswache für den Frieden weltweit auf dem Petersplatz aufgerufen. „Möge das Waffenrasseln aufhören! Krieg bedeutet immer das Scheitern des Friedens, er ist immer eine Niederlage für die Menschheit“, sagte er bewegt der Menschenmenge auf dem Platz.

Franziskus rief die Christen, die anderen Religionen und alle Menschen guten Willens nachdrücklich auf: „Gewalt und Krieg sind niemals der Weg des Friedens. Vergebung, Dialog, Versöhnung sind die Worte des Friedens - in der geliebten syrischen Nation, im Vorderen Orient, in der ganzen Welt.“ Er forderte auf der Gebetswache dazu auf, für Frieden zu beten, und kritisierte: „Wir haben unsere Waffen vervollkommnet, unser Gewissen ist eingeschlafen, und wir haben ausgeklügeltere Begründungen gefunden, um uns zu rechtfertigen.“

© REUTERS Vergrößern Franziskus forderte die Katholiken zu einer zentralen Gebetswache für den Frieden weltweit auf dem Petersplatz auf

Bereits in den vergangenen Wochen hatte Franziskus sich immer wieder für Dialog und Versöhnung in dem Bürgerkriegsland Syrien stark gemacht und einen Militärschlag gegen Damaskus strikt abgelehnt. Wesentlich ist dabei sein Friedensaufruf „Nie wieder Krieg“ vom 1. September: „Wir wollen, dass in unserer von Spaltungen und Konflikten zerrissenen Gesellschaft der Frieden ausbricht.“ Zudem hatte Franziskus in einem Brief an den russischen Präsidenten und Vorsitzenden des G20-Gipfels, Wladimir Putin, dafür geworben, den Bemühungen um Frieden für Syrien eine Chance zu geben.

Der päpstliche Aufruf zum Gebetstag hatte ein starkes Echo ausgelöst, und auch aus den nichtchristlichen Religionen kam dafür viel Zustimmung. Muslime und Juden beteiligten sich an dem Gebet für den Frieden. Der Vatikan wertete die Initiative des Papstes als das „Herzstück“ seines Einsatzes gegen Gewalt und Krieg, so wie Johannes Paul II. einst gegen den Golfkrieg mobil zu machen versucht hatte.

  Weitersagen Kommentieren (124) Merken Drucken
Weitere Empfehlungen
Politik aus dem Herzen Der Papst als Weltdiplomat

Franziskus macht eine Außenpolitik aus dem Herzen und nicht nach geopolitischen Vorgaben. Der Einfluss des vatikanischen Staatssekretariates hält sich dabei in Grenzen. Mehr

18.04.2014, 15:34 Uhr | Politik
Kardinal Müller im Gespräch „In der Theologie gab und gibt es immer auch Versuch und Irrtum“

Gerhard Kardinal Müller ist Präfekt der vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre. Im F.A.Z-Interview spricht er über Widerstände gegen seine Aufnahme ins Kardinalskollegium, die Pius-Brüderschaft, die Befreiungstheologie und die Entweltlichung der Kirche. Mehr

14.04.2014, 07:58 Uhr | Politik
Jörn Leonhard: Die Büchse der Pandora Kollektive Irrtümer und große Opfer

Ende 1914 waren die Erwartungen eines raschen Sieges gescheitert. Der Bewegungskrieg erstarrte im Westen zum Stellungskrieg. Nach vielen verlustreichen Angriffen und Gegenangriffen, nach Millionen von Toten war die Front Anfang November 1918 ungefähr dort, wo sie im November 1914 gewesen war. Mehr

06.04.2014, 16:45 Uhr | Politik

07.09.2013, 21:05 Uhr

Weitersagen
 

Algerischer Verdruss

Von Christoph Ehrhardt

Die Hoffnung auf Reformen in Algerien ist nach dem abermaligen Wahlsieg Bouteflikas zerronnen. Bald dürften wieder Machtkämpfe in der Führung ausbrechen, um einen Nachfolger für den gebrechlichen Präsidenten zu bestimmen. Mehr 3 4

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden