20.10.2009 · Während die pakistanische Armee am Dienstag militärische Erfolge in Südwasiristan meldete, ist die Hauptstadt Islamabad abermals von einem Terroranschlag erschüttert worden. Seit Monatsbeginn reißt die Serie von Anschlägen nicht ab.
Von Jochen BuchsteinerWährend die pakistanische Armee am Dienstag militärische Erfolge in Südwasiristan meldete, ist die Hauptstadt Islamabad abermals von einem Terroranschlag erschüttert worden. Die Polizei bestätigte am Dienstag eine doppelte Detonation auf dem Campus der Islamischen Universität. Bei den Explosionen in zwei verschiedenen Teilen des Gebäudekomplexes seien sechs Personen getötet und mindestens 20 weitere verletzt worden. Anfang des Monats hatten Taliban das Büro des Welternährungsprogramms (WFP) in Islamabad angegriffen; danach folgte eine Serie von Anschlägen in anderen Städten des Landes.
Unterdessen nahm die pakistanische Armee nach eigenen Angaben strategisch wichtige Anhöhen vor der Stadt Kotkai ein, die als Bastion der Extremisten in Südwasiristan gilt. Seit Beginn der Bodenoffensive seien mehr als hundert Kämpfer getötet worden, zwanzig davon bei heftigen Gefechten in der Nacht auf Dienstag, teilte die Armee in Islamabad mit. Die „Tehrik-e-Taliban Pakistan“ (TTP) reklamieren ihrerseits Erfolge. Unabhängige Informationen sind dazu nicht zu bekommen.
Offener Brief an Mehsud-Stamm
In einem offenen Brief an den in Südwasiristan beheimateten Mehsud-Stamm hat Armeechef Kayani um Unterstützung gebeten. Ziel der Offensive, an der etwa 25.000 Soldaten teilnehmen, seien nicht die Mitglieder des „tapferen und patriotischen Mehsud-Stammes“, sondern „Elemente, die den Frieden in der Region zerstört haben“. Der Brief, der das Konterfei Kayanis trägt und in den Landesfarben gehalten ist, wurde aus Hubschraubern über Südwasiristan abgeworfen, teilte die Regierung in Islamabad mit. TTP-Anführer Hakimullah Mehsud, der für viele Anschläge und Terrorangriffe der vergangenen Wochen verantwortlich gemacht wird, gehört dem Mehsud-Stamm an. Inzwischen soll etwa jeder fünfte Bewohner Südwasiristans aus der Region geflohen sein.
Der amerikanische Verteidigungsminister Gates zeigte sich „ermutigt“ von der Militäroperation gegen die Taliban. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Senat, Kerry, hatte am Montag in Islamabad Washingtons Unterstützung kundgetan und das Hilfspaket für Pakistan verteidigt. Dieses berühre nicht die pakistanische Souveränität, sagte er kurz vor seiner Rückreise nach Kabul. In Islamabad waren die Bedingungen kritisiert worden, die Washington für die Hilfsleistungen gestellt hat.
Jochen Buchsteiner Jahrgang 1965, politischer Korrespondent für Süd- und Südostasien sowie Australien mit Sitz in Jakarta.
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