28.12.2007 · In Pakistan steht nach dem Tod von Benazir Bhutto viel auf dem Spiel: Islamistischer Terror, religiöser Fanatismus, ethnischer Nationalismus - viel Bedrohliches kommt da zusammen. Wer immer die Atommacht auf den Weg zu Demokratie und Mäßigung führt, verdient unterstützt zu werden.
Von Klaus-Dieter FrankenbergerGuter Rat ist teuer - wird dieses Sprichwort auf Pakistan angewandt, steigt der Preis ins Ungeheuere. Denn in Wahrheit weiß niemand, wie dieses Land nachhaltig zu festigen ist, wie sein von vielen Kräften bedrohter Zusammenhalt gewahrt und der um sich greifende Islamismus eingedämmt werden kann. Und wie Afghanistan von den islamistisch-terroristischen Umtrieben im Nachbarland zu schützen ist.
Der amerikanische Versuch, die Atommacht Pakistan zurück zur Demokratie zu führen und dennoch an Präsident Musharraf festzuhalten, ja deswegen an ihm festhalten zu können, hat einen schweren Rückschlag erlitten. Möglicherweise ist er völlig gescheitert. Benazir Bhutto, einen Sieg in der Parlamentswahl vorausgesetzt, sollte in einer Kohabitation mit Musharraf für Stabilität stehen und der beschädigten Stellung des Präsidenten Legitimität zuführen.
Die Ermordung der Politikerin, die die städtische, säkulare Opposition verkörperte, hat dieses Kalkül zunichte gemacht. Der ehemalige Regierungschef Nawaz Sharif taugt für derlei Überlegungen nicht, auch weil mit ihm kein demokratischer Staat zu machen ist. Also was?
Frau Bhutto war ihnen ein Dorn im Auge
Es ist zu erwarten, dass die amerikanische Regierung, ohne große Begeisterung, beinahe gequält, weiter zu Musharraf stehen wird. Was sollte sie sonst tun? Schließlich hat der Generalspräsident bei der Bekämpfung des Terrorismus mit Amerika zusammengearbeitet - zwar nicht so, wie sich Washington das erhofft hatte, aber immerhin.
Die größten Verluste in diesem Kampf hat die pakistanische Armee zu beklagen. Diese Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten hat wesentlich zu Musharrafs Unbeliebtheit im eigenen Land beigetragen; die Radikalen haben ihn auch deshalb zum Feind erklärt. Amerika und Demokratie - das ist nicht das, was militante islamische Kräfte wollen. Deswegen war ihnen auch Frau Bhutto ein Dorn im Auge.
Die Welt muss erkennen, was in Pakistan auf dem Spiel steht: Al Qaida und Taliban-Sympathisanten in großer Zahl und in Schlüsselpositionen, religiöser Fanatismus, ethnischer Nationalismus - viel Bedrohliches kommt da zusammen. Und es gibt die Atombombe. Da kann man nur hoffen, dass sie sicher unter Kontrolle ist. Wer immer Pakistan glaubhaft auf den Weg der Mäßigung führt und sich der Auseinandersetzung mit den Islamisten stellt, verdient unterstützt zu werden. Denn der Kampf geht die ganze Welt an.
Klaus-Dieter Frankenberger Jahrgang 1955, verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.
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