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OSZE-Kritik Beslan: Journalisten als Prügelknaben

16.09.2004 ·  Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) erhebt schwere Vorwürfe gegen Rußland: Die Medien seien während der Beslan-Tragödie massiv behindert worden.

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Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat Behinderungen und Einschüchterung von Journalisten bei der Berichterstattung über das Geiseldrama in Beslan kritisiert. Das Vorgehen der russischen Behörden bedeute „einen schweren Rückfall für eine Demokratie“, sagte Miklos Haraszti vom OSZE-Pressefreiheitsbüro am Donnerstag in Wien.

Sicherheitskräfte hätten Journalisten behindert, eingeschüchtert, festgenommen und Filmmaterial beschlagnahmt. Informationen seien nicht in angemessener Form weitergegeben worden. Dies habe zu einer dreifachen Glaubwürdigkeitslücke geführt, sagte Haraszti weiter: „Zwischen den Behörden und den Medien, zwischen den Medien und den Bürgern, zwischen der Regierung und dem Volk.“

Falsche Informationen

Bei der Geiselnahme in der nordossetischen Stadt wurden bei einem Inferno aus Schüssen und Explosionen am 3. September mindestens 338 Menschen getötet. Mehr als 1.200 Kinder und ihre Angehörigen waren drei Tage in der Gewalt der Geiselnehmer - eine Zahl, die von den Behörden anfangs stark untertrieben wurde. In dieser Situation hätten russische und ausländische Medien sich über den Sinn „nicht ausreichender, widersprüchlicher und falscher Informationen“ den Kopf zerbrechen müssen, rügte die OSZE. Die Arbeit der Journalisten in Beslan sei erheblich behindert und erschwert worden.

Die OSZE nannte auch konkrete Beispiele: Aufgebrachte Einwohner in Beslan hätten den Korrespondenten der „Komsolskaja Prawda“ verprügelt, weil er in seinem Bericht die amtlichen Angaben zitiert habe, in der Schule seien nur 300 Menschen als Geiseln genommen worden. Ein russisches Kamerateam sei von anderen Einwohnern mit Jagdflinten gejagt worden, weil es für Komplizen der Geiselnehmer gehalten worden sei. Auch ein französischer und ein schwedischer Journalist seien angegriffen und andere festgenommen worden.

Filmaufnahmen beschlagnahmt

Das feindselige Klima gegen Medienvertreter sei inoffiziell von der Tatsache geschürt worden, daß Journalisten bereits eine Viertelstunde nach Beginn der Terroraktion an der Schule eintrafen. Das sei als Beweis für die Behauptung benutzt worden, daß Journalisten Kontakt zu den Geiselnehmern hätten. Männer in Zivilkleidung hätten die Filmaufnahmen eines Kameramanns des russischen Sender Ren-TV beschlagnahmt.

„Es gib keine Zensur, aber ein totales Chaos“, zitierte der OSZE-Bericht Kameramann Boris Leonow. Journalisten vor Ort seien zu Prügelknaben für Einwohner Beslans gemacht worden. Filmaufnahmen vom blutigen Ende der Geiselnahme am 3. September seien von mehreren Fernsehteams beschlagnahmt worden: ARD, ZDF, APTN und dem georgischen Sender Rustawi-2. Aus der Untersuchung eines Rustawi-Journalisten durch einen georgischen Arzt gehe hervor, daß dieser während seiner Festnahme unter Betäubungsmittel gesetzt worden sei. Die in Paris ansässige Gruppe Reporter ohne Grenzen hat bereits eine Untersuchung des Falls verlangt.

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