10.01.2006 · Erstmals hat Susanne Osthoff ein Interview auf deutschem Boden gegeben. In der ARD-Sendung „Beckmann“ sprach die ehemalige Irak-Geisel über ihr Martyrium und die Gerüchte, sie habe für den BND gearbeitet.
Die frühere Geisel Susanne Osthoff steht auch drei Wochen nach ihrer Freilassung noch ständige Todesängste aus. „Es ist für mich bis heute gefährlich“, sagte die Archäologin bei ihrem ersten Interview auf deutschem Boden nach der überstandenen Geiselhaft.
Osthoff kritisierte in der ARD-Sendung „Beckmann“ zugleich die Arbeit des Krisenstabs im Auswärtigen Amt. Ihrer Ansicht nach hätte sie früher freikommen können. Laut ARD war Osthoff für die Aufzeichnung der Sendung für den Montag abend erstmals seit ihrer Entführung wieder in Deutschland. Sie sei am Samstag angereist, habe das Land am Sonntag aber wieder verlassen.
„Ich hatte Todesvisionen“
„Ich wechsele alle zwei Tage meinen Standort und das Land. Das ist äußerst anstrengend“, sagte die 43jährige. Es gebe keinen Alltag mehr für sie. Während der 24 Tage dauernden Geiselhaft habe sie ununterbrochen Todesangst gespürt, die bis heute anhalte. „Ich war ständig unter Lebensgefahr. Die Umstände waren unkontrollierbar. Am schlimmsten waren die Transporte im Kofferraum ins Ungewisse. Währenddessen habe ich mich tot gestellt. Ich hatte nur noch Todesvisionen“, sagte die Archäologin.
Osthoff wies zugleich Medienberichte zurück, nach denen sie für den Bundesnachrichtendienst gearbeitet haben soll: „Wenn ich ein Informant gewesen wäre, dann würde ich heute nicht mehr leben, dann hätten mich die Entführer umgebracht“. Osthoff bestätigte lediglich, daß sie Mitarbeitern der deutschen Botschaft in Bagdad manchmal Hinweise auf drohende Gefahren oder die Lage in bestimmten Gebieten gegeben habe. Dies sei in einem Krisen- und Kriegsgebiet wie dem Irak unter Landsleuten aber „absolut selbstverständlich“.
Zur Arbeit des Krisenstabs sagte Osthoff: „Ich weiß, daß man einen Mittelsmann in der ersten Woche hätte bestellen können. Diesen Kontakt hat jede Auslandsvertretung“. Nur die Deutschen hätten diesen Mittelsmann anscheinend nicht gekannt. Trotzdem bedankte sich Osthoff ausdrücklich beim Krisenstab und allen, die zur Beendigung der Geiselnahme beigetragen haben: „Ich bin jedem dankbar, der sich für mich engagiert hat und für mich seine Zeit geopfert hat. Ich konnte nicht wissen, daß in den Kirchen Kerzen für mich angezündet worden sind. Ich mußte schauen, daß ich überlebe und körperlich durchhalte.“