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Oslo : Friedensnobelpreis an drei Kämpferinnen für Frauenrechte

  • Aktualisiert am

Ellen Johnson-Sirleaf, Leymah Gbowee, Tawakkul Karman Bild: dpa

Mit dem Friedensnobelpreis werden in diesem Jahr die liberianische Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf, deren Landsfrau Leymah Gbowee und die jemenitische Journalistin Tawakkul Karman ausgezeichnet. Mit ihr erhält auch eine Aktivistin der Arabellion die Auszeichnung.

          Friedensnobelpreis für den Kampf um Gleichberechtigung: Drei Frauen aus Afrika und der arabischen Welt werden in diesem Jahr für ihren Einsatz gegen Krieg, Gewaltherrschaft und Unterdrückung des eigenen Geschlechts ausgezeichnet. Das norwegische Nobelpreis-Komitee zeichnet die liberianische Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf, deren Landsfrau Leymah Gbowee und die jemenitische Journalistin Tawakkul Karman aus.

          Die Drei erhalten den Preis „für ihren gewaltfreien Kampf für die Sicherheit von Frauen und für die Rechte von Frauen für volle Teilnahme an friedensbildender Arbeit“, erklärte der Vorsitzende des norwegischen Nobelkomitees, der frühere Ministerpräsident Thorbjörn Jagland, am Freitag in Oslo. Das Nobelpreis-Komitee betonte in seiner Begründung die tragende Rolle der Frauen in gesellschaftlichen Reformprozessen: „Wir können keine Demokratie und dauerhaften Frieden in der Welt erreichen, wenn Frauen nicht die gleichen Möglichkeiten wie Männer haben, um die Entwicklungen auf allen Ebenen der Gesellschaft zu beeinflussen.

          Die 72 Jahre alte Johnson Sirleaf wurde 2005 zur Präsidentin Liberias gewählt und war damit die erste demokratisch bestimmte Staatschefin Afrikas. Zum Zeitpunkt ihres Amtsantritts galt die Wirtschaftswissenschaftlerin als Reformerin und Friedensstifterin. Vor den in diesem Monat anstehenden Wahlen sah sie sich jedoch Wahlfälschungsvorwürfen der Opposition ausgesetzt. In einer ersten Reaktion auf die Entscheidung des Olsoer Komitess sagte Johnson-Sirleaf, der Preis sei Anerkennung „für sehr viele Jahre voller Kampf“ und auch  „wunderbarer Ausdruck für die Hoffnung auf ein neues Liberia.“

          Über die mit ausgezeichnete 39 Jahre alte Gbowee sagte die Präsidentin: „Viel von der Ehre dieses Preises gehört ihr und den anderen liberianischen Frauen, die die Diktatur herausgefordert haben.“ Die Friedensaktivistin Gbowee hatte eine Organisation christlicher und muslimischer Frauen gegründet, die sich gegen die Kriegsherren im liberianischen Bürgerkrieg richtete. Für ihren Einsatz für Frauenrechte wurde sie bereits 2009 mit dem sogenannten Profile in Courage Award ausgezeichnet.

          „Widme diesen Preis der revolutionären Jugend im Jemen“

          Die 32 Jahre alte Jemenitin Karman ist Vorsitzende der Organisation „Journalistinnen ohne Ketten„. Sie gilt als führende Persönlichkeit der seit Januar andauernden Proteste gegen Präsident Ali Abdullah Saleh. „Ich bin sehr froh über diesen Preis“, sagte die dreifache Mutter in einer ersten Reaktion. „Ich widme diesen Preis der revolutionären Jugend im Jemen und dem jemenitischen Volk.“ Diese Ehrung werde „den Kampf für Gerechtigkeit und Reformen vorantreiben.“ Der Osloer Komiteechef Thorbjörn Jagland meinte zu Karmans Rolle bei den Protesten in ihrem Land: „Sie ist schon aufgestanden und hat Mut gezeigt, als der ’Arabische Frühling’ noch in weiter Ferne lag.“

          Die Bundesregierung begrüßte die Osloer Entscheidung durch ihren Menschenrechts-Beauftragten Markus Löning (FDP) als „tolles Signal, weil es diejenigen stärkt, die sich in Afrika und den arabischen Ländern für die Menschenrechte einsetzen“. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, damit schicke das Nobelpreiskomitee eine Botschaft in die ganze Welt. Frauen seien eine große Hoffnung für eine friedlichere und bessere Entwicklung.

          Aus Brüssel erklärten EU-Ratspräsident Hermann Van Rompuy und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso: „Das ist ein Sieg für ein neues demokratisches Afrika und für eine neue demokratische arabische Welt, die in Frieden und im Respekt für die Menschenrechte leben.“
          Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg sagte im Sender NRK: „Ich glaube, dieser Preis hat eine positive Bedeutung für alle Frauen der Welt.“

          Als Favoriten für die Auszeichnung hatten im Vorfeld die Vorkämpfer des arabischen Frühlings gegolten, unter ihnen die ägyptischen Internet-Aktivistinnen Asmaa Mahfus und Israa Abdel Fatah von der Bewegung 6. April sowie die tunesische Bloggerin Lina Ben Mhenni. Auch über eine Ehrung der afghanischen Frauenrechtlerin Sima Samar oder des internationalen Kriegsverbrechertribunals in Den Haag war spekuliert worden.

          Verliehen werden die Friedensnobelpreise traditionsgemäß am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896).

          Zu den Anwärtern auf den prestigeträchtigen Preis wurde auch Altkanzler Helmut Kohl gezählt, der wegen seiner Verdienste um die deutsche Einheit und die europäische Einigung schon in den vergangenen Jahren mehrfach als aussichtsreicher Kandidat galt. Letzter deutscher Preisträger war 1971 der damalige Bundeskanzler Willy Brandt (SPD).  

          Im vergangenen Jahr hatte der inhaftierte chinesische Dissident Lu Xiaobo den mit rund 1,1 Millionen Euro dotierten Preis erhalten. Preisträger vor ihm war der amerikanische Präsident Barack Obama.

          Nobelpreisträgerin: Die liberianische Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf Bilderstrecke
          Nobelpreisträgerin: Die liberianische Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf :

          Der Friedensnobelpreis

          Der Friedensnobelpreis gilt als die bedeutendste internationale Auszeichnung im Bemühen um eine friedlichere Welt. Stifter des Preises ist der schwedische Erfinder des Dynamits, Alfred Nobel (1833-1896). In seinem Testament beauftragte er das norwegische Parlament, das Storting, jährlich bis zu drei Personen oder Organisationen für ihre Verdienste auszuzeichnen.

          Die Preisträger sollen „den besten oder größten Einsatz für Brüderlichkeit zwischen Staaten, für die Abschaffung oder Abrüstung von stehenden Heeren sowie für die Organisation und Förderung von Friedenskonferenzen“ gezeigt haben. Mit dem Friedensnobelpreis wird seit 1960 auch der Einsatz für Menschenrechte und seit 2004 der für Umwelt geehrt.

          Während andere Nobelpreise in der schwedischen Hauptstadt Stockholm vergeben werden, wird die Auszeichnung für Frieden in Oslo verliehen. Seit 1901 wählt dafür ein norwegisches Komitee aus oft mehr als 100 Vorschlägen die Geehrten aus. Die fünf Komitee- Mitglieder werden für sechs Jahre ernannt.

          Die Preisträger werden im Oktober bekanntgegeben. Bei der feierlichen Verleihung am Todestag Nobels am 10. Dezember erhalten sie in Oslo eine Medaille, eine Urkunde und ein Preisgeld von zehn Millionen schwedischen Kronen (knapp 1,1 Millionen Euro).

          Quelle: dpa, Reuters, dapd

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