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Organspendeskandal „Der Direktor sagt, dass er nichts gewusst hat“

Professor Fleig ist medizinischer Vorstand des vom Skandal betroffenen Universitätsklinikums Leipzig. Zur Abhilfe künftig die Zahl der Transplantationszentren zu verringern, hält er nicht für sinnvoll.

© dpa Vergrößern In Erklärungsnot: Professor Wolfgang Fleig vor den Mikrofonen

Herr Professor Fleig, wie überrascht waren Sie von der Neujahrsnachricht aus Ihrem Klinikum?

Das fiel nicht am Neujahrstag über uns. Wir haben als Reaktion auf die Vorfälle in Göttingen und Regensburg Anfang August 2012 begonnen, unsere Lebertransplantations-Prozesse zu durchleuchten. Das sind seit 2007 mehr als 420 Patienten mit zum Teil über tausendseitigen Akten. Mitte Dezember stellten sich bei Stichproben der Kommission der Bundesärztekammer zu Patienten aus den Jahren 2010 und 2011, die wir selbst noch nicht geprüft hatten, Hinweise auf Falschangaben heraus. Deshalb haben wir am vergangenen Freitag drei Ärzte beurlaubt. Am Neujahrstag hatten wir von unserem Träger, dem Freistaat Sachsen, schließlich grünes Licht, damit an die Öffentlichkeit zu gehen.

Haben Sie mit den betreffenden Ärzten gesprochen?

Ich gehe nach wie vor davon aus, dass kein Geld von Patienten geflossen ist. Das schließt die Region hier aus, wir haben so gut wie keine Privatpatienten. Der Direktor der Klinik sagt, dass er nichts gewusst hat, und soweit ich ihn kenne, möchte ich ihm glauben. Aber die Fälle liegen nun mal in seinem unmittelbaren Verantwortungsbereich. Die beiden Oberärzte sagen, ihnen sei von den Stationen, auf denen die Patienten gelegen haben, übermittelt worden, dass die Patienten dialysiert würden. Das hätten sie weitergereicht.

Wie groß war der Vorteil für Patienten mit gefälschter Akte?

Das lässt sich schwer sagen. Natürlich bekommt ein Patient mit Nierenwäsche mehr Dringlichkeitspunkte, wie viel das genau sind, hängt von seinem Zustand ab. Wer Leberkrebs hat oder andere Erkrankungen und damit ohnehin schon eine hohe Punktzahl aufweist, hat davon einen geringeren Effekt als Patienten mit niedrigerer Punktzahl, bei denen es einen sehr relevanten Vorteil bedeuten kann.

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Wie groß ist die Nachfrage nach Spenderlebern?

Spenderlebern sind ein ausgesprochen knappes Gut. Was wir hier seit Jahren erleben, ist eine durch den Mangel an Spenderorganen rationierte Medizin. Und das ist einer der Gründe, warum überhaupt manipuliert wird. Es gibt Medizinethiker, die sagen, wenn es genügend Organe gäbe, hätten wir das Thema gar nicht. Aber zunächst müssen wir unabhängig davon dafür sorgen, dass absolut regelkonform transplantiert wird.

Sie gehören im Göttinger Spendenskandal zu den Prüfern. Gibt es Verbindungen zu Leipzig?

Zu den Vorgängen in Göttingen darf und möchte ich nichts sagen. Sie können aber davon ausgehen, dass das Repertoire an Manipulationsmöglichkeiten limitiert ist. Die Angabe von Dialyse ist die einfachste Manipulationsmöglichkeit, die es gibt – ein einfacher Mausklick am Computer. In Göttingen und anderswo wird ja auch über Manipulationen von Laborwerten und Blutproben gesprochen, was zusätzliche kriminelle Energie erfordert.

Warum tun Ärzte so etwas, wenn Geld nicht der Grund ist?

Das Prestige für einzelne Ärzte, Abteilungen und Kliniken kann eine Rolle spielen. Auch wenn sich das in letzter Zeit geändert hat, so waren noch vor zehn Jahren Lebertransplantationen für die gefühlte Bedeutung einer bauchchirurgischen Klinik wichtig. Regelverstöße können aber auch damit zu tun haben, dass ein Arzt seinem schwerstkranken Patienten, und das sind alle, die auf ein Spenderorgan warten, helfen will, ohne dabei zu beachten, dass er damit möglicherweise anderen schadet.

Werden Ärzte in Leipzig nach der Zahl der Operationen bezahlt?

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