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Oregon : Putsch im Vogelschutzgebiet

Bild: Reuters

Bewaffnete Männer haben sich im fast menschenleeren Osten Oregons verschanzt – auf Bundesland. Es geht um Weide- und Jagdrechte. Und um den Hass auf Washington.

          Auf die Gebäude, in denen sich die Bewaffneten verschanzt halten, kann die Bundesregierung notfalls eine Weile verzichten. In das Besucherzentrum des Tierschutzgebiets im menschenleeren Osten Oregons verirren sich im Winterschnee sowieso nur wenige Vogelkundler. Auch die Büros des „Malheur Wildlife Refuge“ hatten am Samstag leer gestanden, als die selbsterklärten Milizionäre ihre Amerikaflaggen hissten. Es gibt keine Geiseln, und am Wochenende fiel kein einziger Schuss. Doch der Sheriff sieht den Landkreis Harney in einem Kampf gegen Putschisten: „Diese Männer sind gekommen“, sagte Dave Ward am Sonntag, „um die Kreis- und die Bundesregierung zu stürzen und um eine Bewegung in den Vereinigten Staaten in Gang zu setzen.“

          Andreas Ross

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Begonnen hatte alles mit der Empörung darüber, dass zwei örtliche Rancher am Montag abermals ins Gefängnis sollten. Dwight Hammond und sein Sohn Steven waren vor gut drei Jahren wegen doppelter Brandstiftung verurteilt worden. Feuer, die sie 2001 und 2006 auf ihrer Ranch entfacht hatten, hatten auf benachbartes Land in Bundesbesitz übergegriffen. Im ersten Fall wollten die Hammonds nach eigener Aussage verhindern, dass sich eine nicht heimische Pflanze auf ihrem Weideland ausbreitet. Im zweiten Fall hätten sie mit einem Gegenfeuer die Flammen eines Waldbrands davon abhalten wollen, das Futter für ihre Rinder zu verschlingen. Der Staatsanwalt dagegen unterstellte den Hammonds, sie wollten Spuren illegaler Jagd auf öffentlichem Land beseitigen. Vater Hammond ging für drei Monate, sein Sohn gar für ein Jahr in Haft. Nach der Freilassung entschied ein Richter, dass die Haftdauer noch nicht ausreichte, denn Brandstiftung auf Bundesland ist mit einer Mindesthaftstrafe von fünf Jahren belegt. Am Montag hatten sich die 73 und 46 Jahre alten Hammonds also in ein kalifornisches Gefängnis einzuliefern.

          „Willkürliche Ausübung von Macht“

          Am Samstag waren Hunderte Sympathisanten durch Burns marschiert, wo knapp die Hälfte der rund 7000 Einwohner von Harney County leben. Ein Mann trug ein Plakat mit der Aufschrift: „Als nächstes wird vielleicht dein Bekannter als Terrorist weggesperrt!“ Ein anderer trug die Definition von Tyrannei durch den Ort: „Brutale, unvernünftige, willkürliche Ausübung von Macht“. Eine Seniorin mit Ohrenschützern bezeichnete auf ihrem Schild die „Feds“, also die Bundesverwaltung, als „außer Kontrolle geratene Terroristen, die unser Land klauen“. Doch waren es nicht nur Nachbarn der Hammonds, die Pennys auf die Polizeiwache von Sheriff Ward warfen, um „ihr“ Land symbolisch „zurückzukaufen“. Aktivisten aus anderen Bundesstaaten, die sich Milizionäre nennen, waren gekommen, um in Oregon Land zu besetzen.

          Am Samstag waren Hunderte Sympathisanten durch Burns marschiert.

          Der aus Nevada angereiste Rancher Ammon Bundy wartete, bis die Leute zum Ende ihres Protestzugs „Amazing Grace“ gesungen hatten, baute sich dann vor einem Supermarkt auf und warb um Mitstreiter, um die Regierung in die Knie zu zwingen. Eine unbekannte Zahl von Männern fuhr daraufhin mit einer unbekannten Zahl an Waffen in das Tierschutzgebiet. An dessen verbarrikadiertem Eingang gibt Bundy seither Interviews. Er versicherte, seine Leute hätten Essen „für Jahre“ bei sich und würden bleiben, bis die Einwohner von Harney „das Land als freie Bürger nutzen können“. Aus der Brusttasche seiner Flanelljacke ragte die amerikanische Verfassung. Sollte es im Tierschutzreservat zu Gewalt kommen, so Bundy, dann wäre das allein die Schuld der Regierung.

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