Die meisten Briten - Politiker und Presse vorneweg - machen drei Kreuze, dass sie der Währungsunion nicht angehören. Die Staatsschuldenkrise nehmen sie als Beleg dafür, wie klug es gewesen sei, das Pfund zu behalten. In diesen Tagen haben sie überdies allen olympischen Grund, sich als selbstbewusste Nation zu feiern, die Großes leisten kann, wenn es darauf ankommt, und sei es nur im Sport: So viele Medaillen wie bei den Heimspielen in London hat das Vereinigte Königreich noch nie gewonnen (das Abschneiden der Kontinentaleuropäer ist übrigens auch nicht schlecht).
In der Debatte über die Zukunft von EU und Euro fällt auf, wie selbstverständlich viele einem Kerneuropa das Wort reden, das aus der Währungsunion besteht und das staatsähnlich ausgebaut werden soll. In diesen Zukunftsentwürfen kommt Großbritannien nicht vor. Die Briten wiederum halten eine weitere fiskalische Integration im Euroraum für logisch, wollen selbstredend aber nichts damit zu tun haben und spielen sogar mit dem Gedanken, aus der EU auszutreten. Den neuen Euro-Architekten ist die selbstgewählte Abseitsstellung Britanniens in europäischen Dingen ganz recht.
Das einzige EU-Land mit wirklich globaler Perspektive
Doch die eine Sicht ist zweifelhaft, die andere töricht. Denn wenn es richtig ist, dass Europa nur durch eine Bündelung der Kräfte Stellung und Einfluss in der Welt bewahren kann, dann muss Großbritannien mit von der Partie sein. Die deutsche Wirtschaft ist überall auf der Welt präsent, aber vermutlich ist Britannien, schon aus historischen Gründen, das einzige Land der EU mit einer wirklich globalen Perspektive. In der Welt von morgen ist eine solche Perspektive, gepaart mit Selbstbehauptungswillen, eine Tugend, auf Neudeutsch: ein „asset“. Man sollte nicht so tun, als brauche man das nicht.
Medaillen sind nur ein grober Spiegel der Leistungsfähigkeit eines Landes. Und so liegt auch in Britannien vieles im Argen. Künftig muss das Militär mit viel weniger Geld auskommen, was sich auf die Interventionsbereitschaft und -fähigkeit auswirken wird. Aber das gilt für alle europäischen Länder. Die Kontinentaleuropäer sollten nicht glauben, sie stünden weltpolitisch besser da, wenn die Briten sie nicht mehr störten. Und die sollten die „splendid isolation“ des 19. nicht zum Leitmotiv des 21. Jahrhunderts erheben. Auch das wäre ein Irrtum. Sommermärchen haben die Eigenschaft, die seelenstreichelnde Erzählung eines Sommers zu sein.
Man erzähle uns kein EU-Märchen mehr vom Pferd-
Closed via SSO (Dr.Moser)
- 12.08.2012, 11:04 Uhr
...bitte unbedingt auch "Der Ausnahmezustand Europas" von
Rainer Hank lesen (F.A.S.)...
Eric Arnesen (Offenes_Wort)
- 12.08.2012, 11:04 Uhr
Milchbubenrechnung
Carlos Anton (carlosanton)
- 12.08.2012, 10:20 Uhr
Gut beobachtet, Herr Frankenberger,...
Thomas Kobler (ThomasKobler)
- 12.08.2012, 10:06 Uhr
Herr Frankenberger,
Matthias Große (Merwig)
- 12.08.2012, 09:15 Uhr