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Gastbeitrag James Kirchick : Oliver Stone schmeißt sich an einen Diktator heran

  • -Aktualisiert am

Regisseur Oliver Stone im Januar 2015 in München Bild: dpa

Die Versuche des Hollywood-Regisseurs, sich bei Wladimir Putin einzuschmeicheln, sind feige, unehrlich und respektlos gegenüber den Ukrainern, die im Kampf gegen Russland gestorben sind.

          Wer braucht noch Russia Today, wenn er Oliver Stone haben kann?

          Diese Frage könnte sich Russlands Präsident Wladimir Putin mit Blick auf den jüngsten Vorstoß des Regisseurs in das antiamerikanische Verschwörungsgenre gestellt haben. „Entschuldigt meine Abwesenheit in den vergangenen Wochen“, schrieb Stone unlängst auf seiner Facebook-Seite, im angemessen orakelnden Ton für die halbgaren Verlautbarungen, die folgen sollten. Stone war vor Kurzem von einem Ausflug nach Moskau zurückgekehrt, wo er ein vierstündiges Interview mit Viktor Janukowitsch aufgezeichnet hatte, dem früheren Präsidenten der Ukraine, der nach Russland geflohen war, nachdem seine Sicherheitskräfte mehr als 100 Demonstranten umgebracht hatten, als sie im vergangenen Februar gegen seine korrupte Herrschaft demonstrierten. Moskaus anschließende Annektion der Krim und die noch andauernde Invasion in der Ostukraine brachten die Spannungen zwischen Ost und West wieder auf ein Niveau, das man seit dem Kalten Krieg nicht mehr kannte.

          Stone interviewte Janukowitsch für „eine englischsprachige Dokumentation, die von Ukrainern produziert wird“, und mit der er zweifelsohne Putin beeindrucken will. Im November hatte Stone verkündet, dass er gerne einen Film über den russischen starken Mann machen möchte, der „für Ansichten steht, die Amerikaner sonst nicht zu hören bekommen“. Eine solche Hommage würde das Triple schmeichelnder Porträts von verbrecherischen Autokraten vervollständigen - frühere Werke beschäftigen sich mit Fidel Castro und Hugo Chávez.

          Wenn man versteht, dass es Stones endgültiges Ziel ist, Putins Kooperation für sein nächstes Projekt zu erhalten, erklärt sich auch das Gefasel des Regisseurs auf seiner Social-Media-Präsenz. Über einem Foto, auf dem er selbst neben Janukowitsch lacht, erklärt er, dass sein Gesprächspartner „der legitime Präsident der Ukraine war, bis er es plötzlich am 22. Februar nicht mehr war“.

          Janukowitsch hörte an diesem Tag auf, der Präsident der Ukraine zu sein, weil er aus Kiew floh und sich selbst damit als unfähig erwies, seinen präsidentiellen Pflichten gemäß der ukrainischen Verfassung nachzukommen. Mehr als drei Viertel des Parlaments, darunter viele Mitglieder aus Janukowitschs eigener Partei, stimmten an diesem Tag dafür, ihn abzusetzen.

          Doch Stone möchte uns etwas anderes glauben machen: „Es liegt auf der Hand, dass die sogenannten ,Scharfschützen´, die 14 Polizisten töteten, rund 85 verletzten und 45 Demonstranten erschossen, Agitatoren einer dritten Seite waren“, schrieb er. „Viele Zeugen, darunter Janukowitsch und Polizeibeamte, glauben, dass ausländische Elemente durch prowestliche Interessengruppen eingeschleust wurden - die CIA hatte ihre Finger im Spiel.“ Stones Kommentare wurden von einer Vielzahl vom Kreml finanzierter Medien und prorussischer Medien aufgegriffen.

          Stones Behauptung steht dabei der Recherche meines Daily-Beast-Kollegen Jamie Dettmer gegenüber, der im vergangenen Jahr mehr als 90 Gigabyte Video- und Fotomaterial sammelte. Dieses legt nahe, dass das Massaker auf dem Majdan am 20. Februar 2014 das Werk von Janukowitschs Sicherheitskräften war. Die Bilder zeigen, wie sich Mitglieder der in Russland ausgebildeten Antiterroreinheit „Alfa Unit“ im Hof des Hauptquartiers des ukrainischen Inlandsgeheimdienstes akribisch auf einen bewaffneten Einsatz vorbereiten.

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