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Wahlanalyse Österreich : Männer stimmten für Hofer, Frauen für Van der Bellen

  • -Aktualisiert am

Norbert Hofer (r.) und Alexander Van der Bellen bei einem Fensehinterview Bild: dpa

Der endgültige Sieger steht noch nicht fest, es lässt sich aber schon ausmachen, wer für welchen Kandidaten gestimmt hat. Hofers Wähler sind oft männlich und Arbeiter, und sehen sich in ihren Sorgen ernst genommen. Van der Bellen dominiert die Städte.

          Als die Kontrahenten Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer am Sonntagabend gegen 19 Uhr zum ersten Mal am Wahlabend an die Öffentlichkeit traten, waren sie sich zumindest in einer Sache einig: „Das hat sich niemand von uns gewünscht, wir wollten beide ruhig schlafen“, so FPÖ-Kandidat Norbert Hofer über den noch unsicheren Wahlausgang. Der Kandidat der Grünen Alexander Van der Bellen hatte bereits früh am Abend erkannt: Es werde „arschknapp“.

          Gewissheit herrscht bisher lediglich über den Ausgang der Urnenwahl. Von den Wählern, die ihre Stimme im Wahllokal abgaben, haben 1.937.863 für Hofer gestimmt - das sind 51,9 Prozent der Stimmen. Van der Bellen konnte 1.793.857 Österreicher und damit 48,1 Prozent der Urnenwähler überzeugen. Wer allerdings als Sieger in die Wiener Hofburg einziehen wird, bleibt offen. Denn nach Angaben des Wahlleiters ist davon auszugehen, dass noch rund 700 000 gültige Briefwahlstimmen auszuzählen sind. Das ist ein knappes Fünftel der Anzahl der bereits ausgezählten Stimmen.

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          Und diese Stimmen machen es spannend. Denn die Wahlinstitute SORA und ISA gehen davon aus, dass van der Bellen bei den Briefwählern eine Mehrheit von knapp 61 Prozent der Stimmen erhalten dürfte. Grundlage dieser Vorhersage sind die Ergebnisse aus dem ersten Wahlgang: Durch die Briefwähler gewann van der Bellen im April noch einmal 0,9 Prozent dazu, Hofer verlor 1,5 Prozent. Unter Berücksichtigung dieser Prognose liegen die Kandidaten beide bei 50 Prozent - allerdings bei einer Schwankungsbreite von 0,7 Prozent. Die Wählerwanderung unter den Briefwählern macht genauere Vorhersagen schwierig.

          Die Nachwahlumfrage der Institute SORA und ISA bietet ein gutes Bild von der Wählerstruktur (ohne die Briefwähler). Bei den Männern liegt Hofer klar vorne: 60 Prozent von ihnen stimmten für den Rechtspopulisten, die höchste Zustimmung findet er bei der Gruppe der 30 bis 59 Jahre alten Männer. Unter den weiblichen Wählern hingegen votierten 60 Prozent für van der Bellen. Besonders stark ist die Unterstützung bei den unter 29 Jahre alten Frauen, mit steigendem Alter steigt hingegen die Zustimmung für Hofer.

          Auch der Erwerbsstatus hat eine starke Auswirkung auf die Wahlentscheidung. Bei den Arbeitern hat Hofer eine überwältigende Unterstützung von 86 Prozent. Bei Angestellten und öffentlich Bediensteten hingegen punktet der Kandidat der Grünen. Ähnlich sieht es beim Bildungsgrad aus: 81 Prozent der Hochschulabgänger stimmten für Van der Bellen, diejenigen mit einer Lehre zu 67 Prozent für Hofer.

          Was war für die Wähler wichtiger: Der Wahlsieg des eigenen Kandidaten oder die Verhinderung des Gegenkandidaten? Unter den Unterstützern Van der Bellens gaben 48 Prozent an, Hofer zu verhindern. Anders bei den Hofer-Wählern: 39 Prozent ging es vor allem um den Sieg des FPÖ-Kandidaten, 31 Prozent wollten eher Van der Bellen verhindern.

          Auch was ihre inhaltlichen Motive angeht, unterscheiden sich die Wählergruppen: 68 Prozent der Hofer-Wähler gaben an, ihr Kandidat „verstehe die Sorgen von Menschen wie mir“. Weitere Gründe waren Sympathie für Hofer (67 Prozent) oder seine Glaubwürdigkeit (62 Prozent). Das meist genannte Wahlmotiv unter den Wählern Van der Bellens war, dass er Österreich am besten im Ausland vertreten könne (66 Prozent). Wichtig war für sie auch das „richtige Amtsverständnis“ Van der Bellens.

          Die Städter haben anders gewählt als die Landbevölkerung: In den meisten Städten setzte sich Van der Bellen deutlich durch. Das beste Ergebnis brachte Van der Bellen Graz mit - ohne Briefwahl - 61,99 Prozent, Wien lag mit 61,16 Prozent knapp dahinter, Linz mit 60,54 Prozent auch noch über der 60-Prozent-Marke. Drei Landeshauptstädte konnte Van der Bellen seinem Kontrahenten Hofer aus dem ersten Wahlgang abnehmen: Salzburg, St. Pölten und Klagenfurt. Lediglich Eisenstadt konnte Hofer als einzige Landeshauptstadt für sich gewinnen. Dafür fuhr er aber auch das eindeutigste Ergebnis in einer Gemeinde ein und gewann Spiss im Tirol mit 87,5 Prozent der Stimmen.

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          Quelle: FAZ.NET

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