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Österreich Ohne Haider

11.10.2008 ·  Es war ein pralles, an politischen Höhen und Tiefen reiches Leben, das abrupt zu Ende ging. Doch der jähe Tod passt irgendwie zu dem unsteten und bisweilen auch (selbst)zerstörerisch veranlagten Politiker und Menschen Jörg Haider.

Von Reinhard Olt
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Media vita in morte sumus - mitten im Leben sind wir vom Tode umfangen. Es war ein pralles, an politischen Höhen und Tiefen reiches Leben, das abrupt zu Ende ging.

Doch der jähe Tod passt irgendwie zu dem unsteten Menschen Jörg Haider: Kaum jemand konnte sich vorstellen, dass dieser hochbegabte, talentierte, ja auch charismatische, aber doch auch von starken (Selbst-)Zweifeln gepeinigte, bisweilen gar (selbst)zerstörerisch veranlagte Politiker irgendwann als betagter Ruheständler im Bett sterben würde. Sein stets auf Jugendlichkeit getrimmtes Erscheinungsbild - der juvenile Bungee-Springer machte während seines beispiellosen Aufstiegs in drei Jahrzehnten stets die Nacht zum Tage - suggerierte, er wolle nie alt sein und eigentlich auch nicht werden.

Haider, an dem sich die halbe Welt rieb, hat die rotweißrote Innenpolitik entscheidend mitgeprägt. Sein abrupter Tod ist für Kärnten - an dessen Spitze er zweimal als Regierungschef stand - wie für ganz Österreich ein einschneidendes Ereignis.

Dasselbe gilt für die beiden Parteien des - neben Sozialdemokraten (SPÖ) und Volkspartei (ÖVP) - dritten Lagers, die seit Mitte der achtziger Jahre mit seinem Namen verbunden gewesen sind: für die Freiheitlichen (FPÖ), die er zuweilen mit übelster Demagogie zwischen 1985 und 1999 in schier unerreichbar geglaubte Höhen sowie in eine bürgerliche Koalitionsregierung führte. Im Jahr 2002 sprengte er sie. Wie für das von ihm nach der Abspaltung gegründete Bündnis Zukunft Österreich, das kraft seiner Person in der Wahl vor zwei Wochen zu einem ernst zu nehmenden Faktor wurde. Haider wollte eine Neuauflage der SPÖ/ÖVP-Koalition verhindern, versuchte daher, den Bruch mit der FPÖ zu kitten. Über kurz oder lang werden die beiden Parteien sich wohl wiedervereinigen. Aber erst einmal stehen sie unter Schock.

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