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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Ökumenischer Kirchentag Im Zeichen des Heiligenscheins

 ·  Der erste Ökumenische Kirchentages gilt als voller Erfolg, auch wenn gelegentlich der Eindruck entstand, es handele sich um eine politische, nicht um eine religiöse Veranstaltung.

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Berlin im Zeichen des Heiligenscheins: Zum ersten Ökumenischen Kirchentag wurde die Hauptstadt mit dessen Symbol, großen, orangefarbenen Heiligenscheinen dekoriert.

Selbst der "Lange Lulatsch", wie die Berliner liebevoll ihren Funkturm auf dem Messegelände nennen, erstrahlt im Glanz: Über der Aussichtsplattform in 125 Metern Höhe wurde ein Strahlenkranz mit zwanzig Lampen angebracht, außerdem wird der Turm ab Donnerstagabend in kirchlichem Orange erglühen. Das muß am Samstag jedoch dem Magentarot der Telekom weichen: Der Sponsor des FC Bayern München möchte doch bitte nach dem Pokalfinale sein eigenes Licht leuchten sehen.

Zur Eröffnung des Kirchentags hatte Papst Johannes Paul II. während des Gottesdienstes eine Grußbotschaft übermitteln lassen. Er drückte seine Hoffnung aus, der gemeinsame Kirchentag möge zu einem großen ökumenischen Zeichen werden und ein weiterer Schritt auf dem Weg der Versöhnung. Das gemeinsame Abendmahl zwischen Katholiken und Protestanten, das er im Vorfeld mit Verweis auf die Enzyklika der Eucharistie strikt abgelehnt hatte, erwähnte er jedoch nicht. Bundespräsident Rau betonte in einem zweiten Grußwort ebenfalls die Bedeutung des ersten gemeinsamen Kirchentags.

Die Parteien schickten Prominenz

Überhaupt war die Verlockung auch angesichts des Veranstaltungsorts für viele Politiker groß, dem Kirchentag einen Besuch abzustatten: Die Parteien schickten ihre Prominenz. Bundeskanzler Schröder, der in seinen Vereidigungen nach den Wahlen 1998 und 2002 auf die religiöse Formel "So wahr mir Gott helfe" verzichtete, richtete deutlich bewegt ein Grußwort an die bis zu 500.000 versammelten Gläubigen, während sein ehemaliger Minister Oskar Lafontaine die Gunst der Stunde nutzte: Bei einer Veranstaltung zum Thema Populismus war er Kanzler Schröder vor, sich bereits nach der ersten Wahl nicht an seine Versprechen gehalten zu haben.

Bundestagspräsident Wolfgang Thierse für eine Veränderung des politischen Systems in Deutschland aus: Die Wahlperiode sollte verlängert werden und Bund dun Länder sich verständigen über eine Neuverteilung der Befugnisse zwischen Bundesrat und Bundestag, damit sich beide nicht länger gegenseitig blockierten. Auch solle Kindern das Wahlrecht gegeben werden, das dann die Eltern ausüben könnten.

Landesbischof Huber äußert sich zur Agenda 2010

Auch die anderen Parteien sahen den Kirchentag als Verpflichtung: Die CDU, die die Christlichkeit sogar im Namen trägt, schickte Angela Merkel, und Wolfgang Schäuble debattiert mit Bremens neuem und alten Bürgermeister über den Irak-Krieg. Ebenso vertreten sind Gregor Gysi von der PDS und Guido Westerwelle von der FDP.

Meinungen zur Politik kamen übrigens auch von verschiedenen Kirchenoberhäuptern. So äußerte sich der evangelische Landesbischof von Berlin-Brandenburg, Wolfgang Huber, über die Agenda 2010: Sie solle gerechter gestaltet werden.

Gemeinsames Abendmahl trotz Verbot

Für den Donnerstagabend war ein Abendmahl in der Gethsemanekirche im Prenzlauer Berg geplant, das Christen aller Konfessionen offen steht. Mit Bedauern verwies Landesbischof Huber darauf, daß das gemeinsame Abendmahl den Katholiken verboten worden sei: "Solange wir uns nicht gegenseitig zum Abendmahl einladen können, bleibt ein Schmerz zurück". Dennoch zeigte er sich ebenso wie der brandenburgische Kardinal Sterzinsky tief beeindruckt vom Auftakt des Tages. "Es wäre ein Rückschlag, wenn es keine weiteren ökumenischen Kirchentage mehr gebe", sagte Sterzinsky.

Mit knapp 200.000 Dauerteilnehmern übertrifft dieser erste bundesweite Ökumenische Kirchentag deutlich die Besucherzahlen der vergangenen Katholikentage und auch der Evangelischen Kirchentage. Unter den Teilnehmern sind zirka sechzig Prozent Frauen, knapp vierzig Prozent sind unter dreißig Jahre alt. Das fünftägige Fest endet am Sonntag.

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