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Obamas Besuch Schöne Bilder für Frau Merkel

Der Staatsgast ist am Dienstagabend gelandet: Kurz vor der Bundestagswahl besucht Barack Obama Berlin. Der Präsident der Vereinigten Staaten hat sich jahrelang bitten lassen, dabei versteht er sich mit der Kanzlerin doch ganz gut.

© AFP Vergrößern Ankunft in Tegel: Der amerikanische Präsident Barack Obama ist zu seinem Arbeitsbesuch in Berlin in Begleitung seiner Familie gelandet.

Seit jenem Vorkommnis im Sommer 2008 in Berlin sind Angela Merkel und Barack Obama mit dem Ruf konfrontiert, ihr Arbeitsverhältnis sei unterkühlt oder gar gestört. Barack Obama besuchte 2008 Berlin. Formal gesehen war er noch nicht einmal offizieller Präsidentschaftskandidat der Demokraten, auch wenn er schon die Mehrheit der Konventsmitglieder beisammen hatte. Der inoffizielle Kandidat Obama hatte den Wunsch geäußert, eine Rede am Brandenburger Tor zu halten. Die Bundeskanzlerin fand, das sei der Ehre zu viel - schließlich sei Obama nicht Präsident. Also hatte Obama einige hundert Meter westwärts, an der sogenannten Siegessäule, zu sprechen.

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Das hatte einen Nachteil: Sein Wunsch wurde nicht erfüllt. Es hatte aber auch einen Vorteil: Auf der Straße des 17. Juni konnte die Zahl der Zuhörer beliebig vergrößert werden. Statt der wenige Tage zuvor in der Bundesregierung erwarteten 10.000 Zuhörer waren es nach Polizeiangaben mehr als 200.000. Wer kommen wollte, kam. Obama wurde zum Liebling der Deutschen, der Berliner sowieso. „Lassen Sie uns die Welt neu gestalten“, rief er den Leuten zu.

Gefühliges Miteinander

Seither aber war Obama nicht mehr in Berlin zu Gast, weshalb - mal in Thesen, mal in Fragen - die Spekulation die Runde machte, Obama wolle sich für das „Nein“ Frau Merkels revanchieren. Ob bei ihren Besuchen in Amerika oder bei Anlässen anderswo: Auf die Frage, wann Obama nach Berlin komme, war Verlass. Am Ende blieb nur noch offen, ob sich die beiden darüber amüsierten, oder ob Angela Merkel ihren Ärger bloß verdeckte.

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Fast fünf Jahre später, an diesem Mittwochnachmittag, wird Obama, der am Dienstagabend in Berlin-Tegel gelandet ist, um  am Brandenburger Tor sprechen - östliche Seite, am Pariser Platz. Nur ausgewählte Zuhörer sind zugelassen. Auch Angela Merkel wird sprechen. Der Präsident und die Bundeskanzlerin werden gefühliges Miteinander präsentieren.

Seit Jahren schon sprechen sie einander beim Vornamen an. So ist das zwischen Präsidenten und Regierungschefs befreundeter Länder (oder auch solcher, die in einer „strategischen Partnerschaft“ verbunden sind) immer dann, wenn es das diplomatische Protokoll empfiehlt. Eine Vielzahl von Gesten gibt es, derlei Freundschaften zu dokumentieren: Ein gemeinsamer Grillabend; ein Treffen im Familienkreis; die Andeutung einer körperlichen Berührung; ein gemeinsamer Scherz zu Lasten Dritter.

24832408 © AFP Vergrößern Air Force Number One in Tegel: Der amerikanische Präsident ist gelandet

Abstufungen gibt es auch. In diesem Sinne zählt ein Empfang im privaten Umfeld mehr als ein Abendessen in einem offiziellen Gästehaus. Ein Treffen in einem kleinen Restaurant liegt dazwischen; dessen politischer Wert steigt mit dem Grad tatsächlicher oder vermeintlicher Spontaneität. Parteipolitische Präferenzen sind nicht von tragender Bedeutung. Eher sind politische Interessen und das persönliche Vertrauen in die Zuverlässigkeit des anderen von Belang, Absprachen einzuhalten. Doch regelmäßig enden entsprechende Freundschaften mit dem Ausscheiden eines der Beteiligten aus seinen Ämtern.

Angela Merkel und Barack Obama begegnen sich oft. Meistens geschieht es auf internationalen Treffen - wie zu diesem Wochenanfang beim G-8-Gipfel in Nordirland oder auch anderswo: G-20-Treffen, Nato-Gipfel, Konferenzen unter der Obhut der Vereinten Nationen. Regelmäßig auch telefonieren sie miteinander, oft auch mittels sogenannter Video-Schaltkonferenzen. Nicht jede dieser Unterhaltungen wird dann der Öffentlichkeit mitgeteilt, mal aus Gründen der Geheimhaltungsbedürftigkeit, mal deshalb, weil es eigentlich auch nichts mitzuteilen gäbe.

Ohne Vorwarnung

Nicht alle Gespräche zwischen den beiden verliefen reibungslos. Die Mitteilung hatte Frau Merkel ihrem Partner zu überbringen, Deutschland werde keine Häftlinge des Lagers Guantanamo aufnehmen, was Obamas Vorhaben erschwerte, das Lager aufzulösen. Nach einem schönen Besuch in Washington und einem großen Auftritt im Kapitol hatte Frau Merkel die Nachricht zur Kenntnis zu nehmen, dass ihre Erwartungen über die Zukunft von Opel (General Motors wolle seinen deutschen Ableger doch nicht verkaufen) nicht erfüllt wurden; keinerlei Vorwarnung durch Obama hatte es gegeben. Der amerikanische Präsident kümmere sich nun einmal weniger um Einzelheiten von Wirtschaftsunternehmen als der deutsche Bundeskanzler, lautete die deutsche Erklärung dafür, dass Obama Frau Merkel nicht vorgewarnt hatte.

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Veröffentlicht: 18.06.2013, 16:23 Uhr

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