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Obama in Newtown „Wir tun nicht genug“

 ·  Barack Obama hat in Newtown zu den Angehörigen der Opfer des Amoklaufs gesprochen. Er findet tröstende Worte und dringt auf Änderungen der Waffengesetze.

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© dpa Vergrößern Fassungslos im Angesicht des Verbrechens: Barack Obama bei der Trauerfeier in Newtown

Der amerikanische Präsident Barack Obama hat nach dem Massaker an einer Grundschule im Bundesstaat Connecticut auf Änderungen der Waffengesetze gedrungen. „Wir können das nicht mehr tolerieren. Diese Tragödien müssen enden“, sagte Obama am Sonntagabend bei einer Trauerfeier für die Opfer in der Kleinstadt Newtown. Ein Amokläufer hatte dort am Freitag zwanzig Kinder und sechs Erwachsene mit einem Sturmgewehr erschossen, bevor er sich selbst das Leben nahm. Auch die Mutter des Schützen wurde in ihrem Haus tot aufgefunden.

Obama versprach in der Rede, „alle verfügbare Macht seines Amtes“ zu nutzen, um weitere Massaker zu verhindern. Zwar könnten Gesetze nicht jeden „sinnlosen Gewaltakt“ verhindern. „Aber das darf keine Entschuldigung für Untätigkeit sein“, sagte Obama. Die Nation habe ihre Kinder nicht geschützt. Obama verlas am Ende der emotionalen Ansprache die Namen der zwanzig ermordeten Erstklässler. Konkrete Vorschläge für eine Verschärfung der Waffengesetze machte der Präsident in Newtown allerdings nicht. Nach Medienberichten prüft die Regierung mehrere Optionen.

Unter anderem wird demnach ein Verbot von Munitionsmagazinen mit hohem Fassungsvermögen erwogen. Bestimmte Typen von halbautomatischen Sturmgewehren waren in Amerika von 1994 bis 2004 verboten. Das damalige Gesetz sah auch ein Verbot von Magazinen mit mehr als zehn Schuss Munition vor. Obama hatte sich früher dafür ausgesprochen, dieses Gesetz wieder in Kraft zu setzen. In seiner ersten Amtsperiode hielt er sich allerdings mit konkreten Initiativen zurück.

Andere amerikanische Politiker haben sich nach dem Amoklauf von Newtown dagegen klar für ein Verbot von Sturmgewehren ausgesprochen. Die demokratische Senatorin Dianne Feinstein aus Kalifornien kündigte für die konstituierende Sitzung des neuen Kongresses Anfang des kommenden Jahres einen Gesetzentwurf an, um „Kriegswaffen von der Straße“ zu holen. Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg forderte Obama in drastischen Worten zum Handeln auf. „Wenn er in seiner zweiten Amtszeit untätig bleibt, werden im nächsten Jahr rund 48 000 Amerikaner mit illegalen Waffen umgebracht werden“, sagte Bloomberg. Der republikanische Abgeordnete Louie Gohmert aus Texas hielt dagegen, dass Waffengesetze keine Gewalt verhinderten. Er sprach sich in einem Fernsehinterview dafür aus, das Personal in Schulen zu bewaffnen, damit es sich gegen Angriffe zur Wehr setzen könne. Die Waffenlobby National Rifle Association (NRA) enthielt sich weiterhin jeden Kommentars.

Der zwanzig Jahre alte Amokläufer benutzte nach Angaben der Polizei ein auf seine Mutter registriertes Sturmgewehr, dessen Magazine bis zu dreißig Patronen aufnehmen können. Als er sich tötete, habe er noch über Hunderte weitere Schuss Munition verfügt. Die Ermittler vermuten, dass er sich erschoss, als er die Polizeisirenen hörte. Das Motiv des als sehr zurückhaltend und von psychischen Problemen belastet beschriebenen Amokschützen blieb weiter im Unklaren.

Am Sonntag wurde in Newtown eine katholische Kirche in der Nähe der Grundschule nach einem Drohanruf evakuiert. Der Anrufer hatte damit gedroht, die Messe „gewaltsam“ zu stören. In der Kirche fanden Mahnwachen und Gottesdienste für die Opfer des Massenmordes statt.

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