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NSU-Prozess Zschäpe entschied dagegen

Holger G., Angeklagter im NSU-Prozess, zeichnet ein neues Bild von Beate Zschäpe. Sie war demnach keine bloße Mitläuferin. Im Gegenteil: sie hatte Macht im NSU.

© dpa Vergrößern In den Aussagen des Holger G. kommt eine neue Beate Zschäpe zum Vorschein

Beate Zschäpe habe ihn am Bahnhof abgeholt, Beate Zschäpe sei dabei gewesen, als die Waffe durchgeladen wurde, Beate Zschäpe habe seine Auslagen bezahlt, Beate Zschäpe habe ihn zum Passamt begleitet. Beate Zschäpe sei bei den Gewaltdiskussionen immer dabei gewesen, damals, Anfang der neunziger Jahre in der Szene in Jena. Er habe sich damals gegen Gewalt ausgesprochen, Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos dafür.

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Das Bild, das der Angeklagte Holger G. in seinen Vernehmungen durch einen BKA-Beamten von Beate Zschäpe zeichnet, unterscheidet sich deutlich von dem, das durch die Aussagen von Carsten S. vor Wochen entstanden war: S. beschrieb eine Zschäpe, die nichts hören sollte, als Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos von einer Aktion in Nürnberg sprachen - wahrscheinlich der sogenannte Taschenlampen-Anschlag. Die Beate Zschäpe, die in den Aussagen des Holger G. zum Vorschein kommt, scheint in alles eingebunden, über alles informiert und vor allen Dingen eines zu sein: eine handelnde Person. So berichtet ein Beamter des BKA am Dienstag als Zeuge über seine Vernehmungen des Holger G. von November 2011 bis März 2012.

Frau Zschäpe, so behauptet es Holger G. in diesen Vernehmungen, sei ein „gleichberechtigtes Mitglied“ innerhalb der Gruppe gewesen. Sie sei „durchsetzungsstark“, kein Typ, der sich „unterordnet“, gewaltbereit. So soll sie einmal im Bus einer Punkerin, die „blöd geguckt habe“, sofort „eine reingehauen“ haben. Den „Uwes“ gegenüber habe sie sich benommen wie eine Ehefrau - mit zwei Männern. Das Verhältnis der drei untereinander sei „sehr harmonisch“ gewesen. Allerdings sei das nicht immer so gewesen. Am Anfang habe es zwischen den „Uwes“ einen Streit um Beate Zschäpe gegeben, bei dem Mundlos zum Messer gegriffen habe. Später hätten sie sich wieder versöhnt.

Die Waffe durchgeladen

Einen Vernehmungstag nach dem anderen handelt der Vorsitzende Richter Manfred Götzl am Dienstag ab. Er fragt dabei den Beamten immer wieder die gleichen Fragen: Wer hat Herrn G. den Auftrag für die Waffe gegeben? Von wem hat er das Geld bekommen? Wie waren die Haltungen in der Gewaltdiskussion? Es geht es dem Gericht dabei um die Frage, wie aussagebereit, wie glaubwürdig Holger G. wirklich war und ist.

Denn Holger G., der nach Angaben des BKA-Beamten die Ermittlungen „extrem weitergebracht hat“, da er zum Beispiel den Hinweis auf einen Waffenlieferanten gegeben hat, tat sich offenbar schwer. So nehmen es ihm die Beamten des BKA nicht ab, dass er nicht gewusst haben will, dass er 2001 eine Waffe nach Zwickau brachte. Holger G. hatte schon zu Beginn des Prozesses ausgesagt, dass er 2001, von dem Mitangeklagten Ralf Wohlleben dazu angehalten, eine Waffe nach Zwickau transportiert habe. Holger G. habe aber angeblich nicht gewusst, dass in dem Beutel, den ihm Wohlleben in die Tasche gesteckt hätte, eine Waffe gewesen sei. „Holger G. sagte mir, dass er nicht wusste, was in dem Beutel war. Und er hätte auch gar nicht wissen wollen, was da drin war.“ Das sei für die Beamten schon ein Zeichen gewesen, dass er sehr wohl davon wusste.

In Zwickau angekommen, habe ihn Beate Zschäpe vom Bahnhof abgeholt, im Wohnzimmer des Trios habe „einer der beiden Uwes“ dann die Waffe durchgeladen - in Anwesenheit von Beate Zschäpe. Er habe Ralf Wohlleben danach gefragt, was die Drei denn mit der Waffe machen wollten. Und Wohlleben hätte gesagt: „Die drei brauchen die Waffe. Es ist besser, dass Du nicht weißt, was die damit vorhaben.“ Bei einem weiteren Treffen habe ihm Mundlos eine Pumpgun gezeigt.

Du hast es einmal getan, du musst es wieder tun!

Oft habe Holger G. in seinen Vernehmungen Aussagen später korrigiert, sagt der BKA-Beamte am Dienstag. So habe er zu Anfang ausgesagt, er habe Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe 3000 D-Mark geliehen und das Geld „nie wieder gesehen“. Später habe er zugegeben, das Geld nicht nur zurückbekommen zu haben, sondern auch noch 10.000 D-Mark dazu. Das Geld habe er als „Depot“ verwalten sollen.

Bezahlt habe ihn immer Beate Zschäpe. Sie habe „die Finanzen im Griff“ gehabt, habe auch in den Urlauben, die er mit Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe verbracht habe, immer alles bezahlt: seine Unterkunft, die Kurtaxe, die Rundflüge, jeden Restaurantbesuch. Diese Ferien in den Jahren 2000 bis 2005 verbrachten sie nach den Angaben zumeist im Norden, auf Usedom, in Lübeck oder in Flensburg. Gewohnt wurde auf Campingplätzen. Er sei von „Gerry“, „Max“ und „Lisa“, wie er sie im Urlaub nennen sollte, wegen der „Systemchecks“ dazu geladen worden: Das Trio habe seine Angaben zu Jobs und seiner familiären Situation aktualisieren wollen. Denn Holger G. hat nach seinen Angaben dem Trio nicht nur seinen Führerschein und eine ADAC-Karte überlassen. Auch einen Reisepass habe er ihnen als „Freundschaftsdienst“ 2001 übergeben, der 2011 noch verlängert worden sei.

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Da habe er sich längst von der Szene gelöst gehabt, doch 2011 hätten sie plötzlich vor der Tür gestanden und ihn, da er zögerte, unter Druck gesetzt nach dem Motto: Du hast es einmal getan, du musst es wieder tun! Er habe, hat Holger G. zudem angegeben, etwa 1999 über einen weiteren Unterstützer den Untergetauchten einen Kontakt nach Südafrika vermittelt. Eine Flucht des Trios ins Ausland habe zur Diskussion gestanden. Doch sie hätten die Pläne verworfen. Nach Angaben von Ermittlern war eine Person dagegen: Beate Zschäpe.

Quelle: F.A.Z.

 
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