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NSU-Prozess : Maximalstraftaten vor Gericht

„Offene Diskriminierung“: Die Zschäpe-Verteidiger Wolfgang Stahl und Anja Sturm bei der Einlasskontrolle am Münchener Justizzentrum Bild: Jan Roeder

Mit dem Verfahren gegen Beate Zschäpe hat auch die prozesstaktische Abwehrschlacht ihrer Verteidiger begonnen. Die Nebenkläger, Angehörige der Opfer der NSU-Morde, sind entsetzt.

          Die Frau auf der Nebenklagebank knetet ihre Hände, senkt den Blick, schaut wieder auf, schaut zu ihrem Anwalt, bearbeitet weiter jeden einzelnen Finger. Dann senkt sie den Blick, als habe sie genug von dem Spektakel, das sich direkt vor ihren Augen abspielt: Beate Zschäpe, die mit dem Rücken zu den Fotografen steht, ihren Kopf in den Nacken wirft und ihre langen rot-schwarzen Haare schüttelt und schüttelt, als wäre sie auf einer Strandpromenade und nicht in einem Gerichtssaal. Beate Zschäpe, die im schwarzen Hosenanzug und weißer Bluse genauso gekleidet ist wie ihre Anwälte, sogar der Laptop auf ihrem Platz fehlt nicht. Beate Zschäpe, die an die Anklagebank angelehnt ihren Rücken durchdrückt, während die Fotografen nicht aufhören zu fotografieren, die gelangweilt ihren Kopf hin- und herwirft, sich immer wieder ins Haar greift, Späßchen mit ihren Verteidigern austauscht und sich ein Bonbon nimmt.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Ihr Haar stellt Beate Zschäpe an diesem Montag, als sie in den Gerichtssaal geführt wird, so in Szene, als hänge ihr Leben davon ab. Lange hält sie es aus, den Blick an die Wand gerichtet, die Fotografen im Rücken, die sich verbiegen und auf dem Boden kriechen, um vielleicht doch noch einen Blick von der Seite auf ihr Gesicht zu erhaschen. Auch die vereinzelten „Frau Zschäpe, Frau Zschäpe“-Rufe der Fotografen, die an Szenen auf dem roten Teppich erinnern, bringen sie nicht aus der Fassung. Sie dreht sich nicht um.

          Verteidigung fühlt sich diskriminiert

          Ihr gegenüber stehen, ebenso kerzengerade und fast ebenso lange, jedoch mit dem Gesicht nach vorne, die vier Sitzungsvertreter des Generalbundesanwaltes. Sie stechen durch ihre bordeauxfarbenen Roben nicht nur farblich aus dem vorherrschenden Schwarz der Anwaltsroben heraus. Als die Angeklagten hereingeführt werden, erheben sie sich und verleihen durch ihr stilles Dastehen dem Augenblick die Würde, die dem Verfahren durch die Fotoshow schon wieder abhanden zu kommen droht, ehe es noch richtig begonnen hat.

          Nach wochenlangen Querelen wegen der Vergabe der 50 festen Presseplätze im Gerichtssaal wurden die weiteren 50 Plätze für Zuhörer am Montagmorgen überwiegend von Journalisten eingenommen

          Und dass nun endlich begonnen werden soll, daran lässt der Vorsitzende Richter Manfred Götzl an diesem Montag keinen Zweifel. Zwar muss er an diesem ersten Tag, noch bevor die Anklage verlesen werden kann, die Sitzung mehrfach unterbrechen, um auf die Befangenheitsanträge der Verteidigung von Beate Zschäpe und der Verteidigung von Ralf W. zu reagieren. Stundenlang führt der Verteidiger von W. aus, warum sein Mandant - ebenso wie Beate Zschäpe - Anspruch auf drei Verteidiger haben solle. Doch mehrfach verweist Götzl auf die lange Haftdauer der Angeklagten, die keine weitere Verzögerung des Verfahrens dulde.

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