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NSU-Prozess beginnt : Auf dem Gewissen

Prozessauftakt am Münchner Oberlandesgericht Bild: Getty Images

Von diesem Montag an wird Beate Zschäpe und ihren mutmaßlichen Helfern in München der Prozess gemacht. Dass sie nicht nur Mitwisserin, sondern Komplizin der übrigen NSU-Terroristen war, will die Anklage mit einer großen Zahl von Indizien belegen.

          Sollte das Oberlandesgericht München am Ende eines langen Verfahrens den Forderungen der Bundesanwaltschaft folgen, droht Beate Zschäpe eine lebenslange Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung. Ob sich die mutmaßliche Terroristin des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) im Klaren war, welches Strafmaß ihr drohte, als sie sich im November 2011 den Behörden stellte, ist nicht bekannt.

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Der Vorwurf der Mittäterschaft hat zur Folge, dass die Rechtsextremistin auch wegen heimtückischen Mordes angeklagt wird, selbst wenn sie angeblich - anders als ihre mutmaßlichen Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt - den Opfern nicht selbst auflauerte, sondern im jeweiligen Versteck der Gruppe auf deren Rückkehr wartete.

          Mehr als zwei Dutzend Verbrechen

          Nur einmal, während des Mordes an Ismail Yasar in Nürnberg, soll sich Beate Zschäpe in der Nähe eines Tatortes aufgehalten haben. Weil die Bundesanwaltschaft aber davon ausgeht, dass die Mitglieder des Trios ihre Morde, Bankraube und Bombenanschläge gemeinsam planten, werden Beate Zschäpe etliche Verbrechen des NSU zur Last gelegt, als hätte sie selbst den Abzug der 7,65-Millimeter-Pistole Ceska Zbrojovka mit Schalldämpfer betätigt.

          Mehr als zwei Dutzend Verbrechen werden der mutmaßlichen Terroristin vorgeworfen: zehn heimtückische Morde aus niedrigen Beweggründen, zwei Bombenanschläge, 14 Banküberfälle, die Bildung einer terroristischen Vereinigung sowie eine besonders schwere Brandstiftung und versuchter Mord in drei Fällen.

          Die Mordopfer des NSU: Enver Simsek, Abdurrahim Özüdogru, Süleyman Tasköprü, Habil Kili, Michèle Kiesewetter, Mehmet Turgut, Ismail Yasar, Theodorus Boulgarides, Mehmet Kubasik und Halit Yozgat (v.l.o. nach r.u.)

          Dass Beate Zschäpe nicht nur Mitwisserin, sondern Komplizin der übrigen NSU-Terroristen war, wollen die Ermittler mit einer großen Zahl von Indizien belegen. Beate Zschäpes Aufgabe innerhalb der Gruppe soll es gewesen sein, dem Trio nach Außen eine glaubhafte Tarnung zu verleihen. Nach Aussage mehrerer Zeugen soll Frau Zschäpe üblicherweise behauptet haben, dass es sich bei Mundlos und Böhnhardt um ihren Mann sowie dessen Bruder handele.

          Beide arbeiteten angeblich in der Computerfirma des Vaters von Mundlos und hätten ein hohes Einkommen. Die häufige Abwesenheit der beiden zur Begehung von Morden und Raubüberfällen soll Beate Zschäpe gegenüber Nachbarn und Freunden mit Dienstreisen erklärt haben. Als Logistikerin des Trios soll sie für ihre mutmaßlichen Komplizen auch Krankenkassenkarten und Bahncards beschafft haben.

          Finanzverwalterin der Terrorgruppe

          So soll Beate Zschäpe nach dem Dafürhalten der Ermittler im Sommer 2011 zum Beispiel mit dem Thüringer Neonazi Thomas G. - der Böhnhardt ähnlich sieht - ein Einwohnermeldeamt besucht haben, um einen Reisepass zu beantragen, den Böhnhardt fortan nutzte, um seine Identität zu verschleiern. Bei solchen Gelegenheiten soll Beate Zschäpe als Finanzverwalterin der Terrorgruppe agiert, und G. zum Beispiel die Unkosten für seine Hilfe erstattet haben.

          Außerdem soll sie G. im Jahr 2001 auch 10.000 D-Mark übergeben haben, um das Geld für die Gruppe sicher zu verwahren. Die Ermittler gehen zudem davon aus, dass Beate Zschäpe an der Beschaffung von Waffen beteiligt war. 2001 soll sie den Mitangeklagten und mutmaßlichen Waffenkurier Holger G. am Zwickauer Bahnhof abgeholt haben und in das Versteck der Gruppe gefahren haben.

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