Home
http://www.faz.net/-hqo-79445
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

NSU-Prozess Beate Zschäpe will nicht mal ihren Namen sagen

Ihre Verteidiger verzögern mit Anträgen, das Verfahren auszusetzen, die Verlesung der Anklage; Beate Zschäpe selbst schweigt beharrlich. Und der Mitangeklagte Andre E. stellt offen seine rechtsradikale Gesinnung zur Schau. Für die Angehörigen der Opfer ist der NSU-Prozess bisher schwer zu ertragen.

© dpa Vergrößern Der Angeklagte André E. kommt an diesem Dienstag in den Gerichtssaal

Beate Zschäpe bleibt ihrem selbstbewussten Stil treu. Diesmal ist der Hosenanzug etwas heller als beim Prozessauftakt, die vor einer Woche noch offenen langen Haare trägt sie nun als Zopf. Zschäpe scherzt mit ihren Anwälten, selbstsicher lässt sie ihren Blick durchs Gericht wandern. Über ihr Auftreten, das keinen Deut der Reue für die zehn NSU-Morde erkennen lässt, verzweifeln allmählich die Angehörigen der Opfer.

Gerade noch sieben Angehörige der Opfer des rechtsextremen NSU zählt der Nebenkläger-Rechtsanwalt Sebastian Scharner im Gericht. Nur sieben von 86 zugelassenen Angehörigen. Manche haben sich entschieden, erst wieder ins Gericht zu kommen, wenn es um die Morde an ihren Verwandten oder die zwei Kölner Bombenanschläge des NSU geht. Doch manche Angehörige und Zuschauer sind bereits frustriert vom zähen Prozessbeginn.

Auch am Dienstag will das Verfahren lange nicht in die Gänge kommen. Zschäpes Verteidiger beantragen, den Prozess auszusetzen. Es müsse ein neuer, größerer Saal gesucht werden, sagt Verteidiger Wolfgang Heer. Wenn München keinen Platz habe, müsse in ganz Deutschland gesucht werden. Heer schlägt den ehemaligen Bundestag in Bonn als Alternative zum OLG München vor.

Mehr zum Thema

Der Verteidiger begründet seinen Antrag ausführlich. Anstrengend ausführlich. Denn im Saal warten die verbliebenen Angehörigen darauf, dass es doch endlich um die Taten geht.

Stattdessen liefern sich Verteidiger Heer und Richter Manfred Götzl immer wieder Wortscharmützel. „Die Sitzungsgewalt liegt bei mir“, sieht sich Götzl schon früh zu betonen genötigt. Und später gibt es Streiterein ums Wort. „Sie unterbrechen mich schon wieder“, sagt Götzl. „Sie unterbrechen mich ja auch ständig“, sagt Heer.

Wie schon die Befangenheitsanträge vom ersten Prozesstag weist Götzl mit seinem Senat aber auch die Anträge der Verteidiger zurück, den Prozess aussetzen zu lassen. Am frühen Dienstagnachmittag kann Götzl zunächst die Personalien der Angeklagten aufnehmen. Danach endlich wird die Anklageschrift verlesen. Für zehn Morde, zwei Bombenanschläge und dazu Banküberfälle soll der NSU verantwortlich sein. Das Tatmotiv der Rechtsextremen soll Ausländerhass gewesen sein.

NSU-Prozess © dpa Vergrößern Die mutmaßliche NSU-Terroristin Beate Zschäpe: Ein selbstbewusster Auftritt - aber Schweigen zur Sache

Eine frustrierte türkischstämmige Frau auf der Tribüne hatte vor der geplanten Anklageverlesung schon mit wütenden Worten das Gericht verlassen. „Ich halte das nicht mehr aus“, waren ihre Worte, als sie die Tribüne verließ.

Den Rest gaben ihr die Zwillingsbrüder Maik und André E, letzterer ist neben Zschäpe angeklagt. Er gilt als engster Vertrauter des Terror-Trios Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe. Auf seinen Bauch hat der Neonazi „Die Jew, Die“ - stirb Jude, stirb - tätowiert. Mit seinem auf der Zuschauertribüne sitzenden Zwillingsbruder Maik scherzt er immer wieder, beide haben sich an diesem Tag ein schwarzes Shirt der Band AC/DC angezogen. Maik E. gilt ebenfalls als Szenegröße.

Lachen, sich in Pose werfen und nur ja keinen Funken von Reue oder Scham zu zeigen: Das scheint der Stil zu sein, den die Angeklagten in den NSU-Prozess bringen wollen. Und Zschäpe scheint den Angehörigen nicht mal den Gefallen tun zu wollen, auch nur ein Wort zu sagen. „Meine Mandantin wird keine Angaben zur Person machen“, sagt Heer, als der Richter sie nach ihrem Namen fragt. Zschäpe schweigt also weiter - auch das ist für die Angehörigen ein schwer zu ertragender Zustand.

Quelle: FAZ.NET mit AFP

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
NSU-Prozess Wortgefecht um Hammerskin-Aussage

Im Münchner NSU-Prozess ist es zu einem heftigen Wortwechsel zwischen Richter und Verteidigung gekommen. Auch auf die Gefahr hin, zu einer Ordnungsstrafe verurteilt zu werden, verweigerte ein Zeuge die Aussage. Mehr

16.10.2014, 10:33 Uhr | Politik
Prozess gegen Beate Zschäpe Es nimmt sie ein wenig mit

Unterbrechungen, Schwindelanfälle der Angeklagten und ein Brief aus der Haftanstalt: Die F.A.Z.-Korrespondentin Karin Truscheit berichtet im Telefoninterview aus dem Münchner NSU-Prozess. Mehr Von Susanne Kusicke

16.10.2014, 11:13 Uhr | Politik
Bad Homburg Vater gesteht Mord an Tochter mit 41 Messerstichen

Die Tat hatte Bad Homburg im November vergangenen Jahres erschüttert: Ein 16 Jahre altes Mädchen war brutal erstochen worden. Jetzt hat der Vater ein Geständnis abgelegt. Mehr

21.10.2014, 18:41 Uhr | Rhein-Main
Ein Jahr NSU-Prozess - und kein Ende absehbar

Seit genau einem Jahr richten sich viele Blicke der Öffentlichkeit auf Beate Zschäpe. Die Hauptangeklagte im Münchener NSU-Prozess, der nun schon ein Jahr dauert, schweigt öffentlich weiter. Mehr

06.05.2014, 16:46 Uhr | Politik
IS-Prozess in Frankfurt Kreshnik B. gesteht Kampf-Beteiligung in Syrien

Der in Frankfurt angeklagte Syrien-Rückkehrer Kreshnik B. hat am Freitag den Kampf für die Terrormiliz IS zugegeben. Er habe sich gegen die Tyrannei des Assad-Regimes stellen wollen. Mehr

10.10.2014, 14:06 Uhr | Rhein-Main
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 14.05.2013, 16:05 Uhr

Wie erkennt man Terroristen?

Von Eckart Lohse

Bislang ist Deutschland von einem größeren Terroranschlag mit islamistischem Hintergrund verschont geblieben. Die Einschläge aber kommen näher. Das Strafrecht ist im Kampf gegen mordbereite Dschihadisten nicht das größte Problem. Mehr 16 6