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NSU-Prozess Beate Zschäpe will nicht mal ihren Namen sagen

 ·  Ihre Verteidiger verzögern mit Anträgen, das Verfahren auszusetzen, die Verlesung der Anklage; Beate Zschäpe selbst schweigt beharrlich. Und der Mitangeklagte Andre E. stellt offen seine rechtsradikale Gesinnung zur Schau. Für die Angehörigen der Opfer ist der NSU-Prozess bisher schwer zu ertragen.

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© dpa Vergrößern Der Angeklagte André E. kommt an diesem Dienstag in den Gerichtssaal

Beate Zschäpe bleibt ihrem selbstbewussten Stil treu. Diesmal ist der Hosenanzug etwas heller als beim Prozessauftakt, die vor einer Woche noch offenen langen Haare trägt sie nun als Zopf. Zschäpe scherzt mit ihren Anwälten, selbstsicher lässt sie ihren Blick durchs Gericht wandern. Über ihr Auftreten, das keinen Deut der Reue für die zehn NSU-Morde erkennen lässt, verzweifeln allmählich die Angehörigen der Opfer.

Gerade noch sieben Angehörige der Opfer des rechtsextremen NSU zählt der Nebenkläger-Rechtsanwalt Sebastian Scharner im Gericht. Nur sieben von 86 zugelassenen Angehörigen. Manche haben sich entschieden, erst wieder ins Gericht zu kommen, wenn es um die Morde an ihren Verwandten oder die zwei Kölner Bombenanschläge des NSU geht. Doch manche Angehörige und Zuschauer sind bereits frustriert vom zähen Prozessbeginn.

Auch am Dienstag will das Verfahren lange nicht in die Gänge kommen. Zschäpes Verteidiger beantragen, den Prozess auszusetzen. Es müsse ein neuer, größerer Saal gesucht werden, sagt Verteidiger Wolfgang Heer. Wenn München keinen Platz habe, müsse in ganz Deutschland gesucht werden. Heer schlägt den ehemaligen Bundestag in Bonn als Alternative zum OLG München vor.

Der Verteidiger begründet seinen Antrag ausführlich. Anstrengend ausführlich. Denn im Saal warten die verbliebenen Angehörigen darauf, dass es doch endlich um die Taten geht.

Stattdessen liefern sich Verteidiger Heer und Richter Manfred Götzl immer wieder Wortscharmützel. „Die Sitzungsgewalt liegt bei mir“, sieht sich Götzl schon früh zu betonen genötigt. Und später gibt es Streiterein ums Wort. „Sie unterbrechen mich schon wieder“, sagt Götzl. „Sie unterbrechen mich ja auch ständig“, sagt Heer.

Wie schon die Befangenheitsanträge vom ersten Prozesstag weist Götzl mit seinem Senat aber auch die Anträge der Verteidiger zurück, den Prozess aussetzen zu lassen. Am frühen Dienstagnachmittag kann Götzl zunächst die Personalien der Angeklagten aufnehmen. Danach endlich wird die Anklageschrift verlesen. Für zehn Morde, zwei Bombenanschläge und dazu Banküberfälle soll der NSU verantwortlich sein. Das Tatmotiv der Rechtsextremen soll Ausländerhass gewesen sein.

Eine frustrierte türkischstämmige Frau auf der Tribüne hatte vor der geplanten Anklageverlesung schon mit wütenden Worten das Gericht verlassen. „Ich halte das nicht mehr aus“, waren ihre Worte, als sie die Tribüne verließ.

Den Rest gaben ihr die Zwillingsbrüder Maik und André E, letzterer ist neben Zschäpe angeklagt. Er gilt als engster Vertrauter des Terror-Trios Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe. Auf seinen Bauch hat der Neonazi „Die Jew, Die“ - stirb Jude, stirb - tätowiert. Mit seinem auf der Zuschauertribüne sitzenden Zwillingsbruder Maik scherzt er immer wieder, beide haben sich an diesem Tag ein schwarzes Shirt der Band AC/DC angezogen. Maik E. gilt ebenfalls als Szenegröße.

Lachen, sich in Pose werfen und nur ja keinen Funken von Reue oder Scham zu zeigen: Das scheint der Stil zu sein, den die Angeklagten in den NSU-Prozess bringen wollen. Und Zschäpe scheint den Angehörigen nicht mal den Gefallen tun zu wollen, auch nur ein Wort zu sagen. „Meine Mandantin wird keine Angaben zur Person machen“, sagt Heer, als der Richter sie nach ihrem Namen fragt. Zschäpe schweigt also weiter - auch das ist für die Angehörigen ein schwer zu ertragender Zustand.

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14.05.2013, 16:05 Uhr

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