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Heilbronner NSU-Mord : Rätselhafter Tod eines Zeugen

Das Wrack eines Kleinwagens, in dem Florian H., der potentielle Zeuge zum Mord an der Polizistin Kiesewetter, verbrannt war, steht am 16.September 2013 auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart-Bad Cannstatt. Bild: dpa

Der einstige Rechtsextremist Florian H. galt als möglicher Zeuge im Fall des Heilbronner NSU-Mordes an der Polizistin Michele Kiesewetter. Kurz vor seiner Aussage starb der junge Mann. Die Polizei spricht von Freitod, sein Vater und andere glauben nicht daran.

          Im NSU-Untersuchungsausschuss im baden-württembergischen Landtag haben die Familienangehörigen von Florian H. abermals große Zweifel daran geäußert, dass der 20 Jahre alte frühere Rechtsextremist Selbstmord begangen hat. „Ich arbeite in einer psychiatrischen Fachklinik, ich weiß, wie sich suizidale Menschen verhalten, der Florian suizidal – nie“, sagte der 58 Jahre alte Vater des ehemaligen Rechtsextremisten.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Florian H. war am 16. September 2013 in seinem Kleinwagen, der in der Nähe des Cannstatter Wasens abgestellt war, verbrannt. Dabei wollte sich Florian am Nachmittag desselben Tages in Geradstetten mit Beamten des Stuttgarter Landeskriminalamtes treffen, weil er mehrfach Andeutungen gemacht hatte, über die Strukturen der Terrorgruppe NSU schon vor deren Entdeckung im November 2011 Kenntnisse gehabt zu haben.

          Florian H´s. Tod war deshalb vielfach als „mysteriös“ eingeschätzt worden und hatte zur Bildung zahlreicher Hypothesen beigetragen. Die Frage lautete: Brachte Florian H. sich möglicherweise nicht selbst um, sondern war er Opfer eines rechtsextremistischen Anschlags, weil ein Zeuge aus dem Weg geschafft werden musste?

          Vor dem Untersuchungsausschuss erhoben der Vater und Florians Schwester schwere Vorwürfe gegen die Ermittlungsarbeit der Polizei: Das ausgebrannte Fahrzeug habe die Polizei sehr früh verschrotten wollen, die Spurensicherung sei oberflächlich gewesen, denn es sei die Familie gewesen, die das verkohlte Handy, ein Notebook und eine Videokamera aus dem zerstörten Fahrzeug geborgen hätten.

          „Mein Sohn ist jämmerlich gehängt worden, ich kann das nicht anders sagen, auch wenn man mich in Beugehaft nehmen würde“, sagte Gerhard H. vor dem Untersuchungsausschuss. Er habe auch, bevor die Existenz der Organisation „Nationalsozialistischer Untergrund“ einer größeren Öffentlichkeit bekannt geworden sei, „hundertprozentig“ über diese Organisation gesprochen.

          Die Thesen der Familie werden von dem emeritierten Berliner Politikwissenschaftler Hajo Funke unterstützt, der es zumindest für möglich hält, dass ehemalige rechtsextremistische Kameraden den Aussteiger Florian H. in den Tod getrieben haben könnten.

          Sowohl der Vater als auch die Schwester blendeten in ihren Aussagen aber fast vollständig aus, dass Florian wegen Angstzuständen und einer paranoiden Störung in ärztlicher Behandlung war und zeitweise auch das Medikament Resperidon einnahm. Auch die vielfältigen Hinweise, dass er Schwierigkeiten hatte, eine feste Beziehung zu einer Frau aufzubauen, ignorierten die Zeugen weitgehend in ihren Aussagen.

          Dem Hinweis, dass die Ermittlungsarbeit der Polizei oberflächlich war, dass mit der Familie nur zwei mal ein Gespräch geführt wurde, wird der Ausschuss sicher noch nachgehen.

          Florian Vater behauptete auch, sein Sohn sei als Mitarbeiter der Heilbronner Kliniken mit rechtsextremistischen Kreisen in Verbindung gekommen, es gebe dort „Oberärzte, Rechtsanwälte“ sowie Polizisten, die Mitglieder rechtsextremistischer Organisationen seien.

          Heilbronn ist auch der Ort, an dem im April 2007 die Polizistin Michele Kiesewetter ermordet wurde. Der Untersuchungsausschuss will auch einen Beitrag leisten, die Hintergründe dieses Mordes aufzuklären, der ebenfalls der Terrororganisation NSU zugeschrieben wird.

          Florian H. soll mehrfach Andeutungen gemacht haben, die Hintergründe dieser Tat zu kennen. „So lange Alexander, Matze, Nelly und Franschyk nicht auf der Anklagebank sitzen, ist die Aufklärung der NSU-Morde eine Farce“, zitierte Gerhard H., sichtlich traumatisiert eine Aussage seines Sohnes über die angebliche Beteiligung früherer Gesinnungsgenossen an der Tat.

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