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NSU-Prozess : Zschäpe wird erst im Dezember aussagen

  • Aktualisiert am

Wann sagt Beate Zschäpe tatsächlich aus? Bild: dpa

Die von Beate Zschäpe angekündigte Erklärung im NSU-Prozess verzögert sich abermals – weil ihr neuer Anwalt im Urlaub ist. Dafür plant offenbar jedoch ein weiterer bislang schweigender Angeklagter eine Aussage.

          Die Aussage von Beate Zschäpe im Münchner NSU-Prozess verzögert sich weiter. Sie werde frühestens am 8. Dezember verlesen, sagte ihr neuer Wahlverteidiger Hermann Borchert am Donnerstag. Er bestätigte damit Berichte von Bayerischem Rundfunk und Südwestrundfunk. Bis dahin sei er im Urlaub, hieß es zur Begründung. Er habe seine Reise „vor Monaten gebucht“ und brauche die Erholung. Borchert „sehe keinen Grund“, die Reise zu verschieben.

          Zschäpes Aussage war ursprünglich ebenfalls von Borchert und Zschäpes neuem Pflichtverteidiger Mathias Grasel für vergangenen Mittwoch angekündigt worden. Wegen eines Befangenheitsantrags des mitangeklagten mutmaßlichen Terrorhelfers Ralf Wohlleben war dieser Termin aber geplatzt. Zschäpe muss sich als Hauptangeklagte im NSU-Prozess für die Serie aus zehn Morden und zwei Sprengstoffanschlägen verantworten, die die Bundesanwaltschaft dem „Nationalsozialistischen Untergrund“ vorwirft.

          Auch Wohlleben will aussagen

          Nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ plant überdies jetzt auch Wohlleben eine Aussage. Wie Zschäpe schwieg er bisher in dem nun schon seit zweieinhalb Jahren andauernden Prozess. Wohlleben-Verteidigerin Nicole Schneiders lehnte auf dpa-Anfrage eine Stellungnahme dazu ab. Der frühere NPD-Funktionär wird beschuldigt, die wichtigste Tatwaffe des NSU, die Pistole vom Typ „Ceska“, beschafft zu haben. Die Bundesanwaltschaft hält ihn außerdem für die „steuernde Zentralfigur“ hinter dem „Nationalsozialistischen Untergrund“.

          Mit der „Ceska“ sollen die mutmaßlichen Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt neun türkisch- und griechischstämmige Gewerbetreibende in Nürnberg, München, Hamburg, Rostock, Kassel und Dortmund erschossen haben. Diese Morde gelten als rassistisch motiviert. Die Anklage hält die Verwendung immer derselben Waffe für eine verschlüsselte Form der Selbstbekennung. Beim zehnten NSU-Mord, dessen Opfer die Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn war, wurden andere Waffen verwendet.

          Zschäpe muss sich in dem Prozess als Mittäterin verantworten. Sie habe zwar nicht selbst geschossen, die Taten aber mitgeplant und gebilligt. Sie sei außerdem Mitglied der terroristischen Vereinigung NSU gewesen, meint die Bundesanwaltschaft. Gemeinsam mit Mundlos und Böhnhardt war sie 1998 in den Untergrund abgetaucht. In den Jahren danach soll der NSU seine Taten verübt haben.

          NSU-Prozess : Zschäpes Aussage nicht vor dem 8. Dezember erwartet

          Im NSU-Prozess haben bisher nur zwei der Angeklagten ausgesagt. Der ebenfalls als Waffenbeschaffer angeklagte Carsten S. hatte schon zu Beginn ein volles Geständnis abgelegt. Holger G., der das Trio mit Papieren und einer Tarnlegende versorgt haben soll, beschränkte sich bisher auf eine von ihm selbst vorgetragene Erklärung.

          Der einzige Mitangeklagte, der nach den beiden erwarteten Aussagen noch schweigen würde, ist André E. Auch er soll das Trio während der gesamten Zeit im Untergrund bis zum Auffliegen am 4. November 2011 unterstützt haben. Im Prozess fiel er mehrfach mit provokativen Aufschriften auf seiner Kleidung auf, etwa mit dem Spruch „Brüder schweigen“. Seine Verteidiger waren am Donnerstag nicht für Nachfragen zu erreichen.

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