http://www.faz.net/-gpf-7baej
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 16.07.2013, 14:59 Uhr

NSA-Abhöraffäre Russland bestätigt Asylantrag Snowdens

„Whistleblower“ Edward Snowden ersucht nun tatsächlich politisches Asyl in Russland. Die Migrationsbehörde in Moskau hat offiziell den Eingang eines Asylantrag des Amerikaners bestätigt. Russlands Präsident Putin wirft Washington vor, Snowden „auf unserem Territorium blockiert“ zu haben.

© picture alliance / Photoshot Edward Snowden will in Russland bleiben - zumindest vorerst

Der von den Vereinigten Staaten zur Fahndung ausgeschriebene IT-Fachmann Edward Snowden hat nun offiziell um vorläufiges politisches Asyl in Russland ersucht. Dies teilte sein Anwalt am Dienstag mit. Die russische Migrationsbehörde hat den Asylantrag inzwischen erhalten. Das meldete die Agentur Itar-Tass unter Berufung auf Behördenchef Konstantin Romodanowski am Dienstag. Es ist die erste offizielle Bestätigung, dass der Amerikaner tatsächlich den Flüchtlingsstatus beantragt hat.

Der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter Snowden hat umfangreiche Überwachungsprogramme der Vereinigten Staaten und Großbritanniens enthüllt.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte zuvor den Vereinigten Staaten die Schuld an der festgefahrenen Lage Snowdens gegeben. „Sie haben alle anderen Länder so in Angst versetzt, dass ihn niemand möchte. Und auf diese Weise haben sie ihn auf unserem Territorium blockiert“, sagte Putin am Montag vor Studenten im Leningrader Gebiet. Auf der Flucht vor Amerika sei Snowden „ohne Einladung“ auf dem Flughafen in Moskau gelandet.

© reuters Putin hofft auf baldige Abreise von Edward Snowden aus Moskau

Snowden hält sich vorerst weiter immer im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo auf. Er hatte angekündigt vorübergehend Asyl in Russland zu, bei Gelegenheit aber nach Lateinamerika weiterreisen zu wollen. Snowden hat in etwa 20 Staaten um Asyl gebeten. Neben Bolivien haben sich auch Venezuela und Nicaragua bereiterklärt, ihn aufzunehmen. Der IT-Spezialist Snowden hatte Spähprogramme des amerikanischen und des britischen Geheimdienstes enthüllt.

Spanien entschuldigt sich bei Boliviens Präsident

Unterdessen hat sich Spanien bei Boliviens Präsident Evo Morales für Verzögerungen seines Fluges wegen der Suche nach dem früheren amerikanischen Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden um Entschuldigung gebeten. Der Vorgang sei nicht angemessen gewesen und habe Morales in eine schwierige Lage gebracht, sagte der spanische Botschafter in Bolivien, Angel Vazquez, am Montag.

Evo Morales, Heinz Fischer © AP Vergrößern Unfreiwilliger Staatsbesuch: Boliviens Präsident Evo Morales und der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer am 3. Juli am Flughafen in Wien

Bolivien hatte Spanien und andere Länder beschuldigt, Morales die Überflugerlaubnis verweigert zu haben. Deswegen musste das Flugzeug am 3. Juli in Wien zwischenlanden. Der Fall löste einen diplomatischen Eklat zwischen Spanien und Bolivien aus.

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.NET

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
E-Mail-Leak der Demokraten Obama: Russland könnte Clintons Wahl torpedieren

Mischen Russen sich in Amerikas Wahlkampf ein, um Trump statt Clinton an die Macht zu bringen? Selbst Präsident Obama will das nicht ausschließen. Es geht um möglicherweise gehackte E-Mails. Mehr

27.07.2016, 06:21 Uhr | Politik
Russland vor Olympia Putin und das Schlachtfeld Sport

Wladimir Putin ist ein begeisterter Sportler. Der russische Staatspräsident tut alles, um sein Land zu einer sportlichen Großmacht zu machen. Die Olympischen Spiele in Sotschi waren sein größter Triumph. Jetzt steht der Erfolg in Frage. Mehr

26.07.2016, 17:20 Uhr | Sport
Wahl in Amerika Clinton-Lager wirft Trump Nähe zu Putin vor

In Philadelphia beginnt der Parteitag der Demokraten – und ausgerechnet jetzt muss sich die Partei wieder mit einer E-Mail-Affäre herumschlagen. Dahinter stecken angeblich Putin und Trump. Ein Ablenkungsmanöver? Mehr Von Andreas Ross, Philadelphia

25.07.2016, 22:16 Uhr | Politik
Barack Obama Möglich, dass Russland sich in Wahlkampf einmischt

Präsident Barack Obama hat in einem Fernsehinterview erklärt, dass er den Versuch einer Einmischung Russlands in den amerikanischen Wahlkampf nicht ausschließe. Hintergrund ist die Hacker-Affäre um Tausende E-Mails aus der Führungsspitze der Demokraten. Experten vermuten Russland hinter der Veröffentlichung. Mehr

27.07.2016, 08:19 Uhr | Politik
Überwachungsmekka England Wie eine Wölfin im Staatspelz

Um an Daten zu gelangen, werden schon mal Gesetze gebrochen: Theresa May setzt sich seit Jahren für mehr staatliche Überwachung ein. Was ist von ihr als neuer Premierministerin zu halten? Mehr Von Constanze Kurz

25.07.2016, 18:55 Uhr | Feuilleton

Auch Deutschland ist ins Mark getroffen

Von Günter Bannas, Berlin

„Vorschnelle Schlüsse verbieten sich“ - das ist zum Konsens in der Koalition nach den Bluttaten in Bayern geworden. Trotzdem schwang der Ruf nach der Kanzlerin bei Seehofer mit. Angela Merkel hat verstanden, dass jetzt Präsenz gefragt ist.. Mehr 19

Abonnieren Sie den Newsletter „Politik-Analysen“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden