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Norwegen trauert um fast 100 Menschen „Große Mengen Munition“ beim Täter

Nach dem Doppelanschlag mit mindestens 93 Toten steht Norwegen unter Schock - und trauert. Der Attentäter bezeichnet seine Taten in Verhören als „grausam, aber notwendig“.

© REUTERS Vergrößern Noch immer hält die Suche nach möglichen Opfern im Tyrifjord an

Getrieben von einem abgrundtiefen Hass gegen den Islam, gegen Linke und gegen alles Fremde hat ein Rechtsradikaler in Norwegen fast 100 Menschenleben ausgelöscht. Nach den Ermittlungen handelte der Massenmörder wahrscheinlich als Einzeltäter. Neun Jahre lang soll er seine perfiden Taten geplant haben. Die Anschläge des offensichtlich verwirrten Anders Behring Breivik erschüttern die Welt. Am Montag soll gegen ihn Haftbefehl erlassen werden. Die Polizei äußerte sich am Sonntagabend zurückhaltend zum Motiv. Sie stieß im Internet auf eine 1500 Seiten lange Hassschrift des Mannes.

Der von den Behörden als „christlicher Fundamentalist“ eingestufte Mann richtete auf einer winzigen Ferieninsel nahe Oslo ein grauenhaftes Blutbad unter rund 700 jungen Leuten an. Er erschoss auf einem fröhlichen Jugendtreffen gegen Intoleranz und für ein friedliches Miteinander mindestens 86 Teilnehmer oder trieb sie im Wasser in den Tod. „Jeder lief um sein Leben und hat versucht, wegzuschwimmen“, sagte der 21 Jahre alte Camp-Organisator Adrian Pracon, der das Blutbad mit einer Schussverletzung überlebte.

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Über eine entsetzliche Stunde lang schoss der Attentäter mit einem Schnellfeuergewehr gezielt auf die zunehmend panischen Jugendlichen, die weder von der Insel Utøya fliehen noch auf schnelle Hilfe hoffen konnten. „Es sah aus, als habe er Spaß“, sagte der 18 Jahre alte Augenzeuge Magnus Stenseth. Viele versuchten, sich zu verstecken oder die 700 Meter bis zum rettenden Ufer durch das kalte Wasser zu schwimmen.

Anders Behring Breivik © AFP Vergrößern So stellte sich Anders Behring Breivik selbst im Internet dar

Eine Terroreinheit konnte zunächst kein geeignetes Boot auftreiben. Als die Polizei endlich auf der Insel eintraf, ließ sich Breivik ohne Gegenwehr festnehmen. Obwohl er bereits seit gut einer Stunde um sich geschossen hatte, verfügte er zu dem Zeitpunkt „noch über große Mengen Munition“. Das teilte Ermittlungschef Sveinung Sponheim am Sonntag in Oslo mit. Mit ihrem „schnellen und kompetenten Eingreifen“ habe die Polizei einen noch weit schlimmeren Ausgang des Massakers verhindert, hieß es weiter seitens der Polizei.

Europa vor „Marxismus und Islamisierung“ retten

Vor dem Massaker hatte der 32-jährige Norweger im etwa 40 Kilometer entfernten Oslo mit einer selbstgebauten Autobombe Teile der Innenstadt in eine Trümmerlandschaft verwandelt. Mindestens sieben Menschen wurden durch die Wucht der Explosion und Trümmer getötet. Das Büro von Ministerpräsident Jens Stoltenberg wurde völlig verwüstet. Möglicherweise sollte die Explosion die Polizei ablenken. Deutsche waren nach bisherigen Erkenntnissen nicht unter den Opfern.

In einem Geständnis bezeichnete Breivik seine Taten als „grausam, aber notwendig“. Keine drei Stunden vor dem ersten Anschlag hatte er ein wirres „Manifest“ im Internet abgeschlossen: „Ich glaube, dies wird mein letzter Eintrag sein.“ Er wolle Europa vor „Marxismus und Islamisierung“ retten. In dem Text stufte er „multikulturelle“ Kräfte als Feinde ein. Er beschrieb den Bau einer Bombe, erwähnte auch die Jugendorganisation, die das Inselcamp organisiert hat. Niemandem habe er von seinen Plänen erzählt. Der Mann hat weder Frau noch Kinder. „Er sagt, dass er allein gehandelt hat. Das müssen wir jetzt sehr genau überprüfen“, erklärte Sponheim.

Noch vier Vermisste

Seit dem Frühjahr hatte Breivik sechs Tonnen Kunstdünger zusammengekauft, der zur Herstellung von Bomben geeignet war. Der Hobbyschütze hatte über Netzwerke im Internet Kontakte in die rechte Szene. Neun Jahre bereitete er die Tat laut seinem „Manifest“ vor. Er soll nun auf seinen Geisteszustand untersucht werden. „Es ist ausgesprochen schwer für mich, eine vernünftige Zusammenfassung von dem zu geben, was er in dem Verhör gesagt hat“, so Verteidiger Geir Lippestad in örtlichen Medien. „Er wollte die Gesellschaft treffen. In seinem Kopf erlebt er es so, dass das, was getan hat, nicht strafbar ist.“

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