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Nordkoreas Atomtest : Unterirdische Provokation

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Atomanlage Punggye-ri: Laut Regime lief der Atomtest „perfekt“ Bild: AFP

Nordkorea hat zum dritten Mal einen Atomwaffentest unternommen. Der amerikanische Präsident Barack Obama und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilten ihn als schweren Verstoß gegen geltende Resolutionen.

          Das kommunistische Nordkorea hat einen weiteren Atomtest unternommen. Der dritter Nukleartest sei erfolgreich durchgeführt worden, berichteten die Staatsmedien. Ein Sprecher des südkoreanischen Verteidigungsministeriums bestätigte in Seoul, dass im Nordosten Nordkoreas Erdstöße registriert worden seien, die auf einen unterirdischen Nukleartest hinwiesen. Südkorea und Japan beriefen ihre nationalen Sicherheitsräte ein.

          UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat den Atomtest ebenso verurteilt wie der amerikanische Präsident Obama und die britische Regierung. Dies sei eine höchst provokative Aktion, kritisierte Obama in einer in der Nacht zum Dienstag veröffentlichten Stellungnahme des Weißen Hauses. Nordkoreas Atomwaffen stellten „eine Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA und den internationalen Frieden“ dar. Der Nuklearversuch untergrabe zudem die regionale Stabilität, verletze die Resolutionen des UN-Sicherheitsrates und erhöhe das Risiko der Atomwaffen- Verbreitung.

          Der britische Außenminister William Hague erklärte, die wiederholten Provokationen dienten nur dazu, die Spannungen in der Region weiter zu verschärfen. Sie behinderten die Aussichten auf dauerhaften Frieden auf der koreanischen Halbinsel.

          Es sei bedauerlich, dass die Regierung in Pjöngjang dem starken und unmissverständlichen Ruf der internationalen Gemeinschaft nicht gefolgt sei, sich weiterer provokativer Schritte zu enthalten, erklärte Ban Ki Moon nach Angaben seines Sprecher am Dienstagmorgen in New York. Er sei überzeugt, dass der UN-Sicherheitsrat die angemessenen Maßnahmen ergreifen wird. Der UN-Generalsekretär zeigte sich äußert besorgt über die negativen Auswirkungen „dieses zutiefst destabilisierenden Akts“ auf die regionale Stabilität und die weltweiten Bemühungen um die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen.

          Künstliches Beben der Stärke 4,9

          Auch Russland hat den neuen Atomtest in Nordkorea entschieden verurteilt. Das Land habe damit wiederholt gegen Resolutionen des Weltsicherheitsrates verstoßen, kritisierte ein Sprecher des russischen Außenministeriums der Agentur Interfax zufolge am Dienstag. Das Verteidigungsministerium in Moskau kündigte eine Prüfung der Lage in seiner Grenzregion zu Nordkorea an. Es sei auf russischem Gebiet bisher kein Anstieg der Radioaktivität zu verzeichnen, teilten die oberste Gesundheitsbehörde und der meteorologische Dienst mit.

          Auffällige Erschütterungen: Die Explosion wurde von den Seismologen weltweit registriert Bilderstrecke
          Auffällige Erschütterungen: Die Explosion wurde von den Seismologen weltweit registriert :

          Nach südkoreanischen Angaben erreichte das „künstliche“ Beben in Nordkorea um etwa 12.00 Uhr Ortszeit (4.00 MEZ) eine Stärke von 4,9. Der Atomtest dürfte eine Sprengkraft von sechs bis sieben Kilotonnen TNT gehabt haben, sagte der Ministeriumssprecher in Seoul. Auch die amerikanische Erdbebenwarte berichtete von einem solchen Beben. In dem Gebiet befindet sich das Atomtestgelände, auf dem Nordkorea bereits 2006 und 2009 unterirdisch nukleare Sprengladungen gezündet hatte.

          „Ungewöhnliches seismisches Ereignis“

          Die UN-Behörde zur Überwachung des internationalen Kernwaffenteststopp-Abkommens (CTBTO) hatte ebenfalls von Erdstößen in Nordkorea berichtet. „Wir haben ein ungewöhnliches seismisches Ereignis in Nordkorea gemessen“, teilte CTBTO-Sprecherin Annika Thunborg am Dienstagmorgen in Wien mit.

          Die Bezeichnung „ungewöhnliches seismisches Ereignis“ wird für möglicherweise von Menschen verursachte Erdstöße verwendet. „Das Ereignis zeigt eine klar explosionstypische Charakteristik und es lag annähernd deckungsgleich mit den Atomtests der DPRK (Nordkorea) von 2006 und 2009“, sagte Tibor Toth, Leiter der CTBTO.

          Südkorea und die Vereinigten Staaten hatten dem kommunistischen Land für den Fall eines dritten Tests schwerwiegende Konsequenzen angedroht. Unter anderem wird eine weitere Verschärfung der UN-Sanktionen gegen das weitgehend isolierte Land wird nicht ausgeschlossen.

          Nordkorea hatte einen neuen Atomtest und weitere Raketentests im Januar aus Protest gegen die Ausweitung von UN-Sanktionen angekündigt. Ein Zeitrahmen dafür war aber nicht genannt worden. Der Weltsicherheitsrat hatte mit den verschärften Sanktionen auf einen nordkoreanischen Raketenstart im Dezember reagiert.

          Nordkoreas Atomprogramm

          Nordkoreas Atomprogramm beunruhigt die internationale Gemeinschaft seit Jahrzehnten. Das Atomzentrum in Yongbyon wurde in den 1960er Jahren errichtet. Etwa 20 Jahre später begann das Regime mit der Entwicklung von Atomwaffen. Ein Rückblick:

          1994: Nordkorea erklärt seinen Austritt aus der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), bleibt aber seinen Verpflichtungen aus dem Atomwaffensperrvertrag unterworfen. Im Oktober verspricht das Land in einem Abkommen mit den Vereinigten Staaten, sein Atomprogramm zu stoppen.

          1998: Nordkorea startet eine mehrstufige Rakete, angeblich mit einem Satelliten an Bord. Die Vereinigten Staaten warfen Pjöngjang vor, es habe sich um den Test einer Mittelstreckenrakete gehandelt.

          2003: Nordkorea tritt aus dem Atomwaffensperrvertrag aus. Die ersten Sechser-Gespräche zwischen Nordkorea, den Vereinigten Staaten, China, Südkorea, Japan und Russland enden ohne Ergebnis.

          2005: Das Regime bekennt sich erstmals zum Besitz von Atomwaffen. Es verpflichtet sich im September zwar zur Aufgabe seines Atomprogramms, stellt die Vereinbarung aber wenig später wieder infrage.

          2006: Nordkorea löst mit einer Serie von Raketenversuchen über dem Japanischen Meer weltweit Empörung aus. Im Oktober folgt der erste unterirdische Atomtest.

          2007: Im Februar sagt Nordkorea die Schließung der Atomanlage in Yongbyon zu. Im Gegenzug soll es Energie- und Wirtschaftshilfe erhalten. Im Juli wird der Reaktor abgeschaltet.

          2008: Das Regime demonstriert mit dem Abschuss mehrerer Testraketen Stärke und droht, die Stilllegung von Atomanlagen hinauszuzögern.

          2009: Der Weltsicherheitsrat verurteilt den Start einer nordkoreanischen Langstreckenrakete. Aus Protest gegen die Kritik steigt Pjöngjang aus den internationalen Atomgesprächen aus. Nach einem zweiten Atomtest Nordkoreas verschärfen die Vereinten Nationen ihre Sanktionen.

          2011: Eine Expertengruppe kommt zu dem Schluss, dass Nordkorea weiter entwickelte Atomanlagen haben muss als bisher bekannt. Nach UN-Angaben exportiert das Regime für nukleare Sprengköpfe geeignete Raketen in den Iran und andere Krisengebiete. Im Juli und im Oktober treffen sich Vertreter der Vereinigten Staaten und Nordkoreas wieder zu Gesprächen über das Atomprogramm.

          2012: Zum ersten Mal seit dem Tod des Diktators Kim Jong Il im Dezember 2011 führen Washington und Pjöngjang wieder direkte Atom-Gespräche. Washington verkündet, Nordkorea sei im Gegenzug für Nahrungsmittelhilfen zu einem Moratorium bei der Urananreicherung, Atom- und Raketentests bereit. Ein weiterer Raketentest scheitert im April. Nach massiver Kritik daran hebt Nordkorea das Moratorium wieder auf. Im Dezember schießt das Regime eine weitere Rakete mit einem Satelliten ins All.

          Januar 2013: Der Weltsicherheitsrat weitet die Sanktionen aus. Der Rat hatte den Raketenstart zuvor scharf verurteilt. Das Regime in Pjöngjang droht, sein Atomwaffenarsenal auszubauen und kündigt einen dritten Atomtest sowie weitere Raketenstarts an. Gespräche über das Atomprogramm werde es nicht mehr geben.

          12. Februar 2013: Nordkorea unternimmt einen neuen Atomtest und löst damit bei der internationalen Gemeinschaft scharfe Kritik aus.

          Quelle: FAZ.NET

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