09.03.2009 · So aggressiv klang es aus Pjöngjang schon lange nicht mehr: Wegen eines Manövers südkoreanischer und amerikanischer Truppen hat Nordkorea seine Streitkräfte in Alarmbereitschaft versetzt. Das verunsicherte Regime will seine Schwäche durch verbalen Radikalismus kaschieren.
Von Peter SturmProteste aus Nordkorea gegen amerikanisch-südkoreanische Militärmanöver gehören seit Jahren zur Routine Nordostasiens. Aber in diesem Jahr fällt alles mehrere Stufen aggressiver aus als üblich. Die Herstellung der „vollen Kampfbereitschaft“ in der nordkoreanischen Armee ist dabei noch das harmloseste Element.
Zu einer krisenhaften Entwicklung könnte das führen, was Nordkorea seit einiger Zeit als bevorstehenden Start eines Weltraumsatelliten ankündigt, was nach amerikanischer und südkoreanischer Ansicht aber der Test einer Langstreckenrakete ist. Die Amerikaner haben angedeutet, dass sie diese Rakete, wenn sie auf ihr Territorium zuflöge, abfangen, das heißt abschießen könnten. Das wiederum bezeichnet Pjöngjang als „Akt des Krieges“.
Vertrackte Lage, verbale Ausfälle
Nordkorea hat sich in den vergangenen Monaten in eine vertrackte Lage manövriert. Der Versuch, die möglichst ungeteilte Aufmerksamkeit der neuen amerikanischen Regierung zu erlangen, hat zu immer neuen verbalen Ausfällen geführt. Bevorzugtes Objekt war dabei stets die südkoreanische Regierung, die verständlicherweise nicht mehr bereit ist, den abgewirtschafteten Norden ohne sichtbare Gegenleistungen in der Atomfrage zu alimentieren. Aber auch Barack Obama wurde einerseits umworben, andererseits wüst beschimpft.
Beim Thema Raketentest/Satellitenstart hat sich Nordkorea öffentlich so weit festgelegt, dass es ohne Gesichtsverlust von dem Vorhaben kaum noch abgehen kann. Nun muss man hoffen, dass in Pjöngjang noch ausreichend Sinn für die Realität vorhanden ist, um die Rakete beim Start nicht in Richtung Japan oder die Vereinigten Staaten fliegen zu lassen.
Nur Theaterdonner?
Sollte das nicht so kommen, hätte Nordkorea genau den Konflikt provoziert, vor dem es die andere Seite ständig warnt, den es aber im eigenen Interesse unbedingt vermeiden sollte. Eine Anerkennung als Atomwaffenstaat, die von der Führung in Pjöngjang nach ihrem Bombentest Ende 2006 erwartet wurde, ist jedenfalls nicht in Sicht. Nicht einmal das verbündete China ist dazu bereit.
Also glaubt das durch Spekulationen über die Nachfolge von Staatsführer Kim Jong-il zusätzlich verunsicherte Regime seine offenkundige Schwäche weiter durch verbalen Radikalismus kaschieren zu müssen. Es wäre schön, wenn alles nur Theaterdonner wäre. Aber darauf sollte man sich bei Nordkorea nie verlassen.
Das Problem mit labilen Regimen...
Lutz von Peter (LutzBrux)
- 10.03.2009, 18:16 Uhr