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Nordkorea Super Nuklear-Show

Tagtäglich lässt sich Nordkorea etwas Neues einfallen: Es droht mit Atombomben, schließt Grenzen. Aber leider bringen die neuen Sanktionen von UN und EU uns auch nicht wirklich weiter.

© dpa Vergrößern Kim Jong Un auf einer Inspektion der Verteidigungsanlagen

Also, erst mal Respekt: Die Nordkoreaner schaffen es immer noch, eine tolle Show abzuziehen. Atomarer Erstschlag gegen Amerika angedroht, das rote Telefon zwischen Nord und Süd gekappt, alle Nichtangriffsvereinbarungen gekündigt, das Waffenstillstandsabkommen von 1953 aufgehoben - jeden Tag ein neuer Knaller, man kann kaum erwarten, was morgen kommt. Die Beschallung des Südens mit Kim Il-sungs Revolutionsoper? Oder die öffentliche Hinrichtung von Cognacflaschen durch Kim Jong-un? Bleiben Sie dran, schalten Sie nicht um.

Wer sich zwischendurch nach ein wenig Realität sehnt, sollte mal nach Kaesong blicken, in die Sonderwirtschaftszone an der Grenze. Da schuften 42000 Nordkoreaner in 110 Fabriken aus dem Süden. Eine Win-win-Situation, wie man so sagt. Unternehmer zahlen Löhne, für die kein Südkoreaner morgens aufstehen würde; und die nordkoreanischen Arbeitsbienen geben das meiste bei ihren Drohnen ab. Da freuen sich auch die Funktionäre der Arbeiterklasse über Kapitalismus pur. Die Grenze in Panmunjon wurde diese Woche dicht gemacht, Kaesong blieb offen. Wäre ja noch schöner, wenn man sich von ein paar Atombomben das Geschäft vermasseln ließe!

Zur Wahrheit gehört allerdings, dass auch die jüngsten Sanktionsbeschlüsse von UN und EU ziemlich hohl sind. Geldkuriere aus dem Norden sollen daran gehindert werden, Einkäufe für das Atom- und Raketenprogramm zu tätigen - klingt entschlossen, ist aber sowieso verboten. Die Staaten wollen außerdem unterbinden, dass sich nordkoreanische Banken bei ihnen niederlassen. Bloß waren die eh nicht auf Expansionskurs. Und Staatsanleihen aus Pjöngjang sind künftig tabu für europäische Anleger - ach so, hatte jemand Interesse daran? Immerhin, bei so dürftiger Substanz stimmte diese Woche wenigstens die Unterhaltung.

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Quelle: F.A.S.

 
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