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Nordkorea Fest im Sattel?

28.12.2011 ·  Kim Jong-un, seine Familie und deren Unterstützer hatten es eilig. Schon gibt es Anzeichen, dass in Nordkorea der Wettstreit der Machtgruppen begonnen hat.

Von Peter Sturm
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Wenn an diesem Donnerstag die Trauerfeierlichkeiten für den gestorbenen nordkoreanischen Staatsführer Kim Jong-il mit Schweigeminuten und Salutschüssen zu Ende gegangen sind, wird das Land vermutlich wieder für einige Zeit im Halbdunkel der Weltpolitik verschwinden. Käme es anders, bedeutete dies Unheil. Das hieße nämlich, dass in Pjöngjang ein offener Machtkampf entbrannt wäre.

Mittel- und langfristig kann man einen solchen freilich nicht ausschließen, so reibungslos die Nachfolge jetzt auch geregelt worden zu sein scheint. Was hätte die Machtelite auch sonst tun sollen? Hätte sie den Aufstand gegen den jungen Kim Jong-un geprobt, wäre die Propagandafassade mit einem Schlag zusammengebrochen. Ein abrupter Wechsel außerhalb der Herrscherfamilie wäre kaum ohne Blutvergießen abgelaufen. Die Folgen wären nicht abzusehen gewesen.

Der Wettstreit der Machtgruppen hat begonnen

Das alles ist nicht geschehen, was freilich nicht bedeutet, dass ein solches Szenario für alle Zukunft ausgeschlossen wäre. Man kann die Verleihung immer neuer Titel an den Sohn des Verstorbenen auch so deuten, dass es Kim Jong-un, seine Familie und deren Unterstützer eilig hatten. Sie wollten vielleicht so schnell wie möglich Tatsachen schaffen, damit sich eine grundsätzlich systemkonforme, aber außerhalb der Herrscherfamilie anzusiedelnde Opposition gar nicht bilden kann. Ob und wenn ja, wie fest Kim Jong-un wirklich im Sattel der Macht sitzt, werden erst die kommenden Monate zeigen.

Schon gibt es Anzeichen, dass der Wettstreit der Machtgruppen begonnen hat. Traditionell die Nase vorn haben dabei in Nordkorea diejenigen, die für die Sicherheit des Regimes verantwortlich sind. Diese Kräfte, die quasi von Amts wegen überall Feinde sehen, werden sich voraussichtlich einer wirklichen Öffnung des Landes widersetzen. Die vom Regime künstlich geschürte Bedrohungslage hat in den vergangenen Jahren die Rolle des Militärs im Staat unverhältnismäßig vergrößert.

Auch die Generäle sind also wohl für Experimente nicht zu haben. Das Auftreten des Onkels von Kim Jong-un in Generalsuniform am Sarg war wohl als Geste der politischen Führung an die Armee zu verstehen. Das verspricht für die nähere Zukunft wenig Gutes. Westliche Maßstäbe, nach denen die Zeit für Veränderungen eigentlich überfällig wäre, sind jedenfalls (noch) fehl am Platz.

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Jahrgang 1958, Redakteur in der Politik.

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