08.08.2002 · „Es war zu viel.“ Der Nachfolger des ermordeten Rechtspopulisten Fortuyn, Mat Herben, will sein Amt als Fraktionschef niederlegen.
Noch keine drei Monate nach dem überraschend starken Abschneiden der Liste Pim Fortuyn (LPF) bei der Parlamentswahl in den Niederlanden hat ihr bisher prominentester Politiker seinen Rücktritt als Fraktionschef angekündigt. Mat Herben (50) reagierte damit auf Kritik von Parteifreunden an seiner Amtsführung.
In einem Zeitungsinterview nannte er am Donnerstag Überlastung als Begründung: „Ich hatte das Gefühl, dass ich ganz alleine die Partei tragen musste. Es war zu viel.“ Er wolle Platz für eine rotierende Führungsspitze machen. „Die Partei weiß, dass ich nicht Fraktionsvorsitzender bleiben will“, erklärte Herben. „Ich habe das Amt zu Ehren von Pim Fortuyn und unter großem Druck übernommen.“
„Zu lieb“ für die Politik?
Berichte über einen internen Machtkampf in der Partei wies er zurück. Aus der Partei und Fraktion war ihm in letzter Zeit vorgeworfen worden, er sei „zu lieb“ zu den Politikern anderer Parteien. Dadurch habe er für die LPF weniger erreicht als diese angestrebt habe, sagten führende Mitglieder.
Der frühere Sprecher des am 6. Mai ermordeten Rechtspopulisten Pim Fortuyn war später dessen Nachfolger als „politischer Führer“ geworden. Nach dem Einzug seiner Partei ins Parlament bei der Wahl am 15. Mai hatte er für die LPF die Fraktion organisiert und die Verhandlungen zur Regierungsbildung mit Christdemokraten (CDA) und Liberalen (VVD) geführt. Seine Fraktion war mit 26 von 150 Parlamentsmandaten zweitstärkste Fraktion geworden.
In der Regierung ist die LPF ebenso wie die VVD mit vier Ministern vertreten gegenüber sechs der CDA unter dem christdemokratischen Ministerpräsidenten Jan Peter Balkenende. Eine Staatssekretärin aus den Reihen der LPF musste bereits Stunden nach ihrer Vereidigung zurücktreten, weil sie falsche Angaben über ihre Vergangenheit gemacht hatte.