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Niederlande Attentat auf Rechtspopulist Fortuyn stürzt Holland in neue Krise

07.05.2002 ·  Neun Tage vor der Parlamentswahl ist in den Niederlanden der Rechtspopulist Fortuyn niedergeschossen worden. Die etablierten Parteien verlieren ihren Feind - und ihr Programm.

Von Karsten Polke-Majewski
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Pim Fortuyn ist tot. Ein Unbekannter hat den Rechtspopulisten neun Tage vor der Parlamentswahl erschossen, gerade als Fortuyn im Gebäude eines Radiosenders das getan hatte, was er am besten konnte: reden. Einen Tag, nachdem der französische Rechtsextremist Jean-Marie Le Pen dem Kampf um das Amt des Staatspräsidenten in der Stichwahl zwar verloren, jedoch noch mehr Wählerstimmen als vor vierzehn Tagen auf sich vereinigt hatte, geschieht in den Niederlanden ein Mord, wie ihn dieses Land in seiner jüngeren Geschichte noch nie erlebt hat.

Noch ist nichts über die Identität des Täters, der am Abend festgenommen wurde, bekannt. Niemand weiß bislang um seine Motive. Aber schon sind erste Schuldzuweisungen zu hören. Ein Sprecher von Leefbaar Rotterdam, der Wählervereinigung, die Fortuyn bei den Kommunalwahlen im März mit 35 Prozent der Stimmen als stärkste Fraktion ins Rathaus führte, warf den Medien vor, Fortuyn in die rechte Ecke gedrängt zu haben. Nun habe sich gezeigt, dass der linke Extremismus weit gefährlicher als „rechtskonservative“ Ideen sei.

Erfolg durch Polemik

Journalisten berichten, Fortuyn habe um seine Sicherheit gefürchtet, habe auch missbilligt, dass ein großer Teil der Spenden, die seine Partei erhielt, für seine Sicherheit statt für den Wahlkampf ausgegeben wurde. Aber er hat auch mit dieser Angst kokettiert. Bewusst hat sich Fortuyn mit seinen Thesen, die in aller Schärfe gegen jede politische Korrektheit, jedes politische Tabu gerichtet waren, ärgster Kritik, auch der Wut mancher ausgesetzt. Der Islam eine rückständige Kultur, das Diskriminierungsverbot der Verfassung überflüssig, die Politik der Regierung Wim Kok ein Schutthaufen - Polemik hat seinen Erfolg ausgemacht.

Politische Debatte am Ende?

Der Mord an Pim Fortuyn wirft ein grelles Licht auf das sich oft als Vorbild an Demokratie, Anstand, Unaufgeregtheit zeichnende Land. So theatralisch, wie Fortuyn auf die politische Bühne trat, so tragisch tritt er ab. Er hinterlässt Holland bangend vor einer unbekannten Zukunft. Noch gestern warnten viele, weil die politische Debatte sich im beständigen Verhandeln der großen Parteien neutralisiert habe, werde Fortuyn wie ein Wirbelwind Wählerstimmen an sich reißen und eine starke Regierung des Ausgleichs auf lange Zeit unmöglich machen.

Nun, da seine Partei auf einen Schlag Anführer, Programm, Inhalt verloren hat, ist die Zukunft noch ungewisser. Das Unbehagen der Bevölkerung mit der Den Haager Politik, das in Fortuyn Gestalt angenommen hatte, wird erhalten bleiben. Unausgesprochen wird es sich wie eine dunkle Wolke über das Handeln einer jeden neuen Regierung legen. Bis es abermals ausbricht.

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