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Nicolas Sarkozy : Der Eroberer

Eingespieltes Team: Nicolas und Cecilia Sarkozy Bild: AP

Der französische Wirtschafts- und Finanzminister Nicolas Sarkozy präsentiert sich in den Medien betont jugendlich. Die Partei mußte ihm Chirac schon überlassen, jetzt träumt Sarkozy vom Elysee-Palast.

          Nicolas Sarkozy rennt, in Sportschuhen und kurzen dunkelblauen Shorts, die den Blick auf seine strammen Beine freigeben. Als Dauerläufer läßt sich der mächtigste Minister Frankreichs gern fotografieren. "Paris-Match" brachte im Sommer eine lange Fotoreportage, für die Sarkozy mit Ehefrau Cecilia über den Strand in La Baule joggte. Jeder Presseauftritt kommt dabei einem Statement gegen Chirac gleich, dem Staatspräsidenten, dem Sarkozy 2007 gern im Elysee-Palast nachfolgen würde.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Chirac hatte einmal versucht, sich den Franzosen als Urlauber sympathisch zu machen, und manche lachen noch heute in Erinnerung an seine gestreiften Badehosen. Seither sieht man den Präsidenten nur noch in maßgefertigten dunklen Anzügen; seine steife Gattin Bernadette, eine geborene Chodron de Courcel, konnte derartiger Volksnähe ohnehin nie etwas abgewinnen.

          Vernunft und konservativer Pragmatismus

          Wenn Sarkozy also öffentlich mit seinem sieben Jahre alten Sohn Louis Fußball spielt, dann soll das vor allem heißen: Hier kommt das neue, das junge und dynamische Frankreich, das mit dem verstaubten Präsidentenpaar nichts gemein hat. Die Medienkampagne läßt jene schmunzeln, die Sarkozy nicht erst seit dem Regierungswechsel 2002 beobachten.

          Denn Sarkozy, der den Franzosen heute Inbegriff von energiestrotzendem Durchsetzungsvermögen und jugendlichem Schwung ist, hielten seine Studienfreunde früher vor, nicht "richtig jung" zu sein; schon im Alter von 20 Jahren habe er Vernunft, Realpolitik und konservativen Pragmatismus gepredigt. Im großbürgerlichen Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine kam der junge Brave gut an: Mit 28 Jahren setzte er sich als Bürgermeister durch, gegen den erfahrenen Gaullisten Pasqua.

          Keine „wirklich glückliche“ Kindheit

          Vielleicht hängt Sarkozys Strebsamkeit mit seiner Familiengeschichte zusammen. Der Vater, Pal Nagy Bocsa y Sarkozy, war vor dem kommunistischen Regime in seiner ungarischen Heimat nach Frankreich geflohen und hatte mit dem Charme des mittellosen Flüchtlings-Aristokraten in die französische "haute bourgeoisie" eingeheiratet. Seine Kindheit verlebte Nicolas, im Januar 1955 geboren, mit seinen zwei Brüdern in der großväterlichen Villa nahe dem Park Monceau in Paris.

          Die Mutter legte viel Wert auf eine standesgemäße Erziehung. Nicolas besuchte die katholische Privatschule Saint-Louis. Doch der Vater sollte sich als Lebemann erweisen, der die Mutter sitzenließ und sich nur sporadisch für die Söhne interessierte. Die Scheidung wurde vollzogen, als Nicolas fünf Jahre alt war. Seine Kindheit sei keine "wirklich glückliche Zeit" gewesen, sagte Sarkozy einmal zum Entsetzen seiner Mutter.

          „Man hat mir nie was geschenkt“

          Über das Verhältnis zum Vater redet der ansonsten so redselige Sarkozy nur ungern. Dessen Heimatort Bocsa, etwa hundert Kilometer von Budapest in der Kleinen Puszta gelegen, hat er bei einer offiziellen Ungarn-Reise 1994 zum ersten Mal besucht. "Man hat mir nie etwas geschenkt. Alles, was ich habe, habe ich erobert", sagt Sarkozy über sich.

          Von der politischen Führungselite Frankreichs unterscheidet ihn, daß er keine der "grandes ecoles" und vor allem nicht die Kaderschmiede Ena absolviert hat. Der Rechtsanwalt ist ein "selfmademan", der sich in der neogaullistischen Sammlungsbewegung - innerhalb kürzester Zeit - nach oben gearbeitet hat. Bei seinem Aufstieg half Chirac zunächst mit. Er vertraute Sarkozy seine Tochter Claude an, der nach der schweren Krankheit der Erstgeborenen Laurence alle väterlichen Hoffnungen galten.

          Trauzeuge bei der Hochzeit von Chiracs Tochter

          Sarkozy nahm Claude unter seine Fittiche, er führte sie in die Politik ein, so wie Chirac ihn gebeten hatte. Bernadette Chirac soll in dem jungen Mann sogar einen idealen Schwiegersohn gesehen haben. Doch irgendwie kam alles anders, aber man blieb sich so freundschaftlich verbunden, daß Claude Chirac Sarkozy zu ihrem Trauzeugen bei ihrer Ehe mit dem Politologen Phillippe Habert 1992 machte.

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