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Nicolas Sarkozy Den Verrat verzieh Chirac ihm nie

29.03.2007 ·  Er hat bislang alle Hürden mit Leichtigkeit übersprungen, im Mai könnte seine Karriere einen Höhepunkt erreichen: Nicolas Sarkozy will Frankreichs Präsident werden. Sein Vorbild hieß einst Jacques Chirac. Doch der verzieh ihm den Treuebruch von 1995 nie.

Von Michaela Wiegel, Paris
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Nicolas Sarkozy tritt als Favorit aller Umfrageinstitute bei der französischen Präsidentenwahl an. Von den Hauptkandidaten ist er derjenige, der sich schon am längsten für das Rennen warmläuft: Schritt für Schritt eroberte Sarkozy das rechtsbürgerliche Lager und nahm die für Chirac vor fünf Jahren gegründete Präsidentenpartei UMP für sich ein - gegen große Widerstände von Chirac und dessen Gefolgsleuten. Im November 2003 brachte Sarkozy seine Präsidentschaftsambitionen auf die griffige Formel, er denke „nicht nur beim Rasieren daran“.

Sarkozy, Sohn eines adeligen Ungarn, der vor dem kommunistischen Regime nach Frankreich floh, hat bislang alle Karrierehürden mit Leichtigkeit übersprungen. Sarkozy wuchs im vornehmen 17. Arrondissement der Hauptstadt auf, er wählte wie seine Mutter den Anwaltsberuf und stieg schnell in die Politik ein. Sein großes Vorbild hieß damals Jacques Chirac. Mit unbändiger Energie, Redetalent und dem Willen zur Macht erinnerte er nicht wenige der gaullistischen Barone an den jungen Chirac.

Bruch mit der Treue zu Chirac

Sarkozys Aufstieg führte über den im Alter von 28 Jahren errungenen Bürgermeisterposten im großbürgerlichen Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine in hohe politische Ämter: in den reichen Generalrat des Départements Hauts-de-Seine, dem er heute vorsteht, in die Nationalversammlung und in die Regierung. Nach seiner Erfahrung als Budgetminister der Regierung Balladur (1993-1995) brach er im Präsidentenwahlkampf 1995 seine Treue zu Chirac und zog für dessen parteiinternen Herausforderer Balladur ins Rennen - ein „Verrat“, den ihm Chirac nie wirklich verziehen hat. Zwei Jahre lang, schreibt Sarkozy in seinem Buch „Libre“ (Frei), habe der Präsident nicht mit ihm geredet.

Im Präsidentenwahlkampf 2002 gelang das politische Comeback zu Diensten Chiracs: Sarkozy wurde zwar nicht wie erhofft zum Premierminister berufen, aber als Innenminister kam ihm die Aufgabe zu, das wichtigste Wahlkampfversprechen des Präsidenten zu verwirklichen. Im Kampf für die innere Sicherheit vollbrachte Sarkozys beinharte Art und seine „Ergebniskultur“ zumindest den ersehnten Wahrnehmungswandel. Die Franzosen fühlen sich sicherer, obwohl die Kriminalitätsstatistik nach anfänglichen Erfolgen noch immer besorgniserregend ist.

Kann Sarkozy versöhnen?

Sarkozy zog auch medienwirksam Themen an sich, die seine Vorgänger vernachlässigten. In der Islam-Debatte gelang ihm mit der Gründung eines muslimischen Repräsentativrates eine entscheidende Neuerung. Sein Ruf nach staatlichen Subventionen für Moscheen ist dagegen bislang wirkungslos verhallt.

Als Wirtschafts- und Finanzminister wirkte Sarkozy weiter daran, als ein Macher wahrgenommen zu werden, der vor keinen Hindernissen zurückschreckt. Zurück im Innenministerium fiel ihm das Krisenmanagement während der Unruhen in der Banlieue zu. Es gab keine Toten, aber Sarkozy ist seit seinen derben Sprüchen über das „Pack“ in den Vorstadt-Gettos verhasst und kann sich nur mit aufwendiger Leibgarde dort blicken lassen. Seine größte Schwäche ist wohl, dass er Zweifel an seiner Fähigkeit lässt, als Präsident aller Franzosen seine Landsleute zu versöhnen und nicht gegeneinander aufzuhetzen.

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Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

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