Nach den jüngsten Bombenexplosionen in New York untersucht die Polizei unter anderem, ob das britische Konsulat oder möglicherweise ein amerikanischer Manager im Visier der Täter gewesen sein könnte. Ein möglicher Zusammenhang besteht auch mit der britischen Politik in Nordirland.
New Yorks Polizeichef Raymond Kelly sagte am Donnerstag, er prüfe, ob eventuell ein führender Firmenvertreter des amerikanischen Unternehmens Caterpillar ins Visier der Täter geraten sein könnte. Das Board-Mitglied Gail Fosler arbeitet in dem gleichen Gebäude, in dem auch die das britische Konsulat seine Büros hat und vor dem die Sprengsätze am Donnerstag gegen 4.00 Uhr explodiert waren, aber nur leichte Schäden angerichtet hatten.
Möglicher Zusammenhang mit dem Nahen Osten...
Kelly sagte, vor dem Gebäude habe es Mitte April Proteste einer Gruppe amerikanischer Juden gegeben, die sich im Internet gegen die Besatzungspolitik Israels in den Palästinenser-Gebieten gewandt habe. Caterpillar liefert Planierraupen an Israel, die unter anderem zum Abriß von Häusern von Palästinensern genutzt wurden.
Britische Sicherheitskräfte hatten im vor den Parlamentswahlen immer wieder vor der Gefahr von Anschlägen moslemischer Extremisten in Großbritannien oder auf britische Einrichtungen im Ausland gewarnt. New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg mahnte unterdessen, nicht voreilig Schlüsse zu ziehen. Die Sprengsätze seien zwar vor dem Gebäude hochgegangen, in dem sich das britische Konsult befindet, sagte Bloomberg. Doch wisse man bislang nicht, welches Motiv hinter der Tat stehe, zu der sich niemand bekannt habe.
...aber auch mit dem Konflikt in Nordirland
Derweil untersucht die Polizei Videobänder von 15 Sicherheitsüberwachungskameras, um eine Hinweise auf den oder die Verantwortlichen für die Explosionen zu erhalten. Die Aufnahmen zeigten einen Jogger, einen Fahrradfahrer und ein Taxi wenige Minuten vor der Explosion, sagte Kelly und bat mögliche Zeugen, sich zu melden.
Die amerikanische Bundespolizei FBI hat unterdessen einen UN-Mitarbeiter formell wegen Behinderung der Ermittlungen angeklagt. Das meldete der New Yorker Sender CBS unter Berufung auf Justizkreise. Der UN-Mitarbeiter werde aber bislang nicht verdächtigt, die Tat verübt zu haben. Er sei kurz nach den Explosionen in der Nacht unweit des betroffenen Gebäudes von Polizisten aufgegriffen und später mehrere Stunden verhört worden. Nach inoffiziellen Angaben aus UN-Kreisen handelt es sich um einen Staatsbürger der Niederlande. Er sei als Experte für die UN- Waffenkontrollgruppe im Irak tätig.
Der Anschlag fand nicht nur am Wahltag zum britischen Unterhaus statt, sondern auch am Jahrestag des Todes von Bobby Sands, einem Mitglied der Irisch Republikanischen Armee, der im Hungerstreik gestorben war. Der Tod hatte seinerzeit Unruhen in Nordirland ausgelöst.
Erhöhte Sicherheitsstufe im Hauptquartier der Vereinten Nationen
Im UN-Hauptquartier, das sich in Laufnähe des britischen Generalkonsulats befindet, wurde die Sicherheitsstufe angehoben, wie ein Sprecher mitteilte. Die Kontrollen an den Eingängen seien verschärft und alle verfügbaren Bombenexperten sowie Spürhunde aktiviert worden.
Die Explosionen ereigneten sich nach Polizeiangaben am Donnerstag in den frühen Morgenstunden. Es habe sich um selbst gefertigte Sprengsätze gehandelt. Die Kleinbomben seien in oder neben Blumenkübeln versteckt gewesen. Die britischen Finanzmärkte hatten kurzzeitig mit Verlusten auf die Nachrichten reagiert. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 in den Vereinigten Staaten befinden sich die Sicherheitskräfte in New York in erhöhter Alarmbereitschaft. Der britische Premierminister Tony Blair ist einer der wichtigsten Verbündeten der Vereinigten Staaten im Irak-Krieg. Im November 2003 kamen bei einem Anschlag auf das britische Konsulat im türkischen Istanbul und eine britische Bank 32 Menschen ums Leben. Unter den Toten war auch der britische Konsul.