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Neuwahl Schröder und Merkel schwören Basis auf Wahlkampf ein

09.07.2005 ·  Mit fast 100prozentiger Zustimmung wählte die SPD in Niedersachsen Gerhard Schröder zum Spitzenkandidaten für die geplante Bundestagswahl. Herausforderin Angela Merkel verteidigte derweil die geplanten Einschnitte beim Kündigungsschutz.

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Heimspiel für Gerhard Schröder: In seiner Heimatstadt Hannover hat die SPD dem Kanzler am Samstag demonstrativ den Rücken für den Wahlkampf gestärkt. Mit fast 100 Prozent Zustimmung nominierte die niedersächsische SPD ihn zum Spitzenkandidaten der Landespartei für die Bundestagswahl. „Ich nehme die Wahl an. Und ich hoffe, daß ich das auch bald wieder im Bundestag sagen kann“, rief Schröder anschließend unter dem Jubel der Delegierten.

Rund 250 Kilometer entfernt zog seine Herausforderin Angela Merkel wenige Stunden später unter dem tosenden Applaus von mehr als 400 Delegierten in die Emder Nordsee-Halle ein und gab sich nicht weniger siegesgewiss: „Das Erbe von Rot-Grün ist schwer“, meinte die Parteichefin. „Aber wir sagen vor der Wahl, was wir nach der Wahl machen werden. Das ist unser Markenzeichen.“ In ihrer rund einstündigen Rede umriß die CDU-Politikerin einige Kernpunkte des Wahlprogramms, das die Union an diesem Montag vorstellen will: Erhöhung der Mehrwertsteuer, Einschnitte beim Kündigungsschutz und Abbau von Sozialleistungen. Daß hunderte Demonstranten die CDU-Politiker am Morgen vor der Halle mit einem gellenden Pfeifkonzert empfangen hatten, vermochte die Jubelstimmung nicht zu trüben.

„Die Penner von gestern“

Der Kanzler präsentierte sich in Hannover zunächst vor allem als erfahrener Staatsmann („Ich komme gerade vom G8-Gipfel“), der zusammen mit den wichtigen Staatschefs der Welt die Lösung der drängenden Probleme voranbringt - Armut, soziale Gerechtigkeit, Frieden, Einigung Europas. Zugleich wurde Schröder aber auch seinem Versprechen gerecht, das er der SPD-Fraktion nach der Vertrauensfrage im Bundestag gemacht hatte: „Wenn ihr wollt, dann mach ich euch den Fischer.“

Schröder flehte, litt, reckte die Faust empor und griff rhetorisch in die Vollen. „Das ist doch Groteske, wenn man die Penner von gestern den Aufbruch von morgen gestalten lassen will“, rief der Kanzler unter dem Jubel seiner Parteifreunde. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff reagierte in Emden eher genervt: „Manchmal schafft es Schröder einfach, für sich selber zu sprechen“, kommentierte er trocken. Nach einer letzten Attacke Schröders auf den früheren Parteichef Oskar Lafontaine („Anleihen im rechten Sumpf“) schritt die SPD dann fix zur Nominierung und kurze Zeit später lag das Ergebnis vor: Mit 191 von 192 Stimmen erhielt der Kanzler das beste Wahlergebnis des Tages.

„Gerd Schröder hat uns begeistert“

Landeschef Jüttner sagte anschließend: „Gerd Schröder hat uns begeistert. Wir wissen, was zu tun ist.“ Das mit Abstand schlechteste Ergebnis kassierte Niedersachsens ehemaliger Regierungschef Sigmar Gabriel, dem der Einzug in den Bundestag auf Platz 5 der Landesliste dennoch sicher ist und der in Berlin schon wieder für größere Aufgaben genannt wird. Gabriel erhielt nur 163 Ja-Stimmen. Doch als die Ergebnisse verkündet wurden, war Schröder schon längst wieder entschwunden, vorbei an dem roten Kleinwagen mit der Aufschrift „Friends oft Gerd - Schröder muß Bundeskanzler bleiben“. Und draußen vor der Halle bauten ein paar kräftige Jungs den Verkaufstisch mit Wahlkampf-Accessoires ab, mit denen die SPD die Stimmung im Volk nun noch herumreißen will: Mit Skatspielen, Solidaritäts-Schlipsen, Erfrischungstüchern und Teddy „Klara“.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa und AP
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