Home
http://www.faz.net/-gpf-rfol
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Neujahrsansprache Merkel: Überkommene Rituale überwinden

Bundeskanzlerin Merkel hat die Bürger in ihrer Neujahrsansprache zu Zuversicht und Tatkraft ermutigt. An die Bundesbürger appelliert sie, konkrete Vorsätze für zusätzliche Leistungen zu fassen - gleich heute abend.

© dpa/dpaweb Vergrößern Merkel beim Neujahrskonzert in Wien mit Österreichs Kanzler Schüssel - hinter ihr Ehemann Joachim Sauer

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat an die Bundesbürger appelliert, zum neuen Jahr konkrete Vorsätze für zusätzliche Leistungen zu fassen. „Wie wäre es, wenn wir uns heute abend das Ziel setzen, im kommenden Jahr überall noch ein wenig mehr als bisher zu vollbringen“, sagte Merkel in ihrer ersten Neujahrsansprache als Regierungschefin, die am Freitag in Berlin vorab veröffentlicht wurde.

„Deutschland ist das Land der Ideen. Aber von unseren Ideen leben - das können wir nur, wenn wir sie auch in die Tat umsetzen.“ Sie fügte hinzu: „Fangen wir einfach an - ab morgen früh.“

Mehr zum Thema

Merkel räumte ein, daß vielen Bürgern mit Sorgen um Arbeits- und Ausbildungsplätze oder Betriebspleiten bereits sehr viel abverlangt werde. „Ich wage es dennoch noch einmal: Ich möchte uns ganz einfach ermuntern herauszufinden, was in uns steckt!“ Jeder solle mit einem ersten Schritt anfangen - „zu Hause, in der Familie, mit Kindern, in der Schule, am Arbeitsplatz, mit Kranken, mit Behinderten, mit bei uns lebenden Ausländern, in Vereinen, in Selbsthilfegruppen, in Bürgerinitiativen, in Kirchen und vielem mehr“.

Neujahrsansprache von Bundeskanzlerin Merkel © dpa/dpaweb Vergrößern Aufgezeichnet: Rede an die Deutschen

Schritte „in die richtige Richtung“ versprochen

Auch die Bundesregierung wolle viele kleine Schritte gehen, „aber in die richtige Richtung“, bekräftigte Merkel. Sie warnte vor unerreichbaren Zielen und unhaltbaren Versprechungen. Das Ziel sei: „Unser Land in zehn Jahren wieder an die Spitze Europas zu führen.“ Die Regierung der großen Koalition werde angesichts der schwierigen Haushaltslage überall sparen - „nur nicht bei Forschung, Entwicklung, Bildung und Ausbildung“.

Zur Lösung des „Problems Nr. 1“, der „erschreckend hohen Arbeitslosigkeit“, wolle die Regierung noch mehr als bisher tun. Merkel forderte dazu auf, „überkommene Rituale in Politik und Verbänden zu überwinden“. Weitere Aufgaben seien Bürokratieabbau, eine wettbewerbsfähige Unternehmensbesteuerung, echte Reformen der Kranken- und Pflegeversicherung im nächsten Jahr.

Die Bundeskanzlerin bekräftigte ihre Absicht, sich für baldige greifbare Ergebnisse im europäischen Verfassungsprozeß einzusetzen, nachdem die Finanzen „beim letzten EU-Gipfel in Ordnung gebracht“ worden seien. Ihr größter Wunsch für das neue Jahr sei, daß Deutschland weiter in Freundschaft mit seinen Nachbarn und Partnern in Frieden und Freiheit leben könne. Sie dankte den Deutschen für „einzigartige Spendenbereitschaft“ nach der Tsunami-Katastrophe in Südasien und ermunterte zu Hilfen auch bei anderen Notlagen durch Naturkatastrophen, Kriege, Bürgerkriege und Krankheiten.

Stoiber will Ansehensverlust wettmachen

Eine große Chance für Deutschland sieht die Kanzlerin in der Fußballweltmeisterschaft. „Natürlich drücken wir unserer Mannschaft die Daumen.“ Die Chancen seien gar nicht schlecht. „Die Frauenfußball-Nationalmannschaft ist ja schon Fußballweltmeister, und ich sehe keinen Grund, warum Männer nicht das Gleiche leisten können wie Frauen.“

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (SPD), sagte in seiner Neujahrsansprache, die Weltmeisterschaft 2006 biete eine große Chance, „Berlin vor den Augen der ganzen Welt 16 Jahre nach der Einheit als friedliche Hauptstadt der Deutschen zu präsentieren“. Die Berliner würden gute Gastgeber sein.

Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) warb in seiner Neujahrsansprache um Verständnis für Reformen: „Die Globalisierung trifft Deutschland mit voller Wucht.“ Deutschland konkurriere mit Ländern mit niedrigeren Löhnen, niedrigeren Umwelt- und Sozialstandards. „Deshalb sind Reformen unerlässlich, auch wenn sie den Menschen viel abverlangen.“ Der CSU-Chef kündigte an, er wolle im neuen Jahr den nach seinem Berliner Rückzieher erlittenen Ansehensverlust wieder wettmachen.

Quelle: dpa

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Einwanderungskonferenz der CDU Merkel: Deutschland kann tolles Integrationsland werden

Auf der CDU-Konferenz zur Einwanderung vergleicht Angela Merkel die Integration von Millionen von Einwanderern mit der Herausforderung der deutschen Einheit. Und verweist auf ihren eigenen ostdeutschen Lebenslauf und böse Worte von Wessis. Mehr

22.10.2014, 13:16 Uhr | Politik
Angela Merkel wird sechzig

Jeder vierte Bundesbürger wünscht sich die gebürtige Hamburgerin auch in zehn Jahren noch als Bundeskanzlerin. Angela Merkel entschied sich trotz erfolgreichen Physikstudiums für eine politische Karriere. Mehr

17.07.2014, 09:35 Uhr | Politik
EZB-Präsident Draghis deutsches Dilemma

Das Verhältnis zwischen EZB-Präsident Draghi und Bundesbank-Präsident Weidmann ist zerrüttet. Und auch das Verhältnis zu Berlin hat sich spürbar abgekühlt. Noch schweigt Merkel. Mehr

24.10.2014, 12:10 Uhr | Wirtschaft
Französischer Ministerpräsident Valls bei Merkel zu Besuch

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den französischen Ministerpräsidenten Manuel Valls mit Militärischen Ehren in Berlin empfangen. In der anschließenden Pressekonferenz lobte Merkel die französische Regierung für ihre Reformen. Mehr

22.09.2014, 16:42 Uhr | Politik
IT-Gipfel in Hamburg Beim Internet ist Deutschland nur im Mittelfeld

Gleich mit sechs Ministern stattet Kanzlerin Merkel dem Nationalen IT-Gipfel in Hamburg einen Besuch ab. Doch bevor das versprochene digitale Wirtschaftswunder eintritt, muss der Ausbau des schnellen Internets in Deutschland endlich forciert werden. Mehr Von Heike Schmoll, Berlin

21.10.2014, 09:21 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 01.01.2006, 13:22 Uhr

Anarchie oder Diktatur

Von Rainer Hermann

Der „Arabische Frühling“ ist gescheitert. Der Nahe Osten ist entgegen aller Hoffnung weder demokratisch noch stabil. Die Möglichkeiten lauten nun Anarchie oder Diktatur. Mehr 9 27

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden