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Frankreichs Präsident : Was passiert, wenn Macron scheitert?

Frankreich in der Ära Macron: Wer stünde bereit für den Fall des Scheiterns? Bild: AFP

Früher war in Frankreich klar: Wenn die Rechte scheitert, kommt die Linke an die Macht. Doch der ungewöhnliche Aufstieg Emmanuel Macrons zum Präsidenten hat alles verändert, erklärt der Chefberater des französischen Premierministers.

          Gilles Boyers Geschichte ist vom verrückten französischen Wahlkampf geschrieben. Noch nicht einmal ein Jahr ist es her, da war der elegante Mann mit Halbglatze und Sechstagebart als Kampagnendirektor Alain Juppés auf dem Weg in den Elysée-Palast. Damals galt es als ausgemacht, dass der Umfrageliebling Juppé im November 2016 die Vorwahlen seiner Partei gewinnen und danach alle Hürden nehmen würde.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Doch es kam alles anders, und jetzt empfängt Boyer im ersten Stock des Hôtel de Matignon mit Blick auf die Parkanlage, gepflegte Rosenbeete vor sorgfältig geschnittenen Buchsbäumchen. Er sitzt in einem hochherrschaftlichen Büro im Amtspalast der französischen Regierungschefs mit hohen Decken, schweren Vorhängen, goldverziertem Stuck, Kronleuchtern und einem großen Flachbildschirm, auf dem gerade ein Nachrichtensender Premierminister Edouard Philippe einblendet. Boyer trennt nur eine Verbindungstür vom Schreibtisch des Regierungschefs aus der normannischen Hafenstadt Le Havre.

          Der 46 Jahre alte Boyer hat mit dem fast gleichaltrigen Philippe lange zusammengearbeitet. Juppé ist ihr gemeinsames politisches Idol. Ihre Erfahrungen in den Hinterzimmern der Republik verarbeiteten sie in ihrer Freizeit in zwei Polit-Thrillern. Das jüngste Gemeinschaftswerk „Im Schatten“ („Dans l’ombre“) wird demnächst von Regisseur Guillaume Gallienne verfilmt. Die Wirklichkeit aber hat die Fiktion längst überholt. Boyer ist der Chefberater des Premierministers, sein Ideengeber und zugleich eine Erinnerung an eine politische Welt, die im Mai untergegangen ist.

          Boyer sagt, das politische System sei einer so tiefgreifenden Veränderung unterworfen, dass Zukunftsentwürfe schier unmöglich geworden seien. Er selbst würde keine Prognose über die Entwicklung seiner Partei, Les Républicains (LR), wagen. „Niemand kann derzeit Vorhersagen treffen. Alle Orientierungspunkte haben sich aufgelöst, alle Gewohnheiten sind abgeschafft“, sagte Boyer im Gespräch mit dieser Zeitung. „Niemand weiß, was passiert, sollte Emmanuel Macron scheitern“, sagte er.

          „Zum ersten Mal erleben wir diese Unsicherheit“, so der Berater. Seit 1958 habe Frankreich geordnete Machtwechsel gekannt. Wenn die Rechte scheiterte, kam die Linke an die Macht. Jetzt aber sei unklar, wer eine glaubwürdige Alternative parat halte, Marine Le Pens Rechtspopulisten, die extreme Linke Jean-Luc Mélenchons, eine wiederauferstandene Sozialistische Partei oder die Republikaner. Die neue Unübersichtlichkeit sei eine direkte Folge des ungewöhnlichen Aufstiegs Macrons. Das bipolare Parteiensystem habe sich schneller aufgelöst, als es die meisten für möglich gehalten hätten.

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