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Neuer Parteichef Xi Jinping : Ein unverkrampfter Saubermann

Roter Prinz: Xi Jinping sitzt zwischen He Guoqiang (links) und Jia Qinglin Bild: Getty Images

Öffentlich hat der neue Chef der chinesischen Kommunisten einen guten Eindruck hinterlassen. Aber wie Xi Jinping im politischen Alltag handeln wird, weiß so genau niemand.

          Bei seinem inoffiziellen Antrittsbesuch in den Vereinigten Staaten besuchte Xi Jinping alte Bekannte im Bundesstaat Iowa. Vor 18 Jahren hatte er bei der Familie gewohnt, als er als Provinzfunktionär auf Studienreise geschickt worden war. Xi genoss sichtlich, dass und wie er bei seinen früheren Gastgebern mit amerikanischer Herzlichkeit aufgenommen wurde wie ein verlorener Sohn. Der Vizepräsident Chinas zeigte weder Berührungsängste noch Arroganz und gewann mit dem Ausflug Sympathien in Amerika.

          Petra  Kolonko

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Xi Jinping wird ein anderer Parteichef werden als sein Vorgänger Hu Jintao, nicht nur weil er jünger ist. Hu Jintao war steif und immer ernst, Xi Jinping ist umgänglich und freundlich. Hu mied die Öffentlichkeit, Xi Jinping genießt das. Hu Jintao wich nie vom Protokoll ab, Xi Jinping wagt durchaus einige Schritte und einige Worte mehr. Als Xi im August Bundeskanzlerin Merkel empfing, zeigte er sich selbstsicher und gelöst und richtete sogar ein paar freundliche Worte an Journalisten.

          „Roter Prinz“

          In ihrem Werdegang aber gleichen sich der neue und der alte Parteichef. Beide haben dieselbe Karriere in der Kommunistischen Partei durchlaufen, die verlangt, dass man in Provinzen und in der Zentralregierung gedient haben und mindestens 50 Jahre alt sein muss, bevor man in die Führung aufsteigen kann. Beide sind als stellvertretende Staatspräsidenten auf dem internationalen Parkett eingeführt worden. Und beide unterliegen derselben Parteidisziplin, die verlangt, dass man sich an Konsensbeschlüsse hält und sich ja nicht zu sehr profiliert. Das führt dazu, dass wenig bekannt wird über die „führenden Genossen“, vor allem nichts über ihre politischen Neigungen.

          Xi Jinpings größtes politisches Kapital ist seine Herkunft. Sein Vater, Xi Zhongxun, war ein Held des „Langen Marsches“ und stellvertretender Ministerpräsident. Er genießt bis heute bei den älteren Chinesen großes Ansehen. Der im Jahr 1953 geborene Xi Jinping verbrachte seine Kindheit im Zentrum der Macht im Pekinger Regierungsviertel Zhongnanhai. Xi Jinping ist damit ein „roter Prinz“, er ist aber auch ein Kind der Kulturrevolution.

          Eine reibungslose Karriere

          Sein Vater fiel bei Mao Tse-tung in Ungnade und wurde ins Gefängnis gesteckt. Sohn Xi Jinping wurde, wie andere Jugendliche auch, während der von Mao angezettelten Kulturrevolution im Jahr 1968 zur körperlichen Arbeit und zum „Lernen von den Bauern“ aufs Land geschickt. Mehrere Jahre arbeitete er dort, bis es der Familie gelang, ihn 1975 zum Ingenieurstudium auf die renommierte Tsinghua-Universität in Peking zu schicken. Das ging damals noch ohne Aufnahmeprüfung, Xi war ein sogenannter „Arbeiter-und-Bauern-Student“. Es hat manche erstaunt, dass er nach dem Studium nicht nach einem bequemen Posten in der Stadt suchte, sondern freiwillig als Kader aufs Land, in die Provinz Henan ging.

          War es ein Überrest von Idealismus aus der Kulturrevolution oder die sorgfältige und weitsichtige Planung einer Karriere? Xis Aufstieg in der Partei- und Regierungshierarchie vollzog sich von da an ohne Umwege. Fünfzehn Jahre arbeitete er in hohen Parteifunktionen, zuletzt als Parteichef in der Küstenprovinz Fujian, dann, von 2002-2007 in der zentralchinesischen Provinz Zhejiang. Als 2007 der Parteichef von Schanghai über einen Korruptionsskandal stürzte, wurde Xi Jinping zu seinem Nachfolger bestellt. Damit war klar, dass er für die Parteiführung bestimmt war. Beim 17. Parteitag vor fünf Jahren wurde er in den Ständigen Ausschuss des Politbüros aufgenommen und rückte in der Hierarchie sogar höher als Li Keqiang, der bis dahin als der designierte nächste Parteichef galt. Im Jahr darauf wurde Xi Jinping stellvertretender Staatspräsident.

          Wohlhabende Familie

          Xi wird in offiziellen Stellungnahmen gelobt für hohe Wachstumszahlen und wirtschaftliche Öffnung in seinem Wirkungsbereich. Er hatte es bei dieser Arbeit nicht sehr schwer, die Provinzen Fujian und Zhejiang sind wohlhabend und waren früh modernisiert, sie haben eine lange Tradition der Öffnung für Außenhandel. Außerdem gibt es dort viele erfolgreiche Privatunternehmer. Die Provinz Fujian war wegen ihrer Nähe zu Taiwan zu Beginn der Reformperiode auch eine Vorzeigeprovinz mit vielen Privilegien. Xi Jinping machte sich einen Namen als „sauberer“ Funktionär, der die Korruption in der Partei im Schach hielt. Als die Provinz Fujian Ende der neunziger Jahre von einem großen Schmuggelskandal erschüttert wurde, in den viele hohe Funktionäre verwickelt waren, blieb an ihm kein Verdacht hängen.

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