18.08.2004 · Die nepalesische Hauptstadt ist weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten. Maostische Rebellen haben die Zufahrtsstraßen nach Kathmandu gesperrt und die Versorgung der 1,5-Millionen-Stadt unterbrochen.
In Nepal haben maoistische Rebellen einen Blockadering um die Hauptstadt gelegt und Kathmandu weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten. Alle Zugangsstraßen waren am Mittwoch gesperrt, die Versorgung der 1,5 Millionen-Stadt unterbrochen. Die Rebellen fordern die Freilassung von inhaftierten Mitkämpfern, Informationen über Verschwundene sowie eine Untersuchung über die angebliche Ermordung von Maoisten im Gefängnis.
Aus Angst vor Angriffen durch die Rebellen wage kein Händler, mit dem Auto nach Kathmandu zu fahren, sagte der Chef des nepalesischen Spediteursverbandes, Hira Udas. Normalerweise seien täglich rund 2000 Fahrzeuge auf dem Weg in die Hauptstadt oder aus ihr kommend unterwegs. Die Stadt kann nur mehr mit dem Flugzeug verlassen werden. In einer Erklärung teilten die Rebellen mit, die Blockade werde bis auf weiteres aufrecht erhalten. Bei früheren Blockaden waren Lastwagen und Busse, die die Drohung mißachtet hatten, angegriffen und in Brand gesetzt worden.
Anschlag auf Hotel
Nach Bombenanschlägen und Drohungen hatten das älteste Fünf-Sterne-Hotel Kathmandus und eine der größten Firmen Nepals am Dienstag ihre Geschäfte auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Am Soaltee Crown Plaza Hotel hatten Maoisten am Montag vier Sprengsätze gezündet. Menschen waren dabei nicht verletzt worden. Das Hotel und die Firma, der Tabakkonzern Surya Nepal Limited, gehören zu den zwölf Betrieben, die die Maoisten aufgefordert haben zu schließen. Die Rebellen werfen ihnen Ausbeutung vor.
Ein einheimischer Journalisten wurde von den Rebellen getötet, weil dieser ihre Organisation im Auftrag der Regierung ausspioniert haben soll. Dies gab eine Medienrechtsgruppe am Dienstag bekannt. Die maoistischen Rebellen hätten eine entsprechende Erklärung über die Ermordung von Dekendra Thapa in dessen Heimatdorf Narayan 500 Kilometer westlich von Katmandu hinterlassen.
Journalist getötet
Thapa arbeitete für den Staatssender Radio Nepal und war im Juni entführt worden, sagte Dishnu Nisthuri vom nepalesischen Journalistenverband. „Wir verurteilen seine Ermordung aufs Schärfste. Wir verhandelten mit den Rebellen über seine Freilassung, dann wurde er umgebracht.“ Die Leiche von Thapa wurde noch nicht gefunden.
Die Maoisten führen seit 1996 einen „Volkskrieg“ gegen die Führung des kleinen asiatischen Königreichs. Seitdem wurden nach Angaben der Sicherheitsbehörden fast 10.000 Menschen getötet.