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Nepal Gyanendra - König und Zerstörer

20.04.2006 ·  Beliebt war König Gyanendra nie, aber kurz nach seinem Putsch waren die geschundenen Nepalesen für kurze Zeit bereit, ihm Kredit zu gewähren.

Von Jochen Buchsteiner, Delhi
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Beliebt war König Gyanendra nie, aber kurz nach seinem Putsch waren die geschundenen Nepalesen für kurze Zeit bereit, ihm Kredit zu gewähren. „Vielleicht brauchen wir einen mit harter Hand“, hieß es im Frühjahr 2005 in den Straßen Katmandus. Die Bürger hatten das alte System satt, das sich Demokratie nannte, aber von korrupten Parteipolitikern dominiert wurde, die das Land in braver Abfolge in den Abgrund regierten und nicht fähig waren, den maoistischen Aufstand zurückzudrängen. Ein Jahr ist seither vergangen. Geblieben sind Enttäuschung und Wut, die sich seit Wochen in Massendemonstrationen und Streiks gegen den Monarchen niederschlagen.

Gyanendra Bir Bikram Shah Dev - so heißt der 59 Jahre alte König mit vollem Namen - hat dem Land nicht die versprochene Ordnung zurückgebracht, sondern es noch tiefer ins Verderben getrieben. Die wenigen funktionierenden Institutionen sind außer Kraft gesetzt, das öffentliche Leben ist streckenweise lahmgelegt, die Maoisten fühlen sich nicht nur militärisch, sondern auch politisch gestärkt, seit sie die Situation dazu nutzen konnten, ein lockeres Bündnis mit den entmachteten Parteien einzugehen.

Nach 14 Monaten absolutistischen Regierens befindet sich Gyanendra in einer scheinbar hoffnungslosen Lage, aus der es ohne Gesichtsverlust kaum noch ein Entrinnen gibt. Nicht nur der Druck der Straße wächst - die Sieben-Parteien-Allianz will die Proteste erst stoppen, wenn der Monarch in seine konstitutionelle Rolle zurückgekehrt ist -, auch das Ausland verliert langsam die Geduld. Mahnungen werden formuliert, Gelder eingefroren, Emissäre entsandt. Selbst seine letzte Bastion, die königlichem Befehl unterstehende Armee, zeigt erste Anzeichen eines Abrückens.

Von Anfang an stand Gyanendras Amtszeit unter einem schlechten Stern. Sie begann mit einem Palast-Massaker, das nie befriedigend aufgeklärt wurde. Ihm zum Opfer fiel die halbe Königsfamilie, darunter König Birendra - Gyanendras älterer Bruder, der vom Volk verehrt wurde. Bis heute ranken sich Spekulationen um das königliche Blutbad, die auch vor der Frage nicht haltmachen, warum Gyanendra an jenem Abend nicht zum Familienessen im Palast erschienen war. Als er am 4. Juni 2001, nur drei Tage nach dem Massaker, zum König gekrönt wurde, erlebte er in den Straßen der Hauptstadt die erste Großdemonstration gegen sich.

Schon vor der Thronbesteigung stand Gyanendra, der in jungen Jahren einen Wirtschaftsabschluß gemacht hatte, im Ruf, dunkle Geschäfte zu betreiben und dem transparenten Wesen der Demokratie ebensowenig abgewinnen zu können wie der freiwilligen Machtbeschränkung des vormals absolutistischen Königshauses. Im Amt riß er dann mit Wollust ein, was sein Bruder seit Anfang der neunziger Jahre behutsam aufgebaut hatte. Nichts an Gyanendras Amtsführung erinnert daran, daß die Könige Nepals im hinduistischen Glauben als Inkarnationen Vischnus angesehen werden, jenes Gottes, der schöpft, aufbaut und bewahrt. Gyanendra gleicht Schiva, dem Gott der Zerstörung. Seit einigen Tagen läßt er auf sein Volk schießen.

Quelle: F.A.Z., 21.04.2006, Nr. 93 / Seite 10
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Jahrgang 1965, politischer Korrespondent für Süd- und Südostasien sowie Australien mit Sitz in Jakarta.

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