06.05.2004 · Alte Autos, mit Zement gefüllte Fässer - Palästinenserführer Arafat verbarrikadiert sich in seinem Hauptquartier. Steht ein israelischer Angriff bevor?
Aus Furcht vor einer israelischen Militäroffensive hat Palästinenserpräsident Arafat Barrikaden vor seinem Hauptquartier in Ramallah errichtet. Er ließ alte Autos vor dem Gebäude auftürmen und mit Zement gefüllte Fässer aufstellen.
Aus palästinensischen Regierungskreisen hieß es am Donnerstag, Arafat sei sich bewußt, daß dies israelische Panzer nicht stoppen könne. Er wolle aber ein Signal setzen, daß er zum Widerstand bereit sei und sich nicht unterwerfen werde.
„Wir erwarten einen israelischen Angriff“, sagte ein Sicherheitsbeamter. Es gebe Befürchtungen, daß auch Arafat Ziel einer Offensive werden könne. Aus israelischen Sicherheitskreisen verlautete, es gebe keine Pläne für eine bevorstehende Militäraktion gegen den palästinensischen Präsidenten. Auf lange Sicht ziele Israel aber darauf, Arafat zu ergreifen und auszuweisen.
Arafat steht seit mehr als zwei Jahren faktisch unter Hausarrest in Ramallah. Kürzlich erklärte der israelische Ministerpräsident Scharon, er fühle sich nicht länger an die Amerika gegebene Zusicherung gebunden, dem palästinensischen Präsidenten kein Leid zuzufügen.
Hamas-Anführer festgenommen
Unterdessen nahm die israelische Armee im Westjordanland einen seit zwei Jahren gesuchten Anführer der radikalen Palästinenserorganisation Hamas fest. Wie palästinensische Sicherheitskräfte mitteilten, wurden Rafaat Nassif und sein Stellvertreter am morgen in der Ortschaft Anabata östlich der Stadt Tulkarem gefaßt. Nassif gilt als politischer Kopf der Hamas in der Region um Tulkarem. Zudem seien fünf weitere Palästinenser, unter ihnen zwei Polizisten, im Westjordanland festgenommen worden.
In Hebron im Westjordanland töteten israelische Grenzsoldaten am Donnerstag morgen einen Palästinenser, wie ein israelischer Militärsprecher mitteilte. Der Mann habe versucht, einem der Grenzsoldaten die Waffe zu entreißen.