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Naher Osten Zwangsräumung im Westjordanland geht zügig voran

23.08.2005 ·  Um die Mittagszeit ist bei der Evakuierung zweier Siedlungen im Westjordanland bereits etwa die Hälfte des Einsatzes abgeschlossen. Zu den befürchteten gewaltsamen Ausschreitungen kam es zunächst nicht.

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Bei der geplanten Räumung der jüdischen Siedlungen Homesch und Sa Nur im Westjordanland sind die israelischen Sicherheitskräfte am Dienstag morgen auf heftigen Widerstand gestoßen.

Zu den befürchteten gewaltsamen Ausschreitungen kam es aber zunächst nicht. Nachdem die Truppen mit Bulldozern die Tore von Sa Nur und Homesch niedergerissen hatten, drangen sie in Häuser, Synagogen und Religionsschulen ein und trugen hunderte radikale Siedler zu Bussen.

Barrikaden aus Autoreifen und Möbeln

Vor dem Einzug der Soldaten hatten Jugendliche in beiden Siedlungen Barrikaden aus Autoreifen und Möbeln in Brand gesetzt. In der Hauptsynagoge von Sa Nur hatten sich mehrere Dutzend Jugendliche verbarrikadiert. Die Polizei mußte eine Sperre aus Eisenstangen vor dem Tor aufsägen, um in das Gebäude einzudringen.

Binnen einer Stunde war das Gotteshaus geräumt. In der Religionsschule brachen einige orthodoxe Juden in Tränen aus, als ein Polizist sie zum Gehen aufforderte. Kurze Zeit später verschafften sich die Soldaten auch Zugang zu einem alten britischen Fort, in das sich Abzugsgegner zurückgezogen hatten.

Der Räumungseinsatz ist laut Angaben der israelischen Sicherheitskräfte nach Plan verlaufen. „Wir glauben, daß die Evakuierung bis zum Ende des Tages abgeschlossen ist“, sagte der israelische Polizeichef Aharon Franko der dpa bei dem Einsatz in Homesch. Franko sagte, um die Mittagszeit sei etwa die Hälfte des Einsatzes abgeschlossen gewesen.

2.000 gewaltbereite Abzugsgegner

In Sa Nur und Homesch sind nach Schätzungen der Polizei insgesamt rund 2.000 gewaltbereite Gegner des Abzugs versammelt, um sich der Zwangsräumung zu widersetzen. Die israelische Regierung hatte insgesamt 10.000 Sicherheitskräfte in Bereitschaft versetzt.

Aus zwei weiteren Siedlungen, die ebenfalls evakuiert werden sollen, sind die Siedler bereits freiwillig weggezogen. Die 21 jüdischen Siedlungen im Gazastreifen wurden bereits vollständig geräumt.

Am Rande der Zwangsräumungen kam es zu einem Schußwechsel zwischen militanten Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften. Die Palästinenser hätten nahe dem Dorf Kabatija eine Militärpatrouille angegriffen, hieß es. Die Soldaten hätten zurückgeschossen und einen Angreifer leicht verletzt.

Widerstand, „bis wir das Land befreien“

Im Gazastreifen feierten am Montag abend rund 10.000 Anhänger der radikalislamischen Hamas begeistert den israelischen Abzug aus allen Siedlungen. Hamas-Führer Ismail Hanijeh sagte in Gaza, die Kämpfer würden ihre Waffen aber nicht abgeben, bis alle palästinensischen Gebiete von Israel verlassen seien. Die Hamas werde an ihrem Widerstand festhalten, „bis wir das Land befreien, bis wir unsere Rechte erreichen“, sagte Hanijeh.

Während der Kundgebung wurde ein Lied mit dem Text „Hamas, unser Ziel ist der Kopf von (dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel) Scharon“ abgespielt. Außerdem waren Bilder von Hamas-Führern aufgehängt, die von Israel getötet wurden, darunter der Gründer der Gruppe, Scheich Ahmed Jassin.

„Wir sind ihre Partner für den Frieden

Scharon und der palästinensische Präsident Mahmud Abbas vereinbarten unterdessen ein erneutes Treffen, wie aus dem Umfeld der beiden Politiker verlautete. In einem Telefongespräch versicherte Abbas Scharon am Montag abend: „Wir sind ihre Partner für den Frieden.“ Das fünfminütige Telefonat war dem Unterhändler Sajeb Erakat zufolge das erste Gespräch zwischen beiden seit dem Gipfeltreffen von Jerusalem am 21. Juni.

Der stellvertretende Ministerpräsident Ehud Olmert machte am Dienstag deutlich, daß Israel von Abbas ein härteres Vorgehen gegen militante Gruppen erwartet, bevor Verhandlungen möglich werden. Daß es der Autonomiebehörde gelungen sei, während des Gaza-Abzuges für Ruhe zu sorgen, belege ihre Möglichkeiten gegenüber den Extremisten.

Der palästinensische Generalbevollmächtigte in Deutschland, Abdallah Frangi, wies die Forderung nach einer Zerschlagung der Gruppen jedoch zurück. Die Hamas und der Islamische Dschihad seien inzwischen in das politische System eingebettet, sagte er dem Deutschlandradio. Deswegen seien sie der Demokratie verpflichtet und müßten den bewaffneten Kampf gegen Israel einstellen. Frangi forderte Scharon auf, das gesamte Westjordanland sowie Ostjerusalem zu räumen, um einen Frieden im Nahen Osten möglich zu machen.

Quelle: FAZ.NET mit Material von AFP/AP/dpa
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