21.05.2007 · Bei den schwersten Gefechten seit dem Bürgerkrieg sind im Libanon mehr als 40 Menschen getötet worden. Darunter ist angeblich auch ein Islamist, der wegen der versuchten Kofferbombenanschläge in Deutschland gesucht wurde.
Im Libanon hat es am Sonntag bei Gefechten zwischen Armee und radikalen Islamisten sowie einem Bombenanschlag mehr als 40 Tote gegeben. Im Norden des Landes kamen bei den blutigsten innerlibanesischen Kämpfen seit dem Ende des Bürgerkriegs im Jahr 1990 mindestens 42 Menschen ums Leben.
Bei den Kämpfen zwischen radikalen Islamisten und der Armee in einem palästinensischen Flüchtlingslager im Nordlibanon verloren nach Angaben aus Sicherheitskreisen 23 Soldaten und 19 mutmaßliche Angehörige der Gruppe Fatah al Islam ihr Leben. Der Gruppe werden Kontakte zu Syrien und zum Terrornetz Al Qaida nachgesagt. Die Armee setzte bei den Gefechten am Eingang des Lagers Nahr al Band bei Tripoli auch Panzer ein.
Bombenanschlag tötet eine Frau
Die Kämpfe brachen aus, als die Polizei unter den militanten Palästinensern nach Bankräubern suchte, die am Vortag bei einem Überfall 125.000 Dollar erbeutet hatten. Am Abend flauten die Gefechte ab, rund um das Flüchtlingslager herrschte jedoch Spannung. Aus Armeekreisen hieß es, Milizionäre hätten von Dächern am Rande des Lagers auf Soldaten geschossen. Mindestens vier Islamisten wurden festgenommen. Insgesamt wurden rund hundert Menschen verwundet, die Hälfte von ihnen libanesische Zivilisten und Bewohner des Lagers.
Bei einem Bombenanschlag sind am Sonntagabend in der libanesischen Hauptstadt Beirut eine Frau getötet und mindestens neun Menschen leicht verletzt worden. Nach Polizeiangaben war der Sprengsatz unter einem Auto auf einem Parkplatz in der Nähe eines Einkaufszentrums in einem vor allem von Christen bewohnten Stadtteil im Osten Beiruts versteckt. Die Frau sei ums Leben gekommen, als durch die Detonation eine Wand in ihrer Wohnung einstürzte. Dutzende Autos seien zerfetzt worden oder ausgebrannt. Unklar war zunächst, wer den Anschlag verübt hatte.
Ministerpräsident Fuad Siniora sprach von einer „Verschwörung“ unter dem Deckmantel des Islams. „Angriffe auf die libanesische Armee sind ein gefährlicher Versuch, die Sicherheit des Landes zu gefährden“, sagte Siniora. Ein Sprecher von Fatah al Islam erklärte: „Wir verteidigen uns und unsere sunnitischen Brüder, die in Tripoli leben, weil sie von der libanesischen Armee angegriffen wurden.“ Die Islamisten drohten mit einer Ausweitung des Konflikts auf das ganze Land.
Getöteter Islamist wurde in Deutschland verdächtigt
Unter den getöteten Islamisten war anscheinend auch der Bruder eines der mutmaßlichen „Kofferbomber“, die in Deutschland einen letztlich gescheiterten Anschlag verübten. Wie aus Sicherheitskreisen verlautete, kam Saddam al Hajdib bei den Gefechten in dem palästinensischen Flüchtlingslager ums Leben. Auch er wurde demnach im Zusammenhang mit den fehlgeschlagenen Kofferbombenanschlägen gesucht. Bei dem Mann soll es sich um die Nummer vier der Organisation Fatah al Islam gehandelt haben.
Sein Bruder Youssef, der in Deutschland im Gefängnis auf seinen Prozess wartet, soll zusammen mit einem Komplizen im Juli vergangenen Jahres Sprengstoffkoffer in zwei Regionalzügen der Deutschen Bahn deponiert haben. Die Sprengsätze waren wegen eines Konstruktionsfehlers nicht explodiert.
Die libanesische Armee darf nach einem vor 38 Jahren vereinbarten Abkommen nicht in die Flüchtlingslager eindringen, da die Palästinenser dort selbst für die Sicherheit verantwortlich sind. In den Lagern kommt es sporadisch zu Kämpfen zwischen den verschiedenen palästinensischen Fraktionen. Rund um das Lager Nahr al Bard hatte es in den vergangenen Wochen Spannungen gegeben, nachdem die Regierung der Miliz Fatah al Islam vorgeworfen hatte, sie sei in einen Terroranschlag in einem christlichen Ort verwickelt, bei dem im Februar drei Menschen getötet worden waren. Syrien hat Verbindungen zu der Gruppe bestritten.