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Naher Osten Qurei und Abbas sollen Arafat nachfolgen

07.11.2004 ·  Die Meldungen über die Gesundheit des palästinensischen Präsidenten Arafat sind weiter unklar. Er schwebt offenbar noch immer zwischen Leben und Tod.

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Am Wochenende sind die Meldungen über die Gesundheit des palästinensischen Präsidenten Arafat in Paris weiter unklar geblieben. Er schwebt offenbar noch immer zwischen Leben und Tod. Dem Vernehmen nach wird Arafat künstlich am Leben erhalten, damit seine Nachfolge geregelt, die Beerdigung organisiert und sein finanzielles Erbe aufgeteilt werden kann. In Ramallah und Gaza wird jedenfalls die Frist bis zu einer klärenden Nachricht dafür genutzt, ein Machtvakuum oder Gewalt zu verhindern. Auch Israel richtet sich auf die Zeit nach Arafat ein und lockt mit Erleichterungen für den Fall, daß es zu einem Waffenstillstand kommt.

In Ramallah kam am Sonntag der Nationale Sicherheitsrat zusammen und genehmigte den von PLO-Generalsekretär Abbas und Ministerpräsident Qurei vorgeschlagenen Sicherheitsplan über eine vorläufige Amtsnachfolge und Polizeikontrolle, die Abbas zum Übergangspräsidenten und Qurei zum amtierenden Innenminister machen würde.

Danach sagte der palästinensische Verhandlungsminister Erekat, der Plan solle Ruhe und Ordnung in den palästinensischen Gebieten sichern. Am Samstag waren Ministerpräsident Qurei, Außenminister Schaath und der Autonomieratsvorsitzende Fatouh mit Vertretern von 13 verschiedenen Gruppen in Gaza zusammengetroffen, die den Plan gleichfalls genehmigten. Dort wurde vor allem von Islamisten der Organisation Hamas darüber hinaus der Wunsch nach einer "kollektiven Führung" laut. Drei Stunden soll das Treffen in Gaza hinter verschlossenen Türen gedauert haben.

Qurei: Einheit und Einigkeit das wichtigste

Qurei nahm den Wunsch nach einer "kollektiven Führung" nur entgegen. Er werde ihn prüfen, hieß es. Fürs erste gehe es um eine Übergangsregelung bis zu den schon geplanten Wahlen. Da seien Einheit und Einigkeit das wichtigste, um der israelischen Bedrohung entgegenzustehen. Qurei war erstmals seit langem wieder im Gaza-Streifen, wo man ihn der Korruption beschuldigt. Schaath war vor Monaten körperlich bedroht worden. Abbas, Qurei und Schaath gelten wie die anderen bisher um Arafat agierenden Politiker als Teil der "alten Garde aus Tunis". Die nachgewachsene Führung in PLO und Fatah will sich ihnen fürs erste unterstellen; schon aber wird offenbar über die diesen Politikern gewährte Frist gestritten.

Zu einem eigenen Gespräch kamen später noch in Gaza Qurei und die Hamas-Führer Hania und al Siam zusammen. Qurei forderte Hamas auf, "während der Abwesenheit von Arafat von Gewalttaten abzusehen". Israel dürfe keinen Vorwand erhalten, die Palästinenser anzugreifen, wurde Qurei zitiert. Abbas und er bräuchten Zeit, um die palästinensische Führung zu stabilisieren. Die Hamas-Sprecher blieben offenbar fürs erste eine Antwort schuldig und forderten ein "Ende der israelischen Aggression als Vorbedingung". Bei der Arafat-Bewegung Fatah hieß es am Sonntag, ein Waffenstillstand hänge weitgehend von Israel ab. Das Land müsse die Eskalation und seine Operationen stoppen. "Alle unsere Gruppen wollen mit der palästinensischen Autonomiebehörde zusammenarbeiten."

PLO: Gesundheitszustand Arafats „stabil“ - Leberversagen?

Arafats Gesundheitszustand sei "unverändert", sagte am Sonntag unterdessen der leitende Militärarzt Estripeau im Pariser Krankenhaus. Der politische Führer der PLO, Qadumi, sagte, Arafats Gesundheit sei "stabil". Er werde "weiter medizinisch untersucht". Nach Angaben von Arafat-Berater Rudeina hat der Patient sogar "Chancen auf Genesung". In Ramallah hieß es, Arafat leide möglicherweise an Leberversagen. Es sei aber auch eine Vergiftung durch die Israelis möglich. Das war freilich schon vor Tagen von Estripeau dementiert worden. Weiter hieß es in Ramallah, es gebe Erwägungen, Arafat von Paris nach Kairo zu bringen.

In Paris äußerte sich später erstmals der frühere Sicherheitschef Dahlan, den Arafat mitzureisen gebeten hatte. Er habe mit den Ärzten und Frau Suha Arafat gesprochen und werde die Führung über Arafats Gesundheitszustand unterrichten. Suha Arafat scheint die Hauptrolle in dem Drama um Arafats Ende zu spielen. Sie allein kann nach französischem Recht offenbar darum bitten, die lebensunterstützenden Maßnahmen abzubrechen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.11.2004, Nr. 261 / Seite 7
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