06.08.2006 · Abermals haben Raketentreffer der Hizbullah in Haifa Opfer gefordert. Am Sonntag erlebte Israel die bisher schwersten Attacken der radikal-schiitischen Miliz. Sowohl die Hizbullah als auch Israel intensivierten am Wochenende ihre Angriffe, obwohl der internationale Druck auf eine friedliche Lösung des Konflikts steigt.
Bei neuerlichen Raketenangriffen der Hizbullah auf die israelische Hafenstadt Haifa sind am Sonntagabend drei Menschen getötet worden. Mehr als 30 wurden nach Angaben der Rettungsdienste verletzt. In einem dicht bewohnten Stadtteil seien fünf oder sechs Geschosse eingeschlagen, sagte ein Feuerwehrsprecher. Mindestens ein Haus sei eingestürzt. Es war der schwerste Angriff auf die drittgrößte israelische Stadt seit Beginn der Gefechte zwischen Israel und der libanesischen Hizbullah-Miliz am 12. Juli. Schon früher am Tag waren durch einen Raketenangriff der Hizbullah zwölf israelische Soldaten ums Leben gekommen.
Beide Seiten setzten während des gesamten Wochenendes trotz internationalen Drucks für einen Frieden (siehe: Annäherungen auf diplomatischer Ebene) ihre gegenseitigen Angriffe intensivi fort. Außer durch die Raketentreffer kamen im Südlibanon auch bei den Gefechten am Boden offenbar abermals zahlreiche Soldaten ums Leben. Nahe Tyros wurde zudem erstmals die libanesische Armee aktiv in Kämpfe verwickelt.
Folgenschwerster Hizbullah-Angriff bisher
Eine Hizbullah-Rakete schlug am Sonntagmorgen mitten in eine Gruppe israelischer Reservisten im nordisraelischen Dorf Kfar Giladi ein, wie Sanitäter und israelische Medien berichteten. Neben den elf getöteten Soldaten seien acht weitere verletzt worden, vier davon schwer. Es war der bisher folgenschwerste Hizbullah-Angriff auf Nordisrael seit Beginn des Krieges vor dreieinhalb Wochen.
Die israelische Armee bestätigte, mehrere zum Einsatz im Libanon einberufene Reservisten seien getötet worden. Ein Reporter des israelischen Militärradios berichtete, Bewohner des Dorfes stünden weinend neben den teils in Bettlaken eingehüllten Leichen. Bäume standen nach dem Raketenangriff nahe des Dorffriedhofs in Flammen, dunkle Rauchwolken stiegen in den Himmel empor.
Weitere Verluste Israels
Bei den Bodenkämpfen im Libanon kamen nach Hizbullah-Angaben ebenfalls mehrere israelische Soldaten ums Leben oder wurden schwer verletzt. Die Guerilla-Kämpfer griffen demnach Militärfahrzeuge in Wadi Honeen an der Grenze und auf dem Weg zum Dorf Adajse an.
Eine Hizbullah-Gruppe attackierte zudem eine israelische Militäreinheit, die vom Grenzdorf Bijada nach Norden vordringen wollte. Insgesamt seien zwei israelische Panzer und zwei Bulldozer zerstört worden, teilte die Hizbullah mit. Von der israelischen Armee gab es dazu keine Stellungnahme. Schon am Samstag waren bei einem Kommando-Einsatz nahe Tyros offenbar acht israelische Soldaten verletzt und sieben Hizbullah-Kämpfer getötet worden. Dabei starben zudem ein Soldat der libanesischen Armee und vier Zivilisten.
Bekaa-Tal von der Außenwelt abgeschnitten
Die israelische Luftwaffe flog auch wieder Dutzende Angriffe auf den Libanon: Kampfjets bombardierten Straßen im östlichen Bekaa-Tal, wodurch die Region buchstäblich von der Außenwelt abgeschnitten wurde. Auch Stellungen der pro-syrischen Volksfront zur Befreiung von Palästina kamen unter Beschuß; zwei Mitglieder der Gruppe starben.
Insgesamt kamen seit Ausbruch der Kämpfe zwischen Israel und der Hizbullah mehr als 800 Menschen ums Leben, die meisten von ihnen libanesische Zivilisten. Der Konflikt war durch die Entführung zweier israelischer Soldaten durch die Hisbollah am 12. Juli ausgelöst worden.
Mörsergranate trifft Blauhelme
Durch das israelische Bombardement wurde offenbar auch ein Fahrzeug nahe eines UN-Hilfsgüterkonvois auf dem Weg in die südliche Hafenstadt Tyros getroffen, wobei nach Angaben aus libanesischen Sicherheitskreisen zwei Zivilisten starben. Ein Sprecher des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (UN) sagte, eine Rakete habe anscheinend einen Kleintransporter getroffen, der etwa 20 Meter vor dem Konvoi gefahren sei. Man müsse weitere Informationen abwarten, um die Lage besser beurteilen zu können. Durch eine Mörsergranate der Hizbullah auf einen Stützpunkt der UN-Schutztruppe Unifil erlitten zudem drei chinesische Soldaten leichte Verletzungen.
Während die Gewalt im Nahen Osten anhielt und die Zahl der Toten weiter anstieg, ging das diplomatische Ringen um eine UN-Resolution zum Libanon-Krieg weiter. Die Mitglieder des Sicherheitsrates bemühten sich um eine Einigung über die Details eines Entwurfs, den die Vereinigten Staaten und Frankreich am Vortag nach mühsamen Verhandlungen vorgelegt hatten. Während der Text in der israelischen Regierung auf Zustimmung stieß, äußerten sich Vertreter Libanons und der Hizbullah-Miliz ablehnend. Der Entwurf fordert ein Ende der Kampfhandlungen von beiden Seiten, räumt Israel anscheinend aber weiterhin das Recht auf militärische Verteidigung ein.