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Naher Osten Fünf Tote bei israelischer Militäraktion

10.10.2003 ·  Die israelische Armee ist mit 15 Panzern in ein Flüchtlingslager im südlichen Gazastreifen einmarschiert. Unterdessen verdichten sich Gerüchte um eine schwere Erkrankung von Palästinenserpräsident Arafat.

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Beim Einmarsch der israelischen Armee in das palästinensische Flüchtlingslager Rafah sind in der Nacht zum Freitag fünf Palästinenser getötet worden und etwa 40 weitere verletzt worden. Dies Angaben über die Militäraktion im südlichen Gazastreifen machten Krankenhausmitarbeiter und palästinensische Sicherheitskräfte.

Unter den Toten war demnach auch ein etwa zwölf Jahre altes Kind, das einen Kopfschuß erlitten hatte. Außerdem fielen ein Jugendlicher und drei Männer zwischen 22 und 33 Jahren der Attacke zum Opfer. Kampfhubschrauber hätten eine Rakete auf das Lager abgefeuert. Bei einem anschließenden Schußwechsel seien weitere Palästinenser verwundet worden.

Umfangreicher Militäreinsatz

Die israelischen Soldaten rückten mit rund 15 Panzern in das Lager ein, wie die palästinensischen Sicherheitskräfte sagten. Unterstützt wurden sie demnach von zwei Hubschraubern. Auch vor der Stadt Rafah hätten mehrere Panzer Stellung bezogen. Augenzeugen berichteten, an dem Einsatz seien insgesamt rund 60 Militärfahrzeuge und Panzer beteiligt gewesen. Planierraupen zerstörten drei Häuser an der Grenze. Es waren mehrere Explosionen zu hören. Eine Panzergranate zerstörte einen Transformator, danach ging im gesamten Lager das Licht aus.

Ein israelischer Militärvertreter sagte, die Armee habe Tunnel zerstören wollen, in denen zwischen der ägyptischen Grenze und dem Gazastreifen Waffen geschmuggelt würden. Vor der groß angelegten Aktion hätte es Hinweise gegeben, daß militante Palästinenser versuchen würden, Flugabwehrraketen zu bekommen.

Die Soldaten wurden von Spezialeinheiten mit Hunden begleitet, die auf das Aufspüren von Tunneln trainiert sind. Ein Offizier sagte, die durch die Tunnel unter der Grenze geschmuggelten Waffen fänden ihren Weg am Ende auch ins Westjordanland. Dabei handele es sich Flug- und Panzerabwehrraketen sowie Katjuscha-Raketen, die bis in das israelische Kerngebiet reichen würden und einen strategischen Einfluß auf den Krieg haben könnten. Da die ägyptische Regierung dem Schmuggel keinen Einhalt biete, müsse Israel selbst handeln.

“Time“: Arafat an Magenkrebs erkrankt

Der seit Tagen gesundheitlich angeschlagen wirkende Palästinenserpräsident Jassir Arafat hat nach Informationen des amerikanischen Nachrichtenmagazins “Time“ Magenkrebs. Das Magazin berief sich am Donnerstag auf seiner Internetseite time.Com auf Informationen aus dem Umkreis des Palästinenserführers in seinem Hauptquartier in Ramallah im Westjordanland.

Ägyptische Ärzte, die Arafat am Mittwoch zusammen mit einem jordanischen Medizinerteam untersucht
hätten, hätten “Besorgnis“ über den Gesundheitszustand des Palästinenserpräsidenten geäußert, zitierte “Time“ den katarischen Fernsehsender Al Dschazira. In der vergangenen Woche gab es auch Hinweise aus palästiensischen Kreisen, daß der 74jährige, der zuletzt einen sichtlich mitgenommenen Eindruck machte, einen Herzinfarkt erlitten habe .

Palästinenser fordern UN-Resolution

Unterdessen hat die palästinensische Regierung beim Sicherheitsrat der Vereinten Nationen am Donnerstag eine Resolution gegen den israelischen Sperrzaun zum Westjordanland beantragt. Diplomaten sagten, der Sicherheitsrat werde sich am Freitag mit dem Antrag befassen. In dem Resolutionsentwurf wird der Bau des Zauns auf besetztem Gebiet als Verletzung des Völkerrechts verurteilt. Diplomaten zufolge ist für die kommende Woche eine öffentliche Beratung zu dem Thema geplant.

Israel will sich mit der Sperranlage - teils ein Zaun mit elektronischen Sensoren, teils eine Mauer aus Beton - vor palästinensischen Anschlägen schützen. Die Palästinenser befürchten, der Zaun könnte die Grenzen eines künftigen Palästinenserstaates vorwegnehmen. Der Verlauf der Sperranlage orientiert sich nicht an der so genannten Grünen Linie, der Grenze vor dem Sechs-Tage-Krieg 1967, sondern reicht in besetztes Gebiet hinein, um jüdische Siedlungen zu umfassen. Dadurch sind palästinensische Dörfer und Städte vom Rest des Westjordanlandes abgeschnitten.

Knapp eine Woche nach dem Selbstmordanschlag in der israelischen Stadt Haifa erlag eine 56-jährige Anwohnerin ihren schweren Verletzungen, wie aus dem Krankenhaus verlautete. Die Zahl der Opfer stieg damit auf 20. Eine palästinensische Selbstmordattentäterin hatte sich am vergangenen Samstag in einem Restaurant in Haifa in die Luft gesprengt.

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