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Naher Osten „Falls Scharon mich töten will, meine Pistole ist bei mir"

18.09.2003 ·  Palästinenserpräsident Jassir Arafat droht Israel, spricht sich aber auch für eine Waffenruhe aus. Unterdessen hat die israelische Armee bei einem Angriff im Gaza-Streifen abermals ein führendes Mitglied der radikalen Hamas getötet.

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Palästinenserpräsident Jassir Arafat hat den israelischen Regierungschef Ariel Scharon beschuldigt, ihn töten zu wollen und zugleich angekündigt, daß er sich wehren wolle. „Scharon selbst hat zugegeben, daß er 17 Mal versucht hat, mich in Beirut (zu Beginn der 80er Jahre) zu töten. Aber ich bin hier. Meine Pistole ist in meiner Nähe“, sagte Arafat der israelischen Zeitung „Jediot Aharonot“.

Der 74jährige gab seit Mittwoch sieben TV- und Presseinterviews, darunter allein zwei für israelische Fernsehsender. Arafat, der immer wieder als todkrank abgeschrieben wurde, begrüßt nun mehrmals täglich hunderte Palästinenser, die ihrem Präsidenten beistehen wollen.

Das amerikanische Veto im UN-Sicherheitsrat werde Israel dazu ermutigen, seine umstrittene Entscheidung umzusetzen und ihn auszuweisen, zitierte der Fernsehsender Al Dschazira den Palästinenserpräsidenten. Bereits am Mittwoch hatte Arafat damit gedroht, er werde bis zuletzt kämpfen, sollte Israel versuchen, ihn festzunehmen und abzuschieben. Israel hat damit gedroht, Arafat zu „entfernen", was von der Formulierung her eine zwangsweisen Exilierung ebenso einschließt wie einen Tötungsakt.

„Bin zur Waffenruhe bereit“

Gleichzeitig erklärte sich Arafat aber zu einem Treffen mit Scharon bereit: Ebenso, wie er sich mit Scharons Sohn Omri getroffen habe, sei er auch zu einem Gespräch mit dem israelischen Ministerpräsidenten selbst bereit. „Laßt uns eine neue Seite aufschlagen. Ich bin zu einer neuen Waffenruhe bereit, ich rufe Israel auf, eine Waffenruhe zu vereinbaren“, sagte Arafat in dem Interview.

Auch der Islamische Dschihad sei zu einer Waffenruhe bereit. Die Diskussionen mit der radikalislamischen Hamas-Bewegung gingen weiter. „Ich will einen Waffenstillstand“, sagte Arafat am Mittwoch auch im israelischen Privatfernsehen. „Alle wollen Frieden, für das Wohl des Nahen Osten und der künftigen Generationen“ von Israelis und Palästinensern.

Israel hat Arafats Angebot abgelehnt. „Wir werden nicht wieder in diese Falle tappen“ sagte Scharon. Verhandlungen mit den Palästinensern könnten erst gelingen, wenn Arafat beseitigt sei.

Israelische Armee tötet Hamas-Mitglied

Unterdessen haben israelische Soldaten haben am frühen Donnerstagmorgen ein Mitglied des militärischen Arms der radikalen Palästinenser-Organisation Hamas erschossen. Während der Razzia im Palästinenser-Lager Nusseirat im Gaza-Streifen kam es nach Militärangaben zu einem Gefecht zwischen den israelischen Soldaten und palästinensischen Kämpfern, bei dem drei Soldaten verletzt wurden.

Die Soldaten waren beim Morgengrauen, unterstützt von Kampfhubschraubern, in das Lager vorgestoßen, um den 34-jährigen Dschihad Abu Swerad festzunehmen, ein ranghohes Mitglied der Kassam-Brigaden, der Militärorganisation der Hamas. Im Lager seien die Soldaten von bewaffneten Palästinensern in ein schweres Gefecht verwickelt worden, bei dem automatische Waffen und Granatwerfer eingesetzt worden seien. Die Soldaten hätten Abu Swerad erschossen, nachdem dieser das Feuer auf die israelischen Soldaten vor seinem Haus eröffnet habe. Nach Auskunft von Sanitätern wurde auch der Vater des Hamas-Kämpfers bei dem israelischen Vorstoß verletzt. Das Haus, in dem der Hamas-Funktionär lebte, wurde gesprengt.

Das Gefecht im Gaza-Streifen am Donnerstag wurde von Beobachtern als die schwerste militärische Auseinandersetzung zwischen Israel und den Palästinensern seit Monaten beschrieben. Der Gefechtslärm sei im gesamten Lager zu hören gewesen.

Auch im Westjordanland Schußwechsel

Nicht nur im Gazastreifen, auch im Westjordanland kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Paästinenser und der israelischen Armee: In Nablus kam ein Mitglied der El-Aksa-Brigaden bei einem Schußwechsel mit der Armee ums Leben. In Rafah im südlichen Gazastreifen an der Grenze zu Ägypten wurden fünf Palästinenser bei einem Vorstoß der israelischen Armee durch Schüsse von Soldaten verletzt, einer von ihnen schwer. Nach palästinensischen Angaben waren an dem Einmarsch in Rafah etwa zwanzig gepanzerte Fahrzeuge und zwei Planierraupen beteiligt.

Wie die Zeitung „Haaretz“ in ihrer Internetausgabe vom Donnerstag berichtete, nahmen Soldaten zwei Mitglieder des Islamischen Dschihad in der Nähe von Nablus im Westjordanland fest. Bei Radio Israel hieß es, eine der beiden Festgenommen sei eine Frau gewesen, die offenkundig einen Selbstmordanschlag geplant habe.

„Ihr seid ein mächtiges Volk"

Arafat wiederum zelebriert seine Auftritte. In Ramallah im Westjordanland jubelten ihm abermals tausende Palästinenser zu, als er sich in seinem teilweise zerstörten Hauptquartier zeigte. „Ihr seid ein mächtiges Volk", rief Arafat der Menge zu und warf ihr Kußhände zu. „Die israelischen Drohungen und Beschlüsse werden uns nicht erschüttern. Unsere Entschlossenheit, in unserem Land bis zum Jüngsten Tag zu bleiben, wird nicht erschüttert.“

Zuvor sagte der Palästinenserpräsident in einem Interview der israelischen Tageszeitung „Jedioth Ahronoth", die Israelis sollten sich schämen, seinen Tod zu wünschen. „Schließlich war ich ein Partner meines Freundes Jitzhak Rabin ... Habt ihr das vergessen?“ Arafat hatte 1993 mit dem damaligen israelischen Ministerpräsidenten Rabin das Übergangsfriedensabkommen von Oslo unterzeichnet, das den Palästinensern begrenzte Autonomie im Westjordanland und im Gaza-Streifen gewährte.

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