04.05.2004 · Amerikanische Diplomaten haben Präsident Bush wegen seiner Nahostpolitik scharf angegriffen. Die Unterstützung für Israel setze die Glaubwürdigkeit und das Prestige Amerikas aufs Spiel.
Etwa 50 ehemalige oder noch aktive amerikanische Diplomaten haben die Nahost-Politik von Präsident Bush scharf kritisiert und zu einer Kursänderung aufgerufen. In einem Brief, der am Dienstag von britischen Medien veröffentlicht wurde, warfen sie Bush vor, mit seiner „einseitigen und unqualifizierten“ Unterstützung für Israel die Glaubwürdigkeit und das Prestige Amerikas aufs Spiel zu setzen. Die Unterzeichner, darunter auch zwei noch amtierende Botschafter, folgten mit ihrem Appell dem Beispiel von 52 früheren britischen Diplomaten, die Ende April in einem offenen Brief die Nahost- und Irakpolitik von Premierminister Blair kritisiert hatten.
Die amerikanischen Diplomaten zeigten sich „zutiefst besorgt“ darüber, daß Bush die jüngsten Nahost-Pläne des israelischen Ministerpräsidenten Scharon offen unterstützt habe. Damit sei der internationale Nahost-Friedensplan („road map“) unterlaufen worden.
Rechte der Palästinenser ignoriert
Bush und Scharon hätten die Rechte von Millionen von Palästinensern ignoriert und ihre Vertreter von allen Verhandlungen ausgeschlossen. Die Tür zu Verhandlungen über die Möglichkeit eines Palästinenser-Staates sei zugeschlagen worden. Damit habe Amerika unter der Führung von Bush das Prinzip einer ausgeglichenen Politik im Nahen Osten aufgegeben und werde nicht mehr als „objektiver Friedenspartner“ angesehen.
„Sie haben amerikanische Diplomaten, Zivilisten und Militär im Ausland in eine unhaltbare und gefährliche Lage gebracht“, heißt es in dem Schreiben an Bush. „Nur mit der Rückkehr zur langen amerikanischen Tradition der Fairness kann die gegenwärtige Welle von Mißgunst in Europa, dem Nahen Osten und auch im Irak rückgängig gemacht werden“, heißt es in dem Schreiben.
Zu den Unterzeichnern gehören der noch amtierende amerikanische Botschafter in Saudi-Arabien, James Akins, und der amerikanische Botschafter in Syrien, Talcott Seelye. Die meisten der Unterzeichner sind Diplomaten im Ruhestand.