29.01.2004 · Zu dem Selbstmordanschlag auf einen Bus in Jerusalem, nur wenige Meter vom Amtssitz Scharons entfernt, hat sich der bewaffnete Arm der Fatah-Bewegung bekannt. Bei dem Attentat wurden mindestens elf Menschen getötet.
Zu dem Selbstmordanschlag auf einen Bus in Jerusalem haben sich die Al-Aksa-Brigaden bekannt. Der Attentäter, ein 24 Jahre alter palästinensischer Polizist aus Bethlehem, hinterließ eine Videoaufzeichnung, die am Donnerstag im Westjordanland verbreitet wurde. Der Mann erklärte darin, seine Tat sei eine Racheaktion, nachdem die israelische Armee am Vortag in Gaza neun Palästinenser erschossen hatte.
Bei dem Anschlag auf den Bus riß der Selbstmordattentäter am Donnerstag zehn Menschen mit sich in den Tod, mehr als 30 wurden verletzt. Die Al-Aksa-Brigaden sind ein bewaffneter Arm der Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Jassir Arafat.
Gewaltige Detonation
Der Anschlag ereignete sich kurz vor 9 Uhr Ortszeit in der Nähe der Residenz des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon im Stadtteil Rehavia. Der Regierungschef befand sich auf seinem Landsitz im Süden Israels. Nach dem Anschlag sagte die israelische Regierung ein geplantes Treffen mit Vertretern der Palästinenser und des amerikanischen Außenministeriums ab.
Der Bus befand sich auf der von Bäumen gesäumten Gaza-Straße im Zentrum Jerusalems. In ihm saßen vor allem Beschäftigte aus dem Hadassah-Krankenhaus, die ihre Nachtschicht beendet hatten. Der Täter befand sich nach Angaben des Jerusalemer Polizeichefs Mickey Levy im hinteren Teil des Busses, als er die Bombe zündete. Die Wucht der Explosion hatte das Dach des Busses zum Teil abgerissen und die Seitenfront abgerissen. Dutzende Rettungswagen waren am Anschlagsort im Einsatz. Helfer transportierten Verletzte auf Tragen weg.
„Es gibt keine Verbindung zwischen dem Bombenanschlag und dem Gefangenenaustausch", sagte Dore Gold, ein Berater Scharons.Erfolgreicher Gefangenenaustausch auf deutschem Boden. Der von Deutschland mit eingefädelte Austausch wurde fortgesetzt. „Die Palästinenser-Regierung tut weiterhin nichts, absolut nichts, um den Terror zu stoppen, der aus ihrem Gebiet kommt", sagte David Baker von Scharons Büro. „Israel ist gezwungen, seinen Kampf gegen den Terror fortzusetzen und solche Angriffe auf unsere Bürger zu verhindern.“
„Teufelskreis der Gewalt“
Scharons Sprecher Raanan Gissin sagte, der Anschlag mache die Gründe deutlich, warum Israel einen Zaun zu den palästinensischen Gebieten im Westjordanland errichte. „Der Rest der Welt sollte sich zurückhalten und uns tun lassen, was zu unserer Verteidigung nötig ist“, sagte Gissin zur internationalen Kritik am Bau der Sperranlagen. Die palästinensische Autonomiebehörde verurteilte den Selbsmordanschlag. „Wir verurteilen jeden Anschlag, der auf Zivilisten zielt, ob er sich gegen Israelis oder Palästinenser richtet", sagte der palästinensische Unterhändler Saeb Erekat. „Dieser Teufelskreis kann nur mit der Erneuerung eines ernstgemeinten Friedensprozesses durchbrochen werden“, sagte Erakat, „sonst gebiert Gewalt immer nur neue Gewalt.“
Der Anschlag war der schwerste seit dem 4. Oktober vergangenen Jahres. Damals kamen beim Selbstmordanschlag einer Palästinenserin in einem Restaurant in Haifa 21 Menschen ums Leben. Der letzte Selbstmordanschlag in Israel liegt einen Monat zurück: Am 25. Dezember kamen in Tel Aviv vier Menschen ums Leben. Die ägyptische Regierung versucht bisher ohne Erfolg, die militanten Organisationen der Palästinenser zu einem Gewaltverzicht zu bewegen. Der Europarat in Straßburg verurteilte den Anschlag als „gedankenlosen und willkürlichen Akt der Gewalt. Generalsekretär Walter Schwimmer rief Israel und die Palästinenser dazu auf, „sich vom Abgrund zu entfernen“.