21.10.2003 · Bei Luftangriffen israelischer Kampfflugzeuge und Hubschrauber auf Ziele im Gazastreifen sind in der Nacht zum Dienstag mindestens 13 Menschen getötet worden. Eine Rakete schlug in einer Menschenmenge ein.
Bei einer Serie von israelischen Luftangriffen auf Ziele im Gazastreifen sind bis zum späten Montagabend mindestens 13 Menschen getötet worden. Bis zu 100 Menschen wurden verletzt.
Der folgenschwerste Angriff ereignete sich am späten Abend in der Nähe des palästinensischen Flüchtlingslagers El Buredsch, wo allein zehn Palästinenser durch israelische Raketen getötet und 70 weitere verletzt wurden. Die Angriffe hatten bereits am Morgen begonnen. Nach Angaben der israelischen Armee galten die Aktionen während des Tages palästinensischen Waffenfabriken und Lagerstätten. Der Angriff am späten Abend nahe des Flüchtlingslagers El Buredsch habe einer Gruppe militanter Palästinenser gegolten, die zuvor versucht habe, nach Israel zu gelangen, und dann mit einem Auto geflohen sei, verlautete aus israelischen Sicherheitskreisen.
Rakete trifft Menschenmenge
Soldaten, die sich zuvor an der Grenzanlage einen Schußwechsel mit den Palästinensern geliefert hatten, hätten einen Kampfhubschrauber zur Unterstützung angefordert. Nach Berichten palästinensischer Augenzeugen traf eine von dem Hubschrauber abgefeuerte Rakete das Auto und tötete die drei Insassen, darunter ein führendes Mitglied der radikal-islamischen Hamas-Organisation.
Als sich dann eine Menschenmenge um die brennenden Trümmer des Wagens versammelt hatte, sei eine zweite Rakete von dem Hubschrauber aus abgefeuert worden, die 7 Menschen getötet und mindestens 70 weitere verletzt habe. Nach Angaben aus palästinensischen Krankenhäusern befanden sich in der Nacht zum Dienstag noch 15 Verletzte in kritischem Zustand.
Hamas kündigte Vergeltung an
Schon während des Tages waren bei drei israelischen Angriffen 3 Palästinenser getötet und mindestens 26 verletzt worden. Die Angriffserie hatte am Morgen begonnen, als F-16 Kampfflugzeuge im Osten von Gaza-Stadt ein Gebäude bombardierten, das palästinensischen Extremisten zum Bau von Waffen, darunter Mörsern und Raketen, diente. Zwei Stunden später beschossen Kampfhubschrauber nördlich des Stadtzentrums ein Auto und töteten zwei Insassen, bei denen es sich um Aktivisten des militanten Flügels der Hamas-Organisation gehandelt haben soll. Der Angriff erfolgte in der Nähe eines Kindergartens und zweier Schulen. Ein Passant wurde getötet, mehrere Kinder teils schwer verletzt. Bei einem dritten Hubschrauber-Angriff auf ein Versteck militanter Palästinenser wurde am Mittag nördlich von Gaza niemand verletzt.
Die radikal-islamische Hamas-Bewegung kündigte Vergeltung für die israelischen Angriffe an. Der palästinensische Ministerpräsident Ahmad Qurei verurteilte die Angriffe scharf. Das Vorgehen Israels sei inakzeptabel und nütze den Bemühungen um eine beiderseitige Waffenruhe nicht, sagte Kureia nach einer Kabinettssitzung in Ramallah. Palästinenserpräsident Jassir Arafat appellierte an die internationale Gemeinschaft, etwas gegen die israelischen Luftangriffe auf Palästinenser zu unternehmen. Was konkret gegen Israel unternommen werden solle, sagte Arafat in seiner ersten öffentlichen Reaktion auf die Angriffe nicht.