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Nachruf Günter Kießling gestorben

28.08.2009 ·  Bekannt wurde er erst durch die „Kießling-Affäre“, als ihn Verteidigungsminister Wörner am 31. Dezember 1983 in den einstweiligen Ruhestand versetzte. Am Freitag ist General Günter Kießling im Alter von 83 Jahren gestorben.

Von Horst Bacia
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Günter Kießling hatte alles erreicht, was ein Offizier der Bundeswehr in einer glatt verlaufenden Karriere erreichen konnte. Bekannt wurde er erst, als ihn Verteidigungsminister Wörner am 31. Dezember 1983 in den einstweiligen Ruhestand versetzte. Kießling war damals 58 Jahre alt und als Vier-Sterne-General Stellvertreter des Alliierten Oberbefehlshabers der Nato in Europa. Der höchste deutsche Offizier im Bündnis war ohne Angabe von Gründen entlassen worden. Es dauerte nur wenige Tage, bis eine Boulevardzeitung hinausposaunte: „Homosexualität? - Hoher deutscher General gestürzt.“

Die „Affäre Kießling“ wurde zur „Affäre Wörner“. Der General hatte ein Disziplinarverfahren gegen sich beantragt und kämpfte mit Hilfe der Öffentlichkeit für seine Rehabilitierung. Nach vier Wochen wurde er für kurze Zeit wieder eingestellt und vom Minister mit einem Zapfenstreich in den Ruhestand verabschiedet. Der hatte sich durch Ungeschicklichkeiten und Peinlichkeiten selbst in die Enge manövriert. Doch Bundeskanzler Kohl lehnte das Rücktrittsangebot des Ministers ab. Wörner blieb im Amt und wurde 1988 Nato-Generalsekretär.

Die Affäre prägte die Bundesrepublik

Kießling, am 25. Oktober 1925 in Frankfurt am Main geboren, hatte als Jugendlicher am Zweiten Weltkrieg teilgenommen. Schon als Vierzehnjähriger meldete er sich zur Unteroffiziersausbildung in Dresden; 1945 war er Leutnant in einem Infanterieregiment. Er holte am Abendgymnasium das Abitur nach, studierte Wirtschaftswissenschaften und wurde in Bonn promoviert.

Danach trat er in den Bundesgrenzschutz ein und wechselte 1956 zur Bundeswehr. Vom Typ her kein Truppenführer, sondern jemand, der viel Zeit in seiner Bibliothek zubrachte, wurde er 1971 einer der jüngsten Generale der Bundeswehr. Nach seiner Entlassung hatte Kießling einen Lehrauftrag an der Universität Erlangen.

In seinen Erinnerungen mit dem Titel „Versäumter Widerspruch“, die 1993 erschienen, ging er nur im letzten Kapitel kurz auf die Affäre ein, die die Bundesrepublik nachhaltig prägte. Dort findet sich der Satz: „Ich habe Zweifel, ob ich die volle Wahrheit dessen, was hinter dem Skandal steckte, noch erfahren werde.“ Am Freitag ist Günter Kießling im Alter von 83 Jahren gestorben.

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